Onkel André´s Weihnachtsmärchen: Wahre Liebe!

„Klatsch Klatsch“, das war das Erste, was Morti vernahm. Morti war ein niegelnagelneuer Schneemann und war, wie alle neugeborenen Schneemänner, von einem strahlenden Weiß, in dem sich die Sonne widerspiegelte, wie ein Diamant. Schneemänner sind eitel und sehr schweigsam, aber nicht gefühllos.

Er wusste nichts von der bescheidenen Lebenserwartung seiner Spezies und es war ihm eigentlich auch egal. Denn nur wenige Meter entfernt, schräg gegenüber und ebenfalls auf einer leichten Anhöhe, da stand Manda, eine Schneefrau, DIE Schneefrau!

Zumindest nahm er an, dass sie Manda hieß, denn diese Buchstaben waren in Ihrem Bauch mit dicken Handschuhfingern eingedrückt
worden. Keine Frage, Morti war schwer verliebt. Schneemänner erleben aufgrund ihres kurzen Lebenszyklus keine Pubertät und
es spielte auch keine Rolle, dass Manda die einzige Schneefrau in der ganzen Gegend war. Sie war einzigartig im Sinne des Wortes.
Problematisch gestaltet sich für einen Schneemann und Schneefrau die Kontaktaufnahme, denn sprechende Exemplare hat man noch nicht beobachtet und wenn – dann würden sie sicher nicht lange dort stehen bleiben. Manda blieben Mortis Gefühle dennoch nicht verborgen und wurden nur zu sehr erwidert, denn auch aus ihrer Sicht war das Partnerangebot sichtlich begrenzt.

Wie gern hätten sich beide berührt, ihre Möhrennasen aneinander gerieben und sich tief in die Augen aus Knöpfen und Kohlenstücken geschaut und ihre Liebe einander gestanden. Doch es blieb Ihnen verwehrt, denn die Kinder hatten den Beiden zwar Arme spendiert, es aber unterlassen, ihnen Füße zu bauen. Und so mussten sich Morti und Manda damit begnügen, sich Tag für Tag und Nacht für Nacht aus der Ferne anzuschauen und sich ihre Liebe zueinander in Ihren tief gefrorenen Köpfen vorzustellen. Am Tage schwitzte Mortis Stirn nicht nur von der brennenden Sonne und in der Nacht funkelten Mandas kohlene Augen im fahlen Schein des Mondes, so dass Morti kein Knopfauge zu bekam. Doch ihre Liebe sollte endlich zueinander führen, denn Nebel zog auf. Nebel war der Vorbote eines Wetterumschwunges.

Und so wurde es bald wärmer und beide begannen zu schmelzen. Tropfen für Tropfen des in Auflösung begriffenen Liebespaares wand sich die Anhöhen hinab und verband sich im Tal freudig miteinander, bis sie vollkommen abgeschmolzen waren und nur noch eine große Pfütze Tauwasser von ihnen blieb. Aber das störte Morti und Manda nicht. Ihre Körper waren zwar dahin, doch ihre Liebe fand sich in jedem Tropfen wieder und so waren beide glücklich, endlich vereint zu sein und hofften darauf, im nächsten Winter, wieder hier als Schnee zu fallen…aber diesmal bitte etwas näher beieinander!

Ein frohes Weihnachtsfest und segensreiche Feiertage wünscht Euch!
André Detroit – movieman.de

Vielen Dank, André für die Bereitstellung dieser schönen Weihnachtsgeschichte :-)

 

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