Zu Besuch bei Stollwerck – Schokolade macht doch glücklich

 

Foto: Jürgen Sendel – pictureblind.de

 Viele von Euch haben sicherlich mitbekommen, dass es gar nicht so einfach war einen Termin in der Schokoladenfabrik Stollwerck im Süden Berlins zu erhalten. Letztendlich hat dann aber glücklicherweise doch alles geklappt und der Werksleiter Norbert Seibel empfing uns gerne und nahm sich sehr viel Zeit für uns und somit auch für unsere Leser!

HISTORIE:

Doch beginnen wir von vorne: Die Historie des Unternehmens Stollwerck begann vor 173 Jahren. Zu verdanken ist diese  Grundsteinlegung Franz Stollwerck, der bei dem Kölner Konditor Franz Josef Kreuer in die Lehre ging und sich nach alter  Handwerkertradition schon früh auf die Wanderschaft zu fremden Lehrstätten machte. Er besuchte die hohen Schulen der Zuckerwarenfabrikation im Schwabenland, der Schweiz und schließlich in Paris. Mit Wissen und neuen Kenntnissen kehrte er um 1838 nach Köln zurück. Ein Jahr später eröffnete Franz Stollwerck in Köln ein Werk zur Hustenbonbon-Produktion. Schon nach zwei Jahren gelang ihm der Durchbruch. Die Produktion von Schokolade, sowie damals noch Marzipan und Printen, begann jedoch erst im Jahre 1860. Nach dem Tod von Franz Stollwerck 1876 übernahmen seine fünf Söhne die Leitung der Firma und bauten sie bis 1902 zu einer weltweit operierenden Aktiengesellschaft mit Werken in Europa und Amerika aus.

Bereits 1871 wurde die Firma Gebr. Stollwerck gegründet, die die Industrialisierung der Schokoladenproduktion voranbrachte. Insbesondere der zweitjüngste der Brüder, Ludwig Stollwerck, war technischen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen. Im Jahre 1887 stellte Fa. Stollwerck die ersten Automaten auf. Schon sechs Jahre später, 1893, waren es 15.000 Automaten, mit denen Stollwerck-Schokolade verkauft wurde. Gebr. Stollwerck ging mit ihren Waren massiv in den Export. Tochterfirmen entstanden in England, Belgien und Österreich-Ungarn. In den USA gründete Stollwerck 1894 mit dem deutschen Kaufmann John Volkmann die
Firma Volkmann, Stollwerck & Co., die in New York eine Fabrikation von Stollwerck-Automaten errichtete. Allein auf New Yorker Bahnhöfen standen Anfang der 1890er Jahre über 4.000 ihrer Automaten. Auch im 1895 beginnenden Kinematographengeschäft war Stollwerck führend tätig. Erst der 1914 beginnende Erste Weltkrieg beendete den rasanten Aufstieg der Stollwercks. Karl Stollwerck errichtete 1927 das Stollwerck-Mausoleum in Oberbayern. Durch die Weltwirtschaftskrise 1930, den Zweiten Weltkrieg und den damit verbundenen Beschädigungen an Werken in Deutschland, Enteignungen im Ausland sowie verschiedenen Fehlinvestitionen geriet Stollwerck in eine finanzielle Schieflage, die erst durch die Übernahme des Unternehmens durch Hans Imhoff im Jahr 1972 behoben werden konnte. Stollwerck wurde durch seine Leitung in den nächsten 30 Jahren zu einem der größten Schokoladenhersteller mit Werken im In- und Ausland und übernahm traditionsreiche Marken wie Sprengel und Sarotti. Nach dem Mauerfall engagierte sich Stollwerck als erster Schokoladenhersteller in den neuen Bundesländern und übernahm die Thüringer Schokoladewerk GmbH in  Saalfeld, die mit der Marke Rotstern größte Schokoladenfabrik der DDR war. 1993 ließ Imhoff im Kölner Rheinauhafen für 53 Millionen DM das Imhoff -Schokoladenmuseum errichten, in dem viele Gegenstände aus der Stollwerck-Geschichte ausgestellt werden. 2002 verkaufte Imhoff den Konzern an die Barry Callebaut AG. Das Unternehmen gehörte von da an dem weltgrößten Kakao- und Schokoladenhersteller an, der mehrheitlich im Besitz der Familie Jacobs ist. Barry Callebaut nahm Stollwerck kurze Zeit später von der Börse und schloss das traditionsreiche Werk in Köln, wo nur noch die Verwaltung erhalten blieb. Anfang Oktober 2011 wurde Stollwerck von Barry Callebaut an die belgische Unternehmensgruppe Baronie verkauft. Heute betreibt Stollwerck 3  Produktions-stätten in Deutschland (Berlin, Norderstedt/Hamburg und in Saalfeld/Thüringen) sowie jeweils eine in Belgien sowie in der Schweiz.

 

VOR ORT:

Foto: Jürgen Sendel – pictureblind.de

Am Eingang werden wir freundlich von einem Pförtner begrüßt. Norbert Seibel, seit 1983 vor Ort sowie seit 1990 Werksleiter, empfängt uns persönlich und gut gelaunt und führt uns in ein Besprechungszimmer. „Das Werk können Sie sich gerne anschauen, da wir jedoch mit Lebensmitteln arbeiten, bitten wir hier um Schutzkleidung“. Wir bekommen Schuhe, einen Kittel und eine Haube für das Haar, Männer mit Bart erhalten zusätzlich noch einen Mundschutz. Recht schnell können wir erkennen, auf Hygiene wird hier sehr viel Wert gelegt. Wir ziehen uns im Besprechungsraum die Kittel und die Schuhe an und laufen zur Produktionsstätte. Bevor wir diesen Bereich betreten dürfen, heißt es Hände waschen sowie desinfizieren. Die Schuhe werden durch ein Sohlen-Laufband zusätzlich gereinigt. Im Vorgang hängen unendlich viele Kittel. Wir erfahren, dass jeder Mitarbeiter mit Schuhen, Kittel und T-Shirts ausgestattet wird. Die Kittel werden täglich frisch gewechselt. Im Werk arbeiten fleißige 300 Mitarbeiter in drei Schichten – teilweise sogar am Wochenende – damit wir in den Genuss von Schokolade in verschiedensten Variationen kommen. Wir sind beeindruckt von den vielen Maschinen, die in dem über 20.000 m² großflächigen Werk integriert worden sind. Die Mitarbeiter sind uns gegenüber freundlich und nicken, wenn wir an ihnen vorbeilaufen. Jeder scheint hier genau zu wissen, was seine Aufgaben sind. Die Fabrik strömt trotz des Lärms unter den laufenden Maschinen eine gewisse Ruhe aus. Wir haben uns mehr Hektik vorgestellt, schließlich fahren täglich 15-20 LKW mit Schokoladen-Produkten vom Hof. Wie wir erfahren werden bei Stollwerck über 100.000 Tonnen Schokolade im Jahr bewegt.

Foto: Jürgen Sendel – pictureblind.de

Neben vielen verschiedenen Zutaten wie Kakao, Kakaobutter, Nüssen, Rosinen, Flakes und Zucker wird Verpackungsmaterial und Folien in riesigen Massen angefahren und verarbeitet. In einer Minute laufen an uns über 260 Tafeln Schokolade auf einer  Packmaschine vorbei, pro Minute kommen somit bis zu 1200 Tafeln heraus. Jede Schokoladen-Sorte hat übrigens ihre eigene Rezeptur. Wir laufen an riesigen Säcken mit Cornflakes entlang – ein Sack wiegt alleine schon 240 kg, über 25 Big-Packs werden innerhalb von 24-32 Stunden verarbeitet. Auf unserem Weg sehen wir wie Schokolade geröstet, gewärmt, gerührt, gefüllt, gekühlt , geschoben und verpackt wird. Im Untergeschoß wird es ziemlich warm, eine Heizung wird nicht benötigt. Das übernehmen riesige Tanklager. In den einzelnen Kesselbehältern werden über 1000 Tonnen Schokolade in verschiedensten Rezepturen bei 45-50 Grad gewärmt. Werksleiter Norbert Seibel ist hier Hauptverantwortlicher für sämtliche Vorgänge.

Foto: Jürgen Sendel – pictureblind.de

Er selbst strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, wobei ich am Telefon ehrlich gesagt am Liebsten gleich aufgelegt hätte, als ich das erste Mal mit ihm sprach. Er wirkte am Telefon recht resolut und ich war mir nicht sicher, ob er wirklich Lust hatte uns das Werk zu zeigen. Doch er hatte glücklicherweise doch Lust und so streng, wie er am Telefon rüberkam, war er gar nicht. „Eher selten bekommen Besucher einen Einblick in das Werk“, erzählt er uns. Wir sind natürlich überglücklich, dass wir diese Gelegenheit erhalten durften. Bei unserem Rundgang bemerkten wir sehr schnell wie sehr Norbert Seibel mit dem Werk und dem Thema Schokolade verbunden ist. „Ob ihm sein Job noch heute, nach so langer Zeit Spaß macht“, wollen wir wissen. Spontan antwortet er „Natürlich, in der Schokolade kann man sich nur wohlfühlen“. Wir sind  überzeugt, dass hier Herzblut drin steckt und laufen weiter durch die großen Hallen mit Maschinen und riesigen Kesseln. Schokolade ist sein Leben und so war unsere Frage fast überflüssig, ob man bei Ansicht von so viel Schokolade überhaupt noch Appetit auf Schokolade hat. Er isst bis heute täglich Schokolade, am liebsten die dunkle Variante, die wäre gesünder, meint er. Man sieht es ihm gar nicht an. Seht Ihr, Schokolade macht also nicht dick sondern glücklich!

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Scheinbar macht Schokolade wirklich glücklich, denn in der heutigen Zeit, in der Firmen mit hohen Fluktuationen und um neue passablen Mitarbeitern kämpfen müssen, kann sich das Werk im Süden Berlins nicht beklagen. Laut Norbert Seibel ist hier nur eine geringe Fluktuation zu verzeichnen. Ausbildungsmöglichkeiten gibt es im Bereich „Fachkraft für Süßwaren-Technik“ und  „Industriekaufmann“.  Da eine spezielle Fachschule zur Ausbildung für Fachkräfte im Süßwarenbereich ausschließlich in Solingen vorzufinden ist, werden sogar die Kosten für die Unterkunft vor Ort seitens des Werkes bezahlt. Für die Mitarbeiter gibt es jährlich ein Sommerfest mit Bierwagen, Kegelbahn und einem umfangreichem Musikprogramm. Geladen sind nicht nur die Mitarbeiter sondern selbstverständlich auch die Familienangehörigen.

Auslese „meiner Tüte“..hmm..lecker. Fast alles schon weggeschlemmt!

Wir erhalten zum Abschluss noch eine große, schwere Tüte mit leckerer Schokolade in allen Varianten.

An Euch haben wir natürlich auch gedacht. Wir werden auf unserer Facebook-Seite am 06.Dezember 2012  zum Nikolaus zusätzlich 10 Geschenk-Tüten an Euch verlosen können! Hatten wir versprochen und können wir Dank der Großzügigkeit des Werkes auch realisieren!

Fabrikfrische Ware erhaltet Ihr im Werksverkauf vor Ort. In Höhe Motzener Str. /Ecke Sperenbergstrasse steht für Euch Ware von Schokolade, Gummibärchen, sowie Gebäck zum Kauf bereit.
Öffnungszeiten montags-freitags 9-16.30 Uhr.

 

MARKEN:

Neben den Kernmarken Sarotti und Alpia führt Stollwerck weitere Spezialitätenmarken unter seinem Dach, wie Alprose, ESZET, Schwarze-Herren-Schokolade, Bensdorp, Jacques und Van Houten. Diese Marken stehen für den Erfolg langjähriger und konsequenter Markenpflege.

HERSTELLUNG:

Noch im Erzeugerland werden die mandelförmigen Kakaobohnen fermentiert (gegoren) und getrocknet. Die Gährung mildert den herben Geschmack, gibt den Bohnen die schokoladenbraune Farbe und löst die Reste des Fruchtfleisches, das typische Kakaoaroma kann sich dadurch entwickeln. In den Importländern wird der Kakao dann sortiert, gereinigt und mild geröstet. Dabei entfalten die Bohnen ihr volles Aroma. Sie werden gebrochen, Keime und Schalen werden entfernt.

Beim Mahlen dieses Kakaobruches wird das in den Bohnen reichlich vorhandene Fett – die Kakaobutter – flüssig. Aus dieser dickflüssigen, öligen Kakao-Rohmasse wird ein Teil des Fettes abgepresst. Man gewinnt Kakaobutter und Kakaokuchen, die Rohstoffe für die Herstellung von Kakao und Schokolade. Die Kakaobutter gehört zu den wertvollsten Pflanzenfetten. Sie ist geschmacklich fast neutral und leicht verdaulich, weil sie bei  Körpertemperatur schmilzt. Zur Herstellung von Schokolade werden Kakaomasse unter Zugabe von Milch, Zucker, zusätzlicher Kakaobutter oder Sahne vermischt – je nachdem, ob eine Zartbitter- Schokolade oder eine Vollmilch-Variante entstehen soll. Die genaue Einhaltung einer definierten Rezeptur und die sorgfältige Mischung bestimmen den speziellen, geschmacklichen Charakter des Endproduktes. Lediglich ein Produktionsschritt fehlt noch zu einem vollendeten Geschmack: das Conchieren.

Beim Conchieren gelangt die Kakaomasse in Rühr- und Reibsysteme, die sie erst nach Tagen des ununterbrochenen Drehens, Wendens, Lüftens und  Temperierens als glatte, feinste Schokolade verlassen kann. Nun kann die Kakaomasse zu verschiedenen Endprodukten wie Tafel-schokolade, Pralinen, Trüffel etc. weiterverarbeitet werden.

Hier geht es zur ganzen Welt der Schokolade.. :-) www.stollwerck.de

und  für die schoko-…ähm..ich meine Facebook-Süchtigen hier gehts zur Sarotti-Fanpage

 

PS..Herrn Seibel vom Stollwerck gefällt die CLIQUE so gut, dass er sie jetzt auch immer haben möchte :-) (ich hoffe, ich verrate hier kein Geheimnis…aber ich hab mich riesig darüber gefreut!)

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