Teure Mieten abschaffen

Was passiert eigentlich, wenn man sich gezielt mit dem Berliner Wohnungsmarkt beschäftigt? Ein Thema was uns alle betrifft, doch meist ärgern wir uns einfach, leben und zahlen den allmonatlichen Wahn weiter. 

Doch einem Mann ist das zu wenig! Hamid Djadda möchte etwas verändern. Dass er voller Tatendrang ist und „die Dinge“ nicht einfach so stehen lässt, hat er mit dem Kauf der AVUS Tribüne, die ja schon über Jahrzehnte dahinsiechte durchaus bewiesen. Auch seine Marzipanmanufaktur OHDE in Neukölln ist solch ein Projekt, welches nicht einfach nur quatschen, sondern auch machen umsetzt. Schließlich geht hier ein großer Teil der Einnahmen an Sozialarbeiter, die dadurch an Schulen verstärkt eingesetzt werden können. Wir treffen uns in seinen Büroräumen in Tempelhof.

Hamid, Du hast so intensiv über das Thema „Wohnungsmarkt“ recherchiert, dass daraus ein 200 Seiten starkes Buch wurde. Was war der Auslöser sich mit dem Berliner Wohnungsmarkt zu beschäftigen?

Es gab einige Auslöser. Meine Schwester zum Beispiel hat zusehen müssen, wie ihre Lieblingsbäckerei in Kreuzberg ihren Standort und somit eine ganze Familie ihre Existenz verlor. Schlicht und alleine deswegen, weil ein Investor die Immobilie kaufte und die Miete verdoppelte. Natürlich konnte die Bäckerei die Miete nicht mehr tragen. Es ist tragisch zuschauen zu müssen, wie eine Familie, die immer hart gearbeitet hat innerhalb kürzester Zeit ihre Existenz verliert. Und das ist nur eines von vielen Beispielen, die mich angeregt haben intensiver hinter die Kulissen zu schauen, denn das Problem in einer bezahlbaren Wohnung zu wohnen oder sie überhaupt erst zu finden, betrifft die meisten von uns.

Wir wissen alle, dass die Mieten in Berlin gestiegen sind, warum hast Du darüber ein Buch geschrieben?

Durch Zufall bekam ich eine Zeitung in die Hand, in der es einen Artikel über den Berliner Wohnungsmarkt gab. Doch bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass die Zeitung vier Jahre alt war. Dadurch wurde mir bewusst, dass das Thema immer noch aktuell, jedoch auch unverändert blieb. Seit 8 Jahren bin ich nunmehr in Berlin und seit 8 Jahren schimpfen alle über den Wohnungsmarkt. Die Politiker sagen, sie werden etwas unternehmen und was ist passiert? Die Mieten steigen weiterhin!

Warum ist das so? Das kann doch nicht nur an den Politikern liegen habe ich mich gefragt und fing an zu recherchieren und zu analysieren. Viele verstehen bis heute nicht, wie es dazu kommen konnte. Doch wenn man versteht, wie es dazu kommen konnt, dann weiß man, was man machen muss. 

Wie können wir das Problem lösen? Finde ich im Buch denn Lösungsansätze? 

Als allererstes möchte ich einmal sagen, dass das größte Hindernis Probleme zu lösen, die Uneinigkeit der Parteien ist. Streiten, teilen und nichts erreichen wird seit Jahren praktiziert. Es gibt nicht nur Lösungsansätze sondern eine ganze Reihe von Maßnahmen um das Problem anzugehen.

Werde ich als Laie das Buch und die Lösungsansätze verstehen oder wird es wie in der Politik kompliziert?

Nein gar nicht. Das Buch ist 200 Seiten lang und in einer einfachen Sprache verfasst, so dass jeder auch alles verstehen kann. Es gibt sogar einiges zum Schmunzeln.

Gibt es schon Lösungsansätze, die man ausplaudern darf?

Natürlich. Zuerst habe ich herausgefunden, dass wir pro Jahr einen Zuwachs von 40.000 Menschen in Berlin haben, wir bauen jedoch nur 20.000 Wohnungen jährlich. Das kann ja nicht klappen. Es folgten viele Gespräche mit Fachleuten. Ich habe nachgehakt und nicht locker gelassen. Erstaunlicherweise sind die Kenntnisse sehr unterschiedlich und auch teils recht begrenzt. Ein interessanter Lösungsansatz wäre zum Beispiel existierende Steuergesetze im Wohnraumbereich die von Spekulanten ausgenutzt werden anzugehen. Man kann Spekulanten nicht einmal anlasten, diese Möglichkeiten zu nutzen. Schuld sind hier falsche Rahmenbedingungen. Eine Maßnahme wäre zum Beispiel, einen Teil der Immobilien dem Markt zu entziehen, damit Spekulationen nicht mehr möglich sind.

Und wie soll das gehen?

Das geht über gemeinnützige Stiftungen. Wenn eine Stiftung eine Immobilie kauft, darf diese nicht mehr verkauft werden. Da die Stiftung auch keinen Gewinn erzielen darf, können Mieten relativ konstant gehalten werden.

Hast Du ein Ziel mit dem Buch verknüpft oder wolltest Du Dir einfach mal Luft verschaffen?

Es geht mir nicht darum Luft zu verschaffen, sondern um aufzuklären und etwas zu bewegen. Mit dem Buch verfolge ich zwei Ziele. Es ist unabdingbar, dass sich einige Gesetze ändern müssen und hierzu Maßnahmen in Gang gesetzt werden sollten. Es muss sich auf Bundesebene sowie im Land Berlin etwas bewegen, das ist ein Ziel. Die Steuergesetze können nur mit Bundesrecht angefochten werden, das kann etwas länger dauen. Das Land Berlin kann jedoch mithilfe des Volkes etwas ändern und Druck auf die Politiker ausüben, das ist ein weiteres Ziel. Auch sollten wir bei den ganzen Diskussionen um den Wohnraum das Kleingewerbe nicht vergessen, die besonders aufgrund der überteuerten Mieten leiden müssen.

Wie soll das gehen echte Veränderungen herbei zu führen? Die Berliner sind größtenteils doch sehr müde geworden?

Das glaube ich weniger. Die Berliner sind sehr aktiv und auch viel wacher geworden. Natürlich wird es eine Weile dauern bis es Veränderungen geben wird. Doch, gar nichts zu tun, ist keine Option. Wir haben uns zum Ziel gesetzt Möglichkeiten eines Volksentscheids zu nutzen, um Veränderungen voranzubringen. Wir planen aktuell eine Kampagne um die Aufmerksamkeit auf eines der wichtigsten Themen zu lenken und das sind bezahlbare Wohnungen. Hierzu haben wir den Verein „Erste Sahne e.V.“ gegründet. Den Namen wird sich jeder merken können. Für eine Kampagne benötigt man natürlich viel Geld.

Deswegen werde ich jeden Cent,

den das Buch einnimmt in den Verein stecken.

Wir werden Merchandising-Produkte entwickeln um alle Erlöse in die Vereinskasse zu stecken. Den Politikern habe ich ein sehr großes Kapitel gewidmet. Schon jetzt freue ich mich auf einen angeregten und zielführenden Austausch. Wir müssen doch gemeinsam etwas bewegen können.

Das hört sich an wie eine Kampfansage. Es wäre ja schon revolutionär, wenn wir gemeinsam anpacken und wirklich die Preisfindung im Wohnungsmarkt verändern könnten. Für mich fast Utopie. Wer kann denn Vereinsmitglied bei „Erste Sahne e.V. werden“?

Nein, das ist keine Utopie. Wenn wir alle unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass sich etwas verändert, anstelle darauf zu hoffen, dass sich etwas verändert. Gemeinsam ist eine ganze Menge zu schaffen. Doch dafür müssen wir Druck auf die Politiker ausüben. Mitglied kann übrigens jeder werden. Die Mitgliedschaft kostet 2,50 € im Monat, das ist so viel wie eine Tasse Capuccino.

Wann ist das Buch erhältlich?

Im Mai wird es veröffentlicht, wer sich schon jetzt für unsere Kampagne oder das Buch interessiert meldet sich auf der Website an. Wir informieren Euch über den Erscheinungstag und halten alle auf dem Laufenden zwecks unserer Kampagne über den Verein „Erste Sahne e.V.. Natürlich würden wir uns über ein reges Mitmachen sehr freuen, denn es wäre im Sinne uns aller.

…und Du bist davon überzeugt, dass sich hier etwas bewegen lässt?

Ich möchte meine Zeit nicht verschwenden, ich bin Unternehmer. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen können.

Autorin: Anita Tusch

 

!!BUCHTIPP!!

Teure Mieten abschaffen.  – Erscheinungstermin Mai 2019 –

Wer mitmachen, den Erscheinungstermin sowie weitere Aktivitäten des Vereins nicht verpassen möchte, bzw. auf dem Laufenden bleiben möchte registriert sich bitte unter: Erste-Sahne.Berlin 

 

AKTUELLE NEWS!

 

Heute, am 08.04.2019 wurde der erste „Burgstein“ gelegt,  „Das Wunder von Friedenau“

 

 

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