AVUS Tribüne – im Gespräch mit dem neuen Inhaber Hamid Djadda

Die erste Autobahn der Welt: Die AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) ist eine ehemalige Langstrecken-Rennbahn, die heute den nördlichen Teil der Bundesautobahn A115 bildet. Deutschlands legendäre Rennstrecke wurde bereits vor knapp 100 Jahren eröffnet und war damals die schnellste Rennstrecke der Welt. Die berühmte dazugehörige Tribüne in Charlottenburg bei der Ausfahrt Messedamm ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins und geschichtsträchtiges Wahrzeichen. Für viele einer der ersten Eindrücke bei der Einfahrt in Berlin, wird es auch als „Tor zu Berlin“ bezeichnet.

Wie oft seid ihr schon an der Avus-Tribüne vorbeigefahren, ohne auch nur einen Blick auf sie zu werfen? Vielleicht ärgert ihr Euch sogar und denkt „was für eine Schande für unsere Stadt“. Dieses Stückchen „alte erste Autobahn“ verkommt an allen Ecken!

Genau dies, dachte der Unternehmer Hamid Djadda und ging noch ein Stück weiter: Er beschloss diesen Zustand zu verändern. So erfuhr er, dass ein Privatinvestor vor 8 Jahren die Tribüne vom Land Berlin erworben hatte und kaufte ihm die Immobilie ab mit dem Ziel, ein Stück Historie zu erhalten und wieder in den Fokus zu rücken.

Wer ist eigentlich Hamid Djadda? Wir treffen uns in seinem Büro am Columbiadamm in Tempelhof.

Freundlich werde ich empfangen, die Atmosphäre ist spürbar gut. Hamid Djadda ist mir auf Anhieb sympathisch. Sein Dialekt verrät, dass er ein „Hamburger Junge“ ist. Wir kommen schnell in ein lockeres Gespräch. So erfahre ich, dass er Perser ist und mit seinen Eltern nach Hamburg zog, da war er gerade erst 4 Jahre alt. Dort machte er auch sein Abitur. Sein Wirtschaftsstudium absolvierte er in San Francisco. Wie viele andere Unternehmerkinder, arbeitete er im Betrieb seines Vaters, der damals noch einen Teppichhandel führte. „Ich habe genau drei Monate ausgehalten und habe mich dann entschlossen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, erzählte er mit einem Lächeln im Gesicht.

Sein erstes Unternehmen war eine Bleikristallglasfabrik in Kaufbeuren. Diese hatte er Jahre später nach Thailand verlegt und blieb 22 Jahre vor Ort. Doch vor 5 Jahren zog es ihn nach Deutschland zurück. Hamid Djadda verdient mit unterschiedlichen Dingen sein Geld. Er vertreibt persische Delikatessen, hat eine eigene Blechschildmanufaktur, die er bei dem Erwerb einer Immobilie in der Schinkestrasse in Neukölln einfach gleich mit eingekauft hat und ist gerne Unternehmer. Doch das ist noch nicht alles, auf einmal steht er auf und bringt mir eine erlesene Auswahl an Marzipan-Pralinen „Hatte ich Ihnen schon von unserer Marzipan-Manufaktur erzählt?“ Nein, hatte er nicht, aber da ich ein Schokoholic bin und bei Naschereien nicht widerstehen kann, bin ich natürlich sofort Feuer und Flamme.

Er nahm es übrigens mit Humor, dass ich öfters nach den Pralinen griff, als der Anstand es zuließ. So erfuhr ich, dass nicht, wie ich annahm Lübeck, sondern Neukölln die Welthauptstadt des Marzipans ist, mit einer Menge von jährlich über 20.000 Tonnen Marzipan in der Produktion. Mit seiner eigenen Marzipan-Manufaktur, der er liebevoll den Namen OHDE Berlin gab, möchte Hamid Djadda einen Beitrag für den Bezirk leisten. Er verzichtet auf ein Einkommen und packt 51 % der Erlöse in eine Stiftung, die einer Schule in Neukölln zu Gute kommen soll. Doch dazu erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe mehr.

Bleiben wir bei der Sanierung der Avus-Tribüne. Der Kauf dieser außergewöhnlichen Immobilie ist nunmehr zwei Jahre her. Seither beschäftigt sich Hamid Djadda mit einem ausgefeilten Konzept, um das Stück Geschichte an der Avus würdig wieder zum Glänzen zu bringen. „Das war alles gar nicht so einfach“, verriet er „erst der 4. Architekt, den wir bis dato schon in Auftrag gegeben hatten, traf unsere Visionen und ergänzte das Konzept durch klare Vorstellungen. Der Hamburger Star-Architekt Christoph Janiesch hatte in Hamburg die historische Tribüne der Galopprennbahn umbauen dürfen und war somit für dieses Projekt der richtige Mann“. In diesem Sommer wurden die Pläne erstmals öffentlich bekannt gegeben. Die historische Struktur der Tribüne wird erhalten und als wesentlicher Bestandteil des Konzeptes sichtbar bleiben. Die einhundertjährige Geschichte der Avus wird durch „Alt und Neu“ verdeutlicht, wobei sich die neuen Elemente vom Bestand deutlich absetzen. Behutsame Eingriffe werden konstruktiv an Stellen vorgenommen, um dem Gebäude eine zukünftige Nutzung zu ermöglichen, jedoch ohne sein „Gesicht“ zu verlieren. „Zunächst wird erst einmal das Dach abgerissen und dann nach historischem Vorbild wieder aufgebaut“, erzählt Hamid Djadda.

Foto Copyright: JANIESCH

Für diesen Bauabschnitt wurden 800.000 Euro einkalkuliert. Die Dacharbeiten starteten im Oktober. Im Erdgeschoss sind auf 1400 Quadratmetern Platz für Büros, Cafés und Geschäfte. „Ich kann mir hier gut Start-Ups-Firmen aus der Mobilitäts-Branche vorstellen“, erwähnt er. „Übrigens suchen wir noch eine Eventfirma für die Kanzel.“
Solch eine Immobilie steckt doch bestimmt voller Tücken, oder? „Natürlich, aber das sehe ich durchaus als Herausforderung an. Wir haben uns intensiv mit dem Thema Denkmalschutz beschäftigt. Mit vier unterschiedlichen Behörden haben wir uns bisher auseinander setzen müssen. Dennoch können wir behaupten, dass fast alles, was wir uns wünschen genehmigt wurde und umgesetzt werden kann.“

 

„Warum solch schwierige Immobilie?“ fasse ich nach. „Ganz ehrlich eine typische Immobilie hätte mich nicht interessiert. Meine Berater haben alle von dieser Immobilie abgeraten. Auch mein Umfeld und meine Freunde haben gedacht, ich habe eine totale Meise. So toll wie ich, fand die Idee die Avus-Tribüne wieder für Berlin zum Glanzpunkt zu machen, eigentlich nur meine Schwester. Auch sie hat von Anfang an, an dieses Projekt geglaubt.“
Sollen dann auch wieder Rennen stattfinden? Ja, das wäre doch ein weiterer Magnetpunkt für Berlin. Allerdings würde ich keine Rennen im klassischen Sinne aufleben lassen, kann mir aber sehr gut ein schönes Oldtimer-Rennen vorstellen.

Vielen Dank Herr Djadda, für das interessante Gespräch! Wir freuen uns über diesen Glanzpunkt für Berlin und sind schon gespannt, wie es weitergehen wird.

Mehr Info und Kontakt unter:
www.avus-tribüne.com

Foto Headline: Hamid Djadda (Avus-Tribuene.com) und Anita Tusch in den Büroräumen von H. Djadda

 

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