Bringen Petitionen eigentlich etwas?

Wahre Geschichte: Auf dem Hafenfest am Tempelhofer Hafen belauschte ich ein Gespräch.   Ein junges Mädchen, vielleicht 22 oder älter sprach mit ihren Eltern über die Welt. Sie war sehr weltkundig, sprach über TTIP, Monsanto, Plastikmüll, Ernährung und unsere Wirtschaft. Irgendwann sagte sie

„ich finde das alles ganz schön anstrengend, so viele Probleme auf unserer Erde. Nichts ist perfekt.“

Das klang irgendwie traurig. Mit 22 habe ich mich durch die Diskotheken getanzt und mit meinen Freunden Spaß gehabt. Die Welt, wollten wir nicht verändern. Wir haben den Tag zu unserem gemacht und nur die Welt um uns herum verändert. Die jungen Leute von heute sind hier leider weitaus mehr den Medien ausgesetzt, als wir es damals waren.

Doch sie können gemeinsam heute vielleicht viel mehr erreichen, als wir es uns damals erträumen konnten. Mich machte dieser letzte Satz nachdenklich, denn mit 22 Jahren schon zu denken, dass um uns herum vieles ganz schön „kaputt“ ist und das ganz schön anstrengend sein kann, die Welt zu verändern – sollte nicht so stehen bleiben.

Das Thema Petitionen fiel mir hierzu ein. Es gibt eine Menge engagierter Menschen, die für oder gegen etwas kämpfen. Hast Du schon einmal bei einer Petition mitgemacht? Ich ehrlich gesagt noch nie. Meist denke ich, was sollen Unterschriften denn schon bringen?

Doch es ist nicht immer alles aussichtslos. Es gibt glücklicherweise eine ganze Menge engagierter Menschen, die sich für etwas einsetzen. Die Welt, sie ist sicher nicht perfekt – das wird sie auch nie sein. Schließlich sind wir Menschen auch nicht perfekt. Sich für die Natur, Umwelt und mein Gegenüber einzusetzen ist und bleibt eine wichtige Tugend, die wir uns erhalten sollten.

So treffe ich auf Christian Bock, Campaigner bei SumOfUs, einer Gemeinschaft von Menschen aus der ganzen Welt, die sich dafür einsetzen, die immer größer werdende Macht von Konzernen einzudämmen. Christian, bitte erkläre unseren Lesern wer ihr seid und was ihr macht:

Christian: SumOfUs ist eine Verbraucherorganisation mit über zehn Millionen Mitgliedern auf der ganzen Welt. Unser Motto ist „Menschen vor Profit“ und gemeinsam mit unseren Mitgliedern kämpfen wir dafür, dass globale Großkonzerne Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Indem wir die Möglichkeiten der Digitalisierung für unsere Kampagnen nutzen, können wir dabei auch großen Konzernen die Stirn bieten.

Gibt es denn wirklich Erfolge, die durch Eure Petitionen verzeichnet werden können?

Einige sogar! Erst kürzlich haben wir als Teil einer Koalition von Organisationen mit dafür gesorgt, dass mehrere Pestizide, die mitverantwortlich für das Bienensterben sind, EU-weit verboten worden sind. Dieser Fall zeigt auch gut, wie Petitionen oft nur der Startpunkt unserer Kampagnen sind: Mit von unseren Mitgliedern finanzierten Werbeanzeigen, tausenden Twitter-Nachrichten und E-Mails an Entscheidungsträger und sogar einem persönlichen Treffen mit Vertretern der EU-Kommission wurde dieser Erfolg am Ende erst durch kontinuierliche Arbeit auf vielen Ebenen möglich.

Ein anderes Beispiel ist McDonald’s: In Großbritannien haben wir erreicht, dass die Fastfood-Kette dort Plastiktrinkhalme abschafft. Diesen Erfolg wollen wir als nächstes auch auf Deutschland und ganz Europa ausweiten. Das passt ja auch ganz gut zu eurem Thema: Denn die Millionen Tonnen Müll aus Einwegplastik, die wir jährlich produzieren, belasten die Umwelt für hunderte Jahre — dass das für das Karma nicht gut ist, sollten auch Konzerne wie McDonald’s einsehen.

Wofür kämpft ihr aktuell, bzw. welche Themen, bzw. Petitionen sind derzeit aktuell? 

Ein Thema, das uns derzeit beschäftigt, ist die massive Abholzung des Regenwaldes. Täglich werden riesige Flächen vernichtet, um dort bspw. Palmöl oder Kakao anzubauen — in den meisten Fällen auch noch illegal. Hier versuchen wir aktuell, große Konzerne wie PepsiCo unter Druck zu setzen, damit sie ihre Lieferkette aufräumen und so bei den Zulieferern dafür sorgen, dass der Raubbau an der Umwelt und die Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen vor Ort gestoppt wird.

Vielen Dank und Euch weiterhin viel Erfolg, Christian!

Autor: Anita Tusch

 

Kurz über SumOfUs

SumOfUs hat über zehn Millionen Mitglieder, die gemeinsam als internationale Verbraucherorganisation mitwirken. Sie sind jederzeit bereit, auch die größten Unternehmen der Welt mit Kampagnen zur Verantwortung zu ziehen. Mit Hilfe digitaler Technologien starten und gewinnen sie Kampagnen im Rekordtempo und bringen mit einem Klick Verbraucher/innen, Arbeiter und Investoren aus der ganzen Welt zusammen.

Mehr Info unter: www.sumofus.org

 

 

 

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