An meine Haut lass ich nur Frittenfett oder Jojobaöl

Wir haben uns mit Dr. Janine T. Bohlmann getroffen. Sie produziert und bietet Naturkosmetik in Zehlendorf zum Kauf an. Cremes und Hautpflegeprodukte werden von ihr selbst von Hand in Kleinstmengen hergestellt. Mit viel Zeit, Liebe und Sorgfalt entsteht Kosmetik, die vollständig auf Produktionshilfsstoffe und Turboemulgatoren verzichtet.

Ihre Crememanufactur ist bekannt für den Verzicht auf mineralölbasierte Rohstoffe, synthetische Duftstoffe und Aromen sowie Palmöl und dessen Derivate. Das Thema ist mehr gefragt denn je, denn nicht nur das Bewusstsein für Ernährung hat sich verändert. Immer mehr Menschen fragen sich: Was lasse ich eigentlich an meine Haut?

Janine, immer wieder hört man von schädlichen Parabenen. Was ist das eigentlich?

Gut, dass Du das fragst ich glaube tatsächlich, dass die meisten Menschen überhaupt nicht wissen, was Parabene sind. Dennoch werde ich häufig gefragt, ob meine Kosmetik „parabenfrei“ wäre. Parabene sind eine Gruppe von Chemikalien, die als Konservierungsstoff in kosmetischen Produkten und teilweise auch in Lebensmitteln eingesetzt werden. Sie lagern sich im Körper ab und können den Hormonhaushalt beeinflussen. Parabene lagern sich leider im Körper ab. Es heißt, dass in Brustkrebstumoren immer wieder Parabene nachgewiesen wurden.

Warum finden sich Stoffe wie Parabene oder weitere nachgewiesene schädliche Stoffe in Kosmetika?

Es geht um kostengünstige Produktionen und da kann man besonders bei Konsistenz und Konservierung viel sparen. Der „Körper“ der herkömmlichen Creme kann eigentlich nichts. Meist besteht er zu größten Teilen einfach nur aus Frittenfett oder Vaseline und Paraffi n, die aus Erdöl gewonnen werden und sich nur auf Deine Haut legen. Dazu kommen dann in Mini-Mengen ein paar Wirkstoffe, dann vielleicht noch 0,5 % Granatapfelkernöl und das wird dann stark beworben, plus natürlich der Marke. Doch oftmals gibt es starke Missverhältnisse zwischen Inhalt und Wirkstoff . Vaseline, Paraffine und Silikone sind alles Abfallprodukte aus der Mineralölindustrie und müssten genauso wie Parabene und Mikroplastik an sich ein absolutes Tabu sein.

Du sagtest Frittenfett?

Ja, das ist mein Ernst. Schau mal beim nächsten Kauf auf die Inhaltsstoffe deiner Creme. Die Bezeichnung „Hydrogenated Vegetable Oil“, das ist einfach mal billigstes Frittenfett. Es kann nichts, im besten Fall schadet es aber auch nicht – so ist leider konventionelle Kosmetik.

Was ist in Naturkosmetik, bzw. in deiner Kosmetik enthalten?

Wichtig in der Naturkosmetik sind naturbelassene Rohstoffe ohne Beimischung von chemischen Zusatzstoffen. Übersetzt bedeutet das, in meiner Naturkosmetik ist alles drin, was du auch essen könntest. Statt „Frittenfett“ verwenden wir Sonnenblumenöl, Mandelöl, Sheabutter, Jojobaöl und andere Öle, alle aus kontrolliert biologischem Anbau. Auch Wirkstoffe  wie Wildrosenöl, Sanddornkernöl, Granatapfelkernöl, pflanzliche Wachse oder Butter. Wie bei der Ernährung, achte ich bei der Herstellung darauf, dass die Zusammensetzung möglichst die Bedürfnisse der Haut bedient. So sind bei mir zum Beispiel drei Serien für Frauen mit verschiedenen Hauttypen entstanden und zwei für Männer.

Kannst Du mir etwas mehr über die Wirkstoffe erzählen, die du nutzt?

Es gibt verschiedene Wirkstoffe wie Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren, Phytohormone sowie Vitamine. Das Sanddornkernöl zum Beispiel hat viel Vitamin C, gute Radikalenfänger und schützt die Haut vor dem Altern sowie vor Umwelteinflüssen. Granatapfelkernöl hat wertvolle Phytohormone und kann reiferer Haut bei der Zellgenerierung helfen. Mandelöl vertragen Babys sehr gut, da es ein sehr mildes Öl ist.

Aber du benötigst doch auch Konservierungsstoffe, Emulgatoren oder Tenside um eine Creme oder Rasiergel herzustellen? Was sind die Alternativen und warum werden diese nicht zum Standard gemacht?

Ja natürlich, das funktioniert aber auch genauso gut mit natürlichen Mitteln, die aus Weizen, Zucker und Stärke gewonnen werden.

Im Laufe des Gesprächs mit Janine muss ich feststellen, wie umfangreich das Thema Naturkosmetik ist. So gibt es unzählige rechtliche Hintergründe, die bei einer Produktion zu beachten sind. Es gibt eine Europäische Kosmetikverordnung, die ist über 134 Seiten lang und im feinsten Bürokratendeutsch verfasst. Mir wird schon beim Zuhören ganz schwindelig. Es gelten die gleichen Vorschriften und Regeln für Janine, wie für große Konzerne. Für jedes Produkt muss eine eigene sehr detaillierte Sicherheitsbewertung angelegt werden. Mengen müssen fest- und Grenzwerte eingehalten werden. „Glücklicherweise erfüllen in der Naturkosmetik Rohstoffe von Natur aus die Grenzwerte“, erzählt mir Janine. Was für mich ein absolutes „pro“ in Richtung Naturkosmetik bedeutet.

Janine weiß ganz genau, wann sie was hergestellt hat. Auch ist es wichtig, die einzelnen Lieferanten genau aufzuschlüsseln. Zudem muss ein Chargen-Archiv aufgebaut werden. Dort sind in kleinen Mengen Muster aller Produktionen aufbewahrt bzw. eingefroren. Das ist Pflicht und muss für mindestens 10 Jahre aufgehoben werden. Zudem muss jedes Produkt in das EU-Portal CPNP mit Inhaltsstoff en und Rezeptur eingestellt werden. In Sachen Kosmetik wird wirklich alles dokumentiert und ist nachvollziehbar. Das alles im Sinne der Verbrauchersicherheit.

Für mich stellt sich die Frage, warum darf in herkömmliche Kosmetik so viel rein, was nicht auf die Haut gehört? Das würde für mich Sicherheit bedeuten, aber es reichen wohl einfache Grenzwerte? Geht es wirklich um Verbrauchersicherheit? Das lass ich mal so offen stehen.

Natürlich kann das alles auch nicht „einfach von zu Hause“ gerührt werden. Janine hat ihre eigene Creme-Küche im Ladengeschäft in Zehlendorf integriert. Ich habe nur einen kleinen Eindruck erhalten dürfen, wie aufwendig die Produktion von Naturkosmetik ist. Angefangen vom Aussuchen ehrliche Inhaltsstoff e, zuverlässige Lieferanten bis hin zum gesamten administrativen Aufwand. Eine Leidenschaft und ein Handwerk vereint mit Verantwortung für den Menschen.

Mein Respekt steigt mit jeder Minute dieses Interviews. Es geht nicht darum den Konsum anzukurbeln, sondern dem Menschen etwas Gutes zu tun. Auch bekomme ich für die Preisfindung weitaus mehr Verständnis nach diesem Einblick.

Es gibt immer wieder Wege, uns und die Natur mehr zu schützen. Apropos schützen, derzeit arbeitet Janine an einer festen Haarshampoo-Bar. Das ist ein kleines solides und handfestes Shampoo, was auch einfach mal in die Tasche gesteckt werden kann und auf Verpackung verzichtet. Natürlich, ohne Konservierungsmittel, Mineralöle oder aggressiven Tensiden.

Bevor ich gehe kann ich nicht widerstehen und creme mir die Hände mit einer von Janine selbst hergestellten Handcreme ein. Mit Bio-Kakaobutter, Bourbon Vanille und Cubanischem Rum auf meinen Händen verlasse ich schon etwas nachdenklich das Interview.

Wie sagt man so schön, es zählen halt doch die inneren Werte!

Mehr Informationen

Crememanufactur Dr. Bohlmann

Berlin, Machnower Str. 11, 1465 Berlin,

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19, Sa 10-16 Uhr

www.crememanufactur.de

 

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