Zwei Brüder – eine Leidenschaft – Reederei Riedel

Nachhaltigkeit und Wertschöpfung sind offensichtlich die beiden größten Visionen der Unternehmer Lutz und Stefan Freise der Reederei Riedel. Dies können wir zusammengefasst aus dem Gespräch mit dem Geschäftsführer Lutz Freise mitnehmen. Begeistert von der Umsetzungskraft vermischt mit schönen Visionen, die schon zum nächsten Jahr realisiert werden sollen, haben wir für Euch einen kleinen Einblick in eine der größten Reedereien Berlins mitgebracht:

auf dem Gelaende - Hafen Reederei Riedel

Als wir auf das Gelände fahren, erschloss sich nicht sofort der ganze Umfang des Geländes. Leerstehende Wohnhäuser, unbefestigte Straßen und in der Frontalsicht ein modernes Gebäude. Wir sind auf dem 42.000 m² großem Grundstück der Reederei Riedel. Es ist ein Teilstück des ehemaligen DDR Rundfunks. Zuvor gehörte es dem Erdölunternehmen Minol und wurde als Tankanlage genutzt. Die Folgen waren leider eine Kontaminierung des Bodens. Doch das sollte die beiden Brüder Freise nicht abhalten, aus diesem Gelände eine der größten Reedereien Berlins zu gründen, mit dem Ziel, auch bundesweit konkurrenzfähig zu sein. Bis 2009 dauerte es, um zu ermitteln, was eine Sanierung kostet und wie eine entsprechende Finanzierung realisiert werden kann. „Es waren lange und harte Verhandlungen“, erzählt Lutz Freise. „Eine Zusage haben wir dann am 23.12.2009 erhalten. Im Jahre 2010 starteten wir sofort mit den Bodensanierungen, die wir im Übrigen aus eigenen Mitteln finanziert haben.“ Für diese Leistung und den Einsatz hatte die Senatsverwaltung Berlin die Reederei Riedel für den Umweltpreis nominiert. „Das war eine Wertschätzung für uns, auch wenn wir keinen Preis erhalten haben“, so Lutz Freise.

6 m lange beheizte halle webDie Präsenz der Schiffe auf Berlins Wasserstraßen ist schon sehr eindrucksvoll. Erst vor kurzem wurde das Unternehmen von den Lesern der Berliner Morgenpost zu der beliebtesten Reederei Berlins gewählt. „Unsere Schiffe sind werbefrei, das ist uns wichtig. Wir haben 16 Schiffe, die regelmäßig gepflegt werden müssen.“ Neben einer modernen Flotte, die sie betreiben, wird das Gelände gezielt eingesetzt. Alle Gewerke, die notwendig sind, um solch eine große Flotte zu pflegen, sind hier vereint. Das Gesamtkonzept ist beeindruckend. Ein eigenes Hafenbecken, Verwaltung, ausgeklügelte Warenlogistik, eine technische Abteilung, Tischlerei, Metallbau und Elektriker. Der Support auf allen erforderlichen Ebenen kommt aus eigenem Haus. Ganzer Stolz der Reederei ist eine 60 m lange Halle mit einem Hafenbecken (50m lang), die verschlossen werden kann sowie im Winter beheizt wird. Somit können auch während der Winterzeit erforderliche Arbeiten an den Schiffen vorgenommen werden. „Das ist ein großer Vorteil für unsere saisonalen Mitarbeiter, da wir sie dadurch weiterbeschäftigen können.“ erzählt Lutz Freise. Später verriet er uns noch, dass in der Halle eine Weihnachtsfeier auf dem Deck eines Schiffes stattfinden konnte und die Mitarbeiter hier sehr kreativ gewesen waren. Übrigens zählt das Unternehmen 150 Mitarbeiter. Jedes Schiff wird alle 3 Jahre neu gestrichen und alle 3-4 Jahre muss es zur Landrevision. Das ist so etwas wie ein TÜV für Schiffe.

Das Verwaltungsgebäude ist stylisch. Es ist ein Großraumbüro, locker und offen. Viel Glas und somit Transparenz auf den Ebenen. Geschmückt mit auffällig vielen Bildern. Kunst scheint hier im Hause ein Credo zu sein. Es fällt auf, wir haken nach! Das Faible für Kunst verdankt das Unternehmen Lutz Freise. Er erlernte ursprünglich den Beruf eines Speditionskaufmannes und gründete Anfang der 80er Jahre eine Kunstspedition. Fortan sammelte er nicht nur eigene unternehmerische Erfahrungen, sondern betreute große Sammlungen, wie z.B. die von Dr. Erich Marx.

Das Gelände selbst birgt noch mehr Überraschungen. Die unbewohnten alten Häuser sind zum Teil schon kernsaniert. Was passiert damit? „Wir wollen hier Büroflächen sowie Wohnbereiche für unsere Mitarbeiter schaffen. Das Gelände selbst bekommt einen „Aufenthaltscharakter“.  Zeit um am Wasser zu verweilen, ist unser Motto. Am Nordkai wird es Skulpturen geben. Eine Strandbar sowie ein Volleyball-Feld für Familien und Kinder ist auch in Planung. Am 15. Juli 2016 wird der Hafen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und es wird ein großes Hafenfest geben! 45 Jahre Bestehen werden an diesem Tag gefeiert! Ihr dürft auch kommen! (Wow, wir freuen uns riesig über diese Einladung und notieren schon einmal). Nun stellte sich natürlich auch die Frage: Warum heißt ihr nicht Riedel? So erfuhren wir, dass die ursprünglichen Gründer Heinz und Margarete Riedel waren. Nach ihrer Hochzeit im Jahre 1954 bauten sie den Betrieb gemeinsam aus. Ende 1961 ergab sich der Kontakt zur Familie Klaus Freise (Vater von Lutz und Stefan), der 1962 als Kraftfahrer eingestellt wurde. Aus diesem Kontakt entwickelte sich eine innige, lebenslange Freundschaft der beiden Familien. Da die Riedels keine eigenen Kinder hatten, wurden die beiden Söhne Lutz und Stefan von beiden Gründern wie ihre eigenen behandelt.

1971 erstand Heinz Riedel das Fährgastschiff „Kehrwieder“. Danach wuchs das Unternehmen stetig an und zählte bis zu 9 Schiffe. Als Familie Freise 1972 nach Berlin ging, waren sie maßgeblich am Aufbau der Rederei beteiligt. Leider sind die Riedels mittlerweile verstorben. Das Unternehmen war seinerzeit hoch verschuldet. Doch gemeinsam mit den Erben setzte man sich an einen Tisch. Sie einigten sich, Teile der Reederei wurden abgegeben. Mehrere Schiffe wurden so von Lutz und Stefan Freise gekauft, dazu eine Anlegestelle. Das war im Jahre 1996. „Irgendwie haben wir damals bei null angefangen“, erzählt uns Lutz Freise. „Natürlich haben auch wir, wie viele Unternehmen, Höhen und Tiefen durchmachen müssen. Doch wir sind immer zielstrebig weitergegangen. Diesen Werdegang haben wir auch dem Berlin-Tourismus zu verdanken. Hier leistet visit.berlin wirklich tolle Arbeit. Seit 2003 sind die Besucherzahlen für Berlin stetig angestiegen. Unsere Stadt liegt an 3. Stelle neben London und Paris. Zudem konnten wir bis heute unsere Flotte von 9 auf 16 Schiffe ausbauen. Besonders stark sind wir im Bereich Schiffs-Modernisierung. Mein Bruder ist auf diesem Gebiet eine Koryphäe.“ Stefan Freise ist für die gesamte Technik zuständig und wird von seinen Kollegen hoch geschätzt. „Keiner bringt so viel technisches Knowhow und Verständnis für den nautischen Bereich mit, wie er.“ schwärmt sein Bruder. „Er ist unheimlich stark in der Konzeptionierung sowie Umsetzung.“ Kurz vor Ende des Interviews haben wir sogar Glück und dürfen Stefan Freise kennenlernen.

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Die Reederei Riedel ist bei näherer Betrachtung unheimlich kreativ. Hier sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Wer sich einmal den Veranstaltungsplan anschaut, findet Rundfahrten mit Krimi-Dinner, Comedy-Bootstouren, Ü30-Partys bis hin zu verschiedenen Weihnachtsfahrten. Halloween oder einfach eine abendliche Fahrt mit Buffet, Sommernachts- oder Schlagerparty fehlen auch nicht. Durch das ganze Jahr wird ein spannendes Programm geboten. Tipp: Jeden 4. Dienstag im Monat (bis Ende November) spielt Carsten Kaie (Caveman) 2 Stunden Anekdoten seiner Show „How to become a berliner in one hour?“ Übrigens, das solltet ihr auch wissen: Die Reederei Riedel haben die Kreisfahrten etabliert. Nachdem es früher eher Ausflugsschifffahrten gab, waren sie die ersten dieses Angebotes. Wie es so oft ist, wurden sie anfangs mit ihrer Idee belächelt. Später wurde ihr Konzept von anderen kopiert. Heute gibt es neben Stadtkern-, Brücken- und Spreefahrten die Müggelseetour und bei Bedarf könnt ihr natürlich auch selbst ein Schiff für Eure Veranstaltung chartern.

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schönes und interessantes Treffen mit v.l. Lutz Freise und Stefan Freise

Wer also außergewöhnliche Veranstaltungsmöglichkeiten sucht, schaut einfach mal auf die Website. Fündig wird hier jeder – egal ob alt oder jung! Es ist für alle etwas dabei.

Autor: Anita Tusch

Mehr Info unter: www.reederei-riedel.de
https://www.facebook.com/reederei.riedel.original

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