Yorckschlösschen: Im Gespräch mit dem Bewahrer des Jazz – Olaf Dähmlow

im Gespraech mit Olaf Daehmlow - verkleinert

super schönes Gespräch mit Olaf Dähmlow, Inhaber des Yorckschlösschens gehabt!

 

Das Yorckschlösschen selbst ist schon weit über 100 Jahre alt. Ob hier die legendären Kreuzberger Nächte stattgefunden haben? Was wir genau wissen ist, dass seit über 30 Jahren regelmäßig vor Ort Livemusik gespielt wird und es trifft sich nicht nur die Berliner  Jazz-Szene zu einem Stelldichein. „Sie kommen aus allen Ländern“ erzählt uns Inhaber Olaf Dähmlow „und wollen unbedingt bei uns einmal gespielt haben“!

 


Er hat sich extra für mich Zeit genommen – das Geschäft ist noch geschlossen – wir sitzen mutterseelenallein im Biergarten. Vor Ort war ich schon ein paar Mal. Hier war bisher immer etwas los wenn ich reinschaute, also immer rappelvoll! Jetzt kann ich endlich einmal die nackte Atmosphäre auf mich wirken lassen. Es ist urgemütlich, verwinkelt, rustikal, ich zähle mindestens drei Klaviere – und an den Wänden hängen überall Fotos, die sicher unzählige Geschichten erzählen können. Olaf Dähmlow ist die Seele des Hauses, das kann ich aus unserem Gespräch recht schnell erkennen. Er wirkt auf mich sehr geerdet, gelassen und redet mit Bedacht. Im Yorckschlösschen hat er 1978 als Putzer angefangen zu arbeiten, schließlich musste auch er neben seinem Studium Geld verdienen. Es dauerte nicht  lange, da wurde Olaf „befördert“ und auch als Kellner eingesetzt.

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Aus dieser Position heraus übernahm er später die Geschäftsführung. „Ich bin da einfach so reingewachsen“, erzählt er und obwohl er es nicht sagt, spüre ich, dass er stolz auf seinen Werdegang ist. Das  kann er auch durchaus sein. Denn nunmehr gehört ihm seit  mittlerweile fast 30 Jahren das Yorckschlösschen selbst. Die Tradition des Hauses hat er bis zum heutigen Tage bewahrt und wer aufgrund der langen Zeit denkt, dass hier mit „alten Bandagen“ gespielt wird, sollte mal einen Blick auf facebook werfen. Olaf hat es sich zur Aufgabe gemacht mit den heutigen Möglichkeiten sozialer Netzwerke das Yorckschlösschen zu promoten und ist somit völlig  Up-to-Date.
„Die Berliner Musikszene ist unheimlich lebendig, wir nutzen diese Netzwerke und treffen immer wieder auf tolle Bands und Musiker“. Er sieht sich als „Bewahrer“ einer Tradition, die dennoch nicht verknöchern darf. „Natürlich werden auch unsere Stammgäste immer älter,  doch im Laufe der Jahrzehnte finden sich immer wieder neue Generationen bei uns ein. Ob alte oder junge Bands, jeder bringt zum Teil seinen Fankreis mit oder findet im Yorckschlösschen einen neuen Fankreis. Viele Freunde des Jazz, Blues sowie RnB und  Latino-Musik beleben immer wieder unser Lokal.“

Ursprünglich galt das Yorckschlösschen um 1978 als ein berühmtes , aber auch berüchtigtes Kreuzberger Künstlerlokal, welches sich schon zu diesen Zeiten auf Jazz und Blues konzentrierte. Immer mehr Liebhaber dieser Musikrichtungen fanden sich ein. Mittlerweile besteht das Publikum längst nicht nur aus dem Stammpublikum sondern zieht regelmäßig Musiker, Musikliebhaber und Menschen, die einfach Spaß haben wollen in das Lokal. In den Jahren 2000 – 2010 initiierte Olaf Dähmlow den Jazz & Blues Award. Er galt als Podium der Szene und wurde erfolgreich 10 Jahre lang vergeben. Seit 1994 ist Olaf auch künstlerischer Leiter im Kiez + Kultur e.V. Der Verein organisiert das Bergmannstraßenfest welches jedes Jahr im Juni stattfindet. Olaf kümmert sich um Marketing und – wie sollte es auch anders sein – um die musikalischen Inhalte der drei Bühnen vor Ort.

Die Geschichte um die Entstehung des Jazz ist gar nicht so einfach zu definieren. Neben den unzählig vielen Arten, die der Jazz bietet, wie z.B. Bepob, Latin Jazz, Cool Jazz, Free Jazz, Soul- und Funk-Jazz hat jedes Genre seine eigene Geschichte. Wer genau recherchiert kann schnell entdecken, dass es scheinbar keine einheitliche Einigung zum Begriff des Jazz zu geben scheint. So vielfältig wie die Stile des Jazz, sind auch die Bands die bis zum heutigen Tage regelmäßig das Yorckschlösschen durch Live-Konzerte mit Stimmung versorgen. Wer auf die Website schaut, erkennt schnell, dass sich hier nicht nur die Berliner Musikerszene regelmäßig zu Live-Konzerten trifft. Fast täglich finden sich hier Programmpunkte ein. Musiker und Bands aus der ganzen Welt und vor allem auch die Berliner Musikerszene trifft sich, aber auch das Publikum kommt aus allen Ecken der Welt. Die Schwerpunkte liegen dabei auf  traditionellem Jazz und Swing sowie besonders dem schwarzen Rhythm & Blues. Aber auch RnB, Funk und Latino sind Stilrichtungen, die immer wieder auftauchen sowie New Orleans Jazz und Soul.
2012_09_09_74060Die Bands spielen regelmäßig von mittwochs bis samstags, Montags und dienstags trifft man sich einfach nur „zum Quatschen“.  Besonders beliebt sind auch die Jam-Sessions, die jeweils donnerstags vom Oktober bis April stattfinden. An diesem Tag gibt es immer eine Hauptband, die das Opening vornimmt und andere Musiker steigen musikalisch ein. Musiker sollten sich jedoch vorher anmelden. Das Yorckschlösschen bietet einen großen Biergarten und serviert euch, neben wechselnden Tagesmenüs, zentraleuropäische Küche bis 1 Uhr nachts. Sonntagsbrunch gibt es von 11.00 bis 15.00 Uhr. Aber auch ein gepflegtes Weinsortiment, Spirituosen sowie  ausgewählte Whiskey-Sorten sind das Credo des Hauses. Gerne werden auch Wunschdrinks, die nicht auf der Karte stehen gemixt. Das Team besteht aus 20 Mitarbeitern, die zum Teil schon sehr lange im Yorckschlösschen tätig sind.

Das liegt vielleicht daran, dass Olaf sicherlich nicht nur kontinuierlich an seinem Konzept festhält, sondern dabei niemals vergisst: Wir wollen hier viel Spaß haben, nicht immer alles so „bierernst“ nehmen.“ Und das hat sich scheinbar sehr bewährt, denn die Bands und das Publikum reißen sich bis zum heutigen Tag um Plätze im Yorckschlösschen. Apropos Plätze, es ist besser ihr reserviert Euch einen Platz vorher telefonisch, wenn Ihr mal vorbeischaut.

Fotos: Jürgen Sendel – pictureblind.de

Yorckschlösschen
Yorckstr. 15
D-10965 Berlin–Kreuzberg
https://www.facebook.com/Daehmlow
http://www.yorckschloesschen.de/
U-Bahnhof: Mehringdamm
Busse: M19, 140

Täglich geöffnet von 17 bis 3 Uhr
Sonntags immer ab 10 Uhr
Küche bis 1 Uhr, Brunch sonntags 11 bis 15 Uhr

Tischreservierungen bitte nur telefonisch unter 215 80 70
TIPP: Sonntags treffen sich zum gemeinsamen Public-
Viewing übrigens sehr gerne TATORT-Liebhaber.

1 Antwort zu "Yorckschlösschen: Im Gespräch mit dem Bewahrer des Jazz - Olaf Dähmlow"

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    Bea La Boa 30. Oktober 2013 (11:38)

    … ein sehr schöner und interessanter Bericht.
    Auch wir von „Les Montmartrois de Berlin“ sind dort regelmäßig zu Gast und fühlen uns sehr wohl dort …
    Das Yorckschlösschen ist quasi unser Wohnzimmer und unser Olaf ist ein sehr reizender Gastgeber; das Lokal kann ich sehr empfehlen. :-)

    https://www.facebook.com/groups/montmartroisvonberlin/

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