Death Ents kann man nicht vermarkten!

Wer im Süden Berlins wohnt, hat bestimmt schon einen Baumkobold gesehen. Doch eigentlich sind es keine Baumkobolde sondern „Death Ents“, doch dazu später.

Mittlerweile gibt es über 3000 in unserer Stadt. Wir sprechen mit dem „Vater“ dieser Aktion und finden heraus, worum es wirklich geht! Unbeachtet verenden unendlich viele Baumstümpfe gefällter Bäume in Berlin. Vergessen ihre Dienste für Tier, Mensch und Natur. Doch einer beachtet sie, denn die Death Ents, wie er die Baumkobolde nennt – hat Harald Kortmann alle selbst gestaltet. Unermüdlich setzt er Baumstumpf für Baumstumpf in den Fokus. Nein, das ist keine Marketing-Aktion und wenn,  dann ganz sicher nicht für einen kommerziellen Zweck. Wir treffen uns in Steglitz mit Harald. Auslöser dieses Treffens war ein Shitstorm auf Facebook. Ein Video auf Youtube löste heftige Reaktionen in der Facebook-Gruppe von Steglitz-Zehlendorf aus.

In dem Video hat sich ein Architekt über die „Verunglimpfung“ der Baumstämme beschwert. Er ist der Meinung, die Würde des Baumes wäre nicht gewahrt, durch Haralds inszenierten „Gesichter“ (Anm.d.Red.: und zerstörte rabiat vor laufender Kamera einen der ersten Death Ents von Harald). Doch die Facebook-Community sah das völlig anders und stand geschlossen hinter Haralds Baumkobolde. Er selbst hat glücklicherweise von diesem Shitstorm erst Wind bekommen, als der größte Sturm schon vorbei war. „Durch ein Like einer Freundin, wurde ich aufmerksam.“ erzählt er. „Doch, es war schon alles gesagt. Mir blieb nur noch eines, den Menschen zu danken, die sich für mich eingesetzt haben!

Harald, wie bist du überhaupt auf diese Idee der „Death Ents“ gekommen? 

Also, dass dieser Satz einmal die meist an mich gerichtete Frage sein wird, habe ich damals nicht ahnen können. Zuerst stellte sie mir meine Mutter. Sie hatte Geburtstag und widmete ihr meinen ersten „Baumkobold“. Ich bin unheimlich naturverbunden, so fiel mir extrem das Baumfällen in meiner Straße auf. Einmal war ich neun Tage im Krankenhaus, danach fehlten drei Bäume in meiner Straße. Insgesamt sind seit 2014 in der Kniephofstrasse 16 Bäume gefällt worden. Die Baumstümpfe sterben ab, verrotten irgendwann. Mich macht das alles einfach traurig. Jeder Baum hatte seine Lebenszeit und hat uns und der Natur viele Dienste geleistet. So überkam es mich eines Tages mitten in der Nacht.

Ich wollte ein Zeichen setzen.

Mehr Aufmerksamkeit für unsere Natur, das ist meine Mission! Die Aufmerksamkeit, die jetzt jeder Baumkobold bekommt, freut mich und ich freue mich über jeden, der sich über den Anblick erfreuen kann. Doch die Botschaft dahinter bedeutet: achtsamer mit unserer Umwelt umzugehen.

Was meinst Du genau damit, Harald? Wie schnell doch so ein Baum gefällt ist! Bäume spenden Schatten und Sauerstoff. Nicht zu vergessen, dass sie Vögeln und anderen Tieren Unterkunft schenken. Übrigens sind sie unterschiedlichen Stressfaktoren ausgesetzt. Hunde benutzen Bäume als Toiletten, manche ritzen einfach irgendwas in die Rinde. Nicht zu vergessen, die vielen Abgase, denen sie ausgesetzt sind. Bäume und ihr Holz sind für mich eine der elementarsten Werte, die wir auf der Welt haben. Denkt bitte daran, dass sie unsere Stadt schöner machen, sie liefern uns Holz für Häuser, Möbel und so vieles mehr. Was meinst Du, wieviel Geschichten, könnte ein einziger Baum wohl erzählen?

Jetzt werde ich schon nachdenklicher, ja wir gehen wahrscheinlich viel zu selbstverständlich mit unseren Ressourcen um. Es geht Harald nicht nur um Aufmerksamkeit sondern um Wertschätzung.

„Würdest Du einen gefällten Baum beachten, wenn du nur den abgesägten Baumstumpf sehen würdest? Hast Du schon einmal solch einen Baumkobold entdeckt und dich dabei ertappt, dass ein Lächeln über Dein Gesicht huscht?“

„Stimmt, ich habe gelächelt“, gebe ich gerne zu. Harald ist ein Typ, mit dem nicht jeder klar kommt, denn er gehört zu den Menschen, die so sprechen, wie andere denken aber sich nicht trauen auszusprechen. Er spricht Tacheles – auch mit mir. Kein Blatt vor dem Mund.

„Ich lass mir nicht meinen Planeten zuscheissen“, knallt er raus und damit meint er nicht die Hunde, die sich hin und wieder entledigen.

„Die Menschen heute haben alle keine Zeit und verstehen nicht, dass vieles seine Zeit benötigt. Der Architekt hatte völlig missachtet, dass in den zwei Jahren das Gesicht des Baumkobolds von einem Pilz eingewachsen war. Damit das passiert muss Zeit vergehen, zu dem war es mein ältester Kobold. Für mich völlig unverständlich diese Herangehensweise.“

„Kannst Du dich noch an „Körperwelten“ erinnern?“ fragt er spontan. „Ja, ich war da und fand es befremdlich und doch faszinierend“, entgegne ich. „So musst Du dir das mit Bäumen vorstellen. Mich fasziniert jeder Zentimeter. Die Sporen des Pilzes, wie er sich in das Holz reinfrißt, die Spuren des Holzwurms, die wie eine Zeichnung im Holz erkennbar sind.

Für einen Hifi-Laden im Süden Berlins habe ich einmal ein Wurzelgeflecht zu Dekorationszwecken bearbeitet. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft das Telefon klingelte. Alle wollten auf einmal ein Wurzelgeflecht von mir haben. Die Menschen verstehen jedoch nicht, dass solche Dinge nicht „mal eben“ gemacht werden können, sondern über Jahre und Jahrzehnte hinweg entstehen. Von jedem Stück ist Mutter Natur der Produzent. So etwas findet sich. Viele von uns haben verlernt geduldig zu sein.

Wir schenken den Kindern so etwas wie einen Hasen, von dem wir wissen, dass er nach ca. drei Jahren stirbt und unser Kind mit dem Tod konfrontiert wird. Warum schenken wir nicht etwas, das beständig wachsen kann?

Oweeh, ich habe meiner Tochter auch einen Hasen geschenkt, fällt mir beschämender Weise ein, doch das verschweige ich.

Ja, Harald trifft den Nagel auf den Kopf und ist unermüdlich. „Warum ist es uns eigentlich peinlich, eine Gießkanne zu nehmen und den Baum vor unserer Tür im Sommer an heißen Tagen etwas Wasser zu geben?“ sprudelt es aus ihm weiter heraus. Ich zucke mit der Schulter, nie darüber nachgedacht. „Schon mal jemanden mit der Gießkanne vor der Haustür gesehen? Die meisten denken, der oder die hat sie nicht mehr alle. Einige machen das heimlich, weil sie sich schämen. Wir sollten mit den Kindern hinausgehen und unsere Bäume vor der Haustür pflegen. So entsteht Wertschätzung für unsere Natur. Scham, ist hier ein ganz schlechter Berater.“

Dann nimmt mich Harald mit in seine Wohnung, er möchte mir einen kleinen Baumkobold, er nennt sie Little Ents schenken. Als erstes nehme in die Worte

„Geschenk an die Menschheit“

wahr, die er in übergroßer Schrift auf seine Wand geschrieben hat. „Harald, warum steht das dort?“, will ich wissen.

„Weißt Du, Anita, ich bin hier. Den Regenwald kann ich nicht retten. Da, wo mein Schraubenzieher passt, werde ich aufmerksam machen, dass unsere Menschheit ganz viele Geschenke der Natur erhalten hat. Jeder kann ein Stück dazu beitragen. Mit kleinen vorgezogenen Zwiebeln, die ich mitnehme wächst an einem Baumstumpf auf einmal eine Gladiole oder eine Wickelwinde. Das ist nur ein kleines Körnchen, welches ich hier und da säe. Das kannst Du auch. Die Natur ist ein Geschenk an die Menschen!

Was ist Dein Ziel, frage ich. „Mein Ziel ist Unsterblichkeit! Im ersten Moment denke ich, Du meine Güte ist der durchgeknallt. Doch er ist mir längst einen Schritt voraus.

„Erinnerst Du Dich an Anders Breivik oder Anis Amri?“ Mir fallen natürlich sofort die Attentate in Schweden und am Breitscheidtplatz ein.

„Warum fallen uns schlimme Ereignisse sofort ein aber die Guten nicht?“ fragt er mich!                            …und ich verstehe sofort!

„Ich habe über 3000 dieser Baumkobolde in unserer Stadt installiert. Ich werde nicht aufhören, das zu tun. Die Menschen mögen sich daran erinnern, dass die Natur unser wichtigstes Gut ist und der Vater dieser Bäume Harald Kortmann ist. Ich fühle mich einfach zuständig für unsere Bäume. Mir macht das Spaß und ich spüre überhaupt keine Erschöpfung dabei. Das Geld welches ich für die Baumkobolde ausgebe tut mir nicht weh. Es ist eine Fußspur, die ich lege … und ich habe mit einer Schuhgröße von 49 ziemlich große Füße. Es ist eigenartig, alles was ich vorher gemacht habe, erscheint mir heute nicht mehr wichtig. Was brauchte ich doch für Nippes um meine Seele streicheln zu lassen? Doch das, was ich heute mache ist für mich immer wieder ein befriedigender Erfolgsmoment.

Auch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass lt. Senat kein Baumstumpf länger als drei Jahre stehen sollte. In dieser Zeit ist ein Baumstumpf mitsamt Wurzeln abgestorben, sodass die Grundlage für die Pflanzung eines neuen Baumes gegeben ist. Erinnert ruhig Euer Bezirksamt, wenn ein Baumstumpf bei Euch länger als drei Jahre existent ist, damit ein neuer Baum gepflanzt werden kann.

Er erzählt mir, dass er die Baumkobolde eigentlich Death Ents nannte und nicht Baumkobolde – und hake nach.

Harald, warum Baumkobolde und nicht Death Ents? Man sagte mir, dass der Name „Death Ents“ nicht gut ankommen würde. Baumkobolde mögen die Menschen, Death Ents kann sich keiner merken. Mir ist es egal, wie meine Werke genannt werden. Das Wort Ents stammt aus „Herr der Ringe“, das sind Baum-Hirten, die geschaffen wurden, um Pflanzen zu beschützen. Und wenn Du wieder einen meiner Death Ents oder Baumkobolde entdeckst, wünsche ich mir, dass Du lächelst. Und im zweiten Moment, denke an unsere schöne Natur und die Verantwortung, die wir für sie haben.

Werde auch Du  zum Beschützer unserer Erde.“

„Das mach ich, versprochen! Und ich hoffe, Ihr auch!“

Autor: Anita Tusch

www.baumkobolde.de

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