Unterwegs ohne Visitenkarte?

Nunmehr bin ich seit über 10 Jahren selbständig und kann von mir behaupten, ein echter Netzwerker zu sein. Doch was ist das überhaupt? Netzwerken?

Früher war ich sehr oft auf Netzwerk-Veranstaltungen. Dort tauschte man sich oftmals schon nach dem Händeschütteln die Visitenkarten aus. Schon damals fand ich das sehr eigenartig. Auch das Geben von zwei Karten, damit man eine weitervermitteln kann, ist für mich immer sehr sonderbar gewesen.

Wie kann ich jemanden weitervermitteln, den ich soeben erst kennengelernt habe? Weder kann ich etwas über seine Leistungen oder Geschäftsgebaren erzählen, denn auch der Mensch, der dahinter steht zählt – um eine Empfehlung auszusprechen.

Eine echte Empfehlung ist das Kostbarste im Bereich Netzwerken, was du machen kannst.

Doch nicht immer sind Empfehlungen goldwert, da kann auch schon mal etwas in die Hose gehen. Im Laufe der letzten 10 Jahre bin ich mit Empfehlungen sparsamer geworden. Im Grunde, kannst Du nur Menschen empfehlen, die du wirklich kennst, bzw. deren Leistungen du auch schon einmal in Anspruch genommen hast. Oder auch Menschen deines Vertrauens schon in Anspruch genommen haben.

Ehrlich gesagt, besuche ich kaum noch Netzwerk-Veranstaltungen. Auch gehe ich meist ohne Visitenkarte außer Haus. Irgendwie hat sich das bei mir so eingeschlichen und das schon seit Jahren. Owehh, könnte man meinen – ohne Visitenkarten außer Haus. Doch ich habe meist das CLIQUE-Magazin in der Tasche, zumindest wenn ich geschäftliche Termine habe. Meine größte Visitenkarte. Klar, ist für manche etwas unbequem, da es nicht mal eben kurz in die Tasche passt. Natürlich sammle ich, wenn ich unterwegs bin fleißig die Visitenkarten meiner Gesprächspartner ein. By the Way,  mittlerweile könnte ich eine ganze Wand damit tapezieren. Und wenn ich privat unterwegs bin, möchte ich auch privat bleiben.

In der Regel verlieren sich die gesammelten Kontakte. Wenn ich diszipliniert bin, dann arbeite ich sie noch am nächsten Tag ab und verknüpfe mich auf XING oder Facebook. LinkedIn benutze ich überhaupt nicht mehr. Da hab ich irgendwie den Zug verpasst. Selbst wenn ich am Abend zuvor versprochen habe „meine Zeitung“ zuzusenden und dieses Versprechen einhalte, höre ich meist nie wieder etwas von den Leuten. Okay, mein Fehler, ich müsste nachtelefonieren. Mach ich jedoch nicht immer.

Letztens habe ich mich ertappt nach einer Druckerei für günstige Visitenkarten zu suchen. Ich weiß nicht einmal mehr, wo ich meine damals habe drucken lassen, hängengeblieben bin ich bei Helloprint, weil ich – da ich ja so selten Visitenkarten benötige – mir ein paar Besondere drucken lassen wollte. Also so etwas mit Spezialeffekt, man nennt das auch Spot UV Veredelung, aber das nur am Rande.

Netzwerken ist echte Arbeit, du musst Dich selbst bemühen, Dich melden, immer wieder in Erinnerung bringen – oder auch eben nicht.

Ich bin nunmehr seit über 10 Jahren selbständig. Natürlich ist eine Visitenkarte wichtig. Doch auch diese wird überbewertet. Willst Du wirklich mit jemanden in Kontakt kommen, dann bemühe Dich. Rufe ihn oder sie einfach an. Verabrede Dich zu einem Gespräch, halte Versprechen ein und melde Dich einfach hin und wieder einmal.

Auch muss es nicht immer einen Grund geben um jemanden anzurufen. Im geschäftlichen Bereich tut es dem anderen auch einfach nur gut zu fragen: Wie geht es, was gibt es Neues im Geschäft und verdammt noch einmal: Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, den Spieß einfach mal umzudrehen und zu fragen:

Gibt es etwas, was ich für Dich/Sie tun kann?

Netzwerken heißt auch Geben. Das wollte ich mal gesagt haben. Und werdet nicht nervös, wenn ihr Eure Visitenkarten vergessen habt – ihr bekommt ja die vom „Gegenüber“. Macht was draus!

Foto Headline: pixabay

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