Wachgeküsst

Der Berliner Bierpinsel steht ein Jahr für Turmkunst

46 m hoch, rot und lange Zeit nicht beachtet. Der Bierpinsel. Etliche von uns kennen ihn noch aus den alten Party-Zeiten vor sehr vielen Jahren. Auch nach den legendären Disco-Besuchen im Forum Steglitz, „Turm 7“ genannt -die viele von uns wohl immer noch vermissen – diente der Bierpinsel lange Zeit als gute Alternative und Ersatz zum Weiterfeiern. Wir haben von dem Street-Art-Projekt von Larissa Laternser, Geschäftsführerin des Bierpinsels gehört, angerufen und ein Interview bekommen. Ein paar Tage vor der Eröffnungsveranstaltung Anfang April, haben wir uns mit ihr getroffen. Niemals hätten wir gedacht, dass kurz vor dem Start überhaupt noch ein Zeitfenster für uns zu haben ist. Wer waren wir schon? Zwei Typen, die planen gemeinsam ein Magazin für den Süden Berlins herauszubringen. Wir hatten nichts in der Hand außer den Namen des Magazins und die Idee dahinter. Larissa war die Erste, die ohne zu zögern unsere Idee toll fand und spontan in den roten Turm einlud!

Besuchstag:

Da war er nun, der rote Turm – lange Zeit haben wir ihn wohl keines Blickes gewürdigt. Wir wurden am Eingang sehr freundlich empfangen und Sascha ein sehr fleißiger und kundiger Mitarbeiter des Teams und minde stens um die Hälfte jünger als wir, führte uns erst einmal durch alle Ebenen des Turms. Er beeindruckte uns sehr durch sein umfangreiches Wissen rund um den Bierpinsel. Buntes Treiben, eine offene Baustelle, Bilder und Infos mit Klebestreifen an den Wänden säumten unseren Weg. Es sah nach viel Arbeit aus. Was uns jedoch recht schnell auffiel. Wir verspürten eine Ruhe trotz emsiger Mitarbeiter vor Ort. Dann kam Larissa, locker, natürlich und strahlte genau diese Ruhe aus, die wir die ganze Zeit spürten und ganz und gar nicht erwartet hätten. Sie erzählte uns von Ihrer Vision, mit dem Projekt TURMKUNST 2010 einen Ort für die Entwicklung zeitgenössischer Kunst weiter voran zu treiben. Die Form des Bauwerkes sowie die Arbeitsweise das Gebäude nach Graffiti Art zu verschönern, sieht sie als Herausforderung an. Dafür hat sie vier internationale Künstler: Flying Förtress, Sozyone, Honet und Craig „KR“ Costello für sich gewinnen können, die u.a. in 6 Wochenden Turm zu einer neuen Fassade verholfen haben.

Im Turm selbst stellten weitere 9 Künstler Ihre Werke aus und drum herum gestalten Berliner Street Artists, z.B. den U- Bahnhof Schloßstraße. Das Projekt steht unter der Leitung der Kuratoren Tornow, Grau und Link (Vicious Gallery). Es ist ein Mix aus Festival, Street Art und klassi- scher Malerei. Und wir finden es super, dass hier der Standort Steglitz und nicht Mitte gewählt wurde. Der Startschuß wurde mit einer riesen Sacher Torte und Berliner Prominenz auf dem klei- nen Platz neben C&A gefeiert. Ein gelungener Auftakt. Sven Martinek, spektakulär die Fassade abseilend, überbrachte die erste Sprühdose. Udo Walz, Andy Moor und René Koch, das wohl älteste Gesangstrio, hielten ein musikalisches Ständchen mit dem bekanntesten Berliner Lied: „das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“.


Das verstaubte Image in Steglitz wird wieder ein Stück mehr aufpoliert.

Im Turm selbst ist auch viel passiert. In der ersten Etage wird es eine Lounge geben, die zweite dient als Galerie für Künstler und Workshop-Angebote. Im dritten Stock soll ein Restaurant eröffnet werden. Aber auch drum herum pas siert einiges. Auf dem ehemaligen Wertheim-Gelände ent steht ein Einkaufszentrum, das „Boulevard Berlin“. Die Schloßstraße selbst soll vom Bezirk aus umgebaut werden. Mehr Platz für die Passanten wird es geben, allerdings dafür demnächst je nur eine Fahrspur plus Fahrradweg. Mit EU-Fördergelder soll die Straße verschönert werden. Hierzu haben Geschäftsleute eine Genossenschaft gegrün det, zu der auch Larissa gehört.

Übrigens, das Kunstcafe ist täglich von 12:00 -20:00 Uhr mit wechselnden Ausstellungen geöffnet. Wenn Ihr also mal wieder auf einen Bummel in der Schloßstraße seid, schaut doch einfach mal rein. Mehr Informationen findet Ihr unter http://www.facebook.com/l/242d0 sowie unter www.turmkunst.de

Keine Antworten zu "Wachgeküsst"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.