Unendliche Weiten – im Gespräch mit Mrs. Nicola Baumann

Wie es dazu kam! Es ist ein langweiliger Sonntag, ich wollte das so. Einfach mal NIXX machen. Herrlich. So gar nichts machen ist natürlich dann doch langweilig. Schwups, Handy in die Hand genommen. Schau doch mal, was bei Instagram so alles los ist. Ach, wieder ein paar Follower mehr, wer ist Mrs. Nicola Baumann? Wie immer, schaute ich auf das Profil um zu schauen, wer dahinter steckt. Fighterpilot and Astronaut, stand da. Na klar #augenverdreh, dachte ich, eine Astronautin und ich bin Tiefseetaucherin. Was die Leute sich aber auch einfallen lassen um auf sich aufmerksam zu machen, die Kreativität im Netz kennt ja keine Grenzen. Doch die Neugier war stärker und machte sich breit. Das All sowie der Beruf Astronaut hat ja an sich schon eine unendliche Faszination in sich. Und ich drückte auf einszwei weiterführende Links, recherchierte…..und… uppala #grosseaugen! Das ist ja echt, diese Frau ist wirklich ein Fighterpilot und möchte ins All! Die Gelegenheit hier Kontakt aufzunehmen nutzte ich noch am gleichen Tag.

Es klappte übrigens alles hervorragend und am Liebsten hätte ich noch stundenlang mit Nicola über das All und das NIXX gesprochen…sehr sympathisch!

Wer darf als erste Frau zur Raumfahrtstation ISS fliegen? Mehr als 400 Kandidatinnen hatten sich aktiv bei einem Wettbewerb beworben. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne diese Vision umgesetzt wurde. Das Projekt war sehr erfolgreich und hatte 400 Frauen motivieren können, sich aktiv zu bewerben! Wer hätte das gedacht, dass so viele Frauen ins All fliegen möchten?!

Mit dem Projekt „Die Astronautin“ soll bis 2020 die erste deutsche Frau auf eine zehntägige wissenschaftliche Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) entsendet werden. Die Ausbildung zur Astronautin startet in diesem Jahr. Initiatorin des Projekts ist Claudia Kessler, diplomierte Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt und CEO von HE Space Operations, einem Personaldienstleister für hochqualifizierte Fachkräfte in der Raumfahrt. Nunmehr gibt es seit April 2017 zwei Finalisten. Nicola Baumann (32), eine Kampfpilotin aus Köln und Insa Thiele-Eich, Meteorologin aus Bonn wurden auserwählt, sich zur Astronautin ausbilden zu lassen.

nicola bWir haben für Euch mit Nicola Baumann sprechen können und durften ihr,

trotz des engen Trainingsplans, ein paar Fragen stellen.

Liebe Nicola, als du erfahren hast, dass du in der Endrunde der Finalisten bist, was war Dein erster Gedanke?

lacht herzhaft….ja… krass – habe ich als erstes gedacht! Du hoffst, dass du weiterkommst, auch wenn die Möglichkeit ins Finale zu kommen bei 400 Bewerbern verschwindend klein ist. Ich war total überrascht.

Hattest du im Nachhinein nicht auch ein wenig Angst ins All zu fliegen?

Nö, aber überhaupt nicht. Meine Angst wäre groß, wenn ich mich mit einem Bungee-Seil von einer Brücke stürzen sollte. Das finde ich total lebensmüde, weil Dein Leben nur an einem Faden hängt. Auf der Raumstation gibt es unendlich viele Sicherheits- und Notfallsysteme, da mache ich mir wenig Gedanken.

Noch weiß keiner, wer von Euch beiden ins All fliegen darf. Wieso werden zwei ausgewählt und wie fühlst Du Dich dabei?

Also das ist im Grunde eine spannende Situation und es ist gut, dass wir hier zu zweit sind. So können wir gemeinsam an dem Ziel arbeiten, dass erstmalig eine deutsche Astronautin zur ISS fliegt. Es ist eine einmalige Gelegenheit durch das Projekt Die Astronautin entstanden, den Fokus auf Frauen im All zu legen. Wir werden uns gegenseitig begleiten und diese einmalige Gelegenheit gemeinsam erleben dürfen.

Wann genau wird entschieden, wer die erste Frau sein wird, die zur ISS fliegen wird?

Das wird wahrscheinlich in der Mitte des nächsten Jahres entschieden.

Wie oft fliegen eigentlich Astronauten zur ISS? Weißt du, warum bisher noch keine Frau mitgeflogen ist?

Also die ISS ist ständig besetzt. Es befinden sich immer 6 Personen auf der Station. Teammitglieder werden alle drei Monate ausgetauscht. Ungefähr 6 Monate kann ein Aufenthalt dauern. Also Frauen sind schon ins All geflogen und auch auf der ISS gewesen. Allerdings ist bis heute noch keine deutsche Frau oben gewesen. Leider hinkt Deutschland da immer noch ein Stück hinterher. Zum Beispiel ist es noch gar nicht so lange her, dass Frauen das Recht bekommen haben in der Bundeswehr dienen und fliegen zu dürfen. So hat zum Beispiel erst im Jahre 2000 der
Europäische Gerichtshof eine rechtliche Voraussetzung geschaffen, dass in Deutschland auch Frauen für den aktiven Militärdienst bei der Bundeswehr eingestellt werden. Zuvor war lediglich eine Tätigkeit im Sanitäts- u. Militärsmusikdienst erlaubt. Zu verdanken haben wir diese Entscheidung für uns Frauen der deutschen Elektronikerin Tanja Kreil aus Hannover, die hier vier Jahre zuvor um Gleichberechtigung kämpfte und somit einen Meilenstein setzte.

Wolltest Du schon immer Astronautin werden?

Ja, also nicht immer aber irgendwie schon. Als Teenager wollte ich so vieles. Mich faszinierte Science Fiction, Ärztin wollte ich auch werden und Archäologin. Geworden bin ich dann Pilotin. Flugzeuge haben mich schon in jungen Jahren unendlich fasziniert. Die Welt von oben sehen, das wollte ich. Mein erster Weg führte mich zur Lufthansa. Doch für die war ich mit meinen 1,60 m zu klein. So beschloss ich es bei der Bundeswehr zu versuchen. Fand ich sowieso viel spannender, schon alleine die vielen verschiedenen Flugzeugtypen. Daran, dass mich die Bundeswehr nimmt, habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht geglaubt. Aber ich wollte es wenigstens versucht haben. So habe ich an einem ausgeschriebenen Test mitgemacht. Die haben mich dann wirklich genommen, ich hatte den Test bestanden. Wow, das fand ich damals total cool. Da war ich gerade einmal 19 Jahre alt und hatte kurz zuvor mein Abitur gemacht.

In einem anderen Interview sagtest du „setzt Euch keine Grenzen“. Du fliegst vielleicht in die unendlichen Weiten dieses Universums, glaubst du, dass jeder seine Ziele oder unendliche Weiten erreichen kann?

Ja, absolut, glaube ich daran. Natürlich kann nicht jeder, jedes Ziel erreichen, es muss einem schon liegen. Ich hatte mal Schauspielunterricht genommen, wollte unbedingt Schauspielerin werden. Doch ich musste erkennen, ich hatte überhaupt kein Talent dafür. Dennoch sind Irrwege erlaubt und wichtig. Wer weiß, wofür diese kleinen Ausreißer wichtig sind. Irgendwann kannst du alles Erlernte und deine Erfahrungen für etwas gebrauchen. Plötzlich hilft dir das Erlernte ein Stück weiter im Labyrinth des Lebens. Ich glaube fest daran, dass man seinen Talenten folgen sollte, so kann jeder seine Ziele und Träume verwirklichen. Folge einfach dem Flow mit einer guten Portion Willenskraft und echter Disziplin.

Wieviel Disziplin und Zeitaufwand wird in der Vorbereitung auf das Fliegen ins All notwendig sein?

Ganz, ganz viel Disziplin und Zeitaufwand ist hier nötig. Es ist eine absolute Lebensaufgabe. 2 ½ Jahre werden wir auf den Flug ins All vorbereitet. Wir arbeiten täglich eine lange Liste ab. Dazu gehören sportliche Aktivitäten, viel Expertenwissen erlangen wir, auch einen Flugschein sowie Tauchschein braucht man. Alles was mit der ISS zu tun hat müssen wir wissen. Im Grunde bereiten wir uns von Montag bis Sonntag vor. Es ist viel Konzentration und Motivation notwendig.
Glaubst Du, dass du dich nach solch einem Flug im All veränderst, also dass du danach anders bist?

Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Solch ein Trip kann einen nicht unberührt lassen. Es ist schwierig einzuschätzen. Es ist ein Blick von außen, der einem wahrscheinlich sehr deutlich macht, wie klein und zerbrechlich unsere Welt ist – und wie wenig Sinn die meisten Streitereien haben!

Du bist seit 10 Jahren Kampfpilotin, was ist hier für dich die größte Herausforderung. Gibt es auch schwache Momente?

Seit 13 Jahren bin ich bei der Bundeswehr, drei Jahre später erhielt ich meinen Flugschein zur Kampfjet-Pilotin. Natürlich gab es auch schwache Momente. So richtig abgebrüht ist doch selten jemand. Wir müssen ziemlich leidensfähig sein, du lässt in dieser Zeit viel über dich ergehen, auch mental hat man da mal einen schwachen Moment. Aber das macht die Stärke später auch aus. Als Frau bei der Bundeswehr ist es auf der einen Seite ziemlich spannend, aber du gehst auch durch ein Tal der Tränen. Mit Anfang 20 kämpfte ich gegen alte, verbissene Männer und musste mich durch verhärtete Strukturen arbeiten. Aber ich bin daran im Laufe der Zeit gewachsen und kann heute damit weitaus besser umgehen. Erkannt habe ich in dieser Zeit, dass diese Verhaltensweisen ja gar nichts mit mir zu tun haben, sondern immer mit den anderen und deren Einstellung.

Irgendwie fliegst du ja auch ins NIXX. Weißt du ob es im All laut oder leise ist?

Im Weltall ist es ganz leise, denn es gibt dort keine Luft, die den Schall übertragen könnte. Wenn du aus der Raumstation gehst und im All bist, kannst du nicht um Hilfe rufen. Nixx da, also unendlich viel NIXX. Wir müssen beide lachen… Auf der Raumstation ist dafür der Lärm relativ groß, da die Station größtenteils aus Computern besteht und diese unablässig Geräusche machen.

Nehmen wir an, du bist die Auserwählte erste Astronautin, die zur ISS fliegen darf. Worauf freust Du Dich hier am Meisten?

Auf zwei Dinge freue ich mich ganz besonders. Das Erleben der Schwerelosigkeit in einem Raum. Es ist schwer vorstellbar und fasziniert mich sehr. Und ich freue mich auf den Blick, den ich von außen auf die Erde haben werde. Noch nie habe ich Polarlichter gesehen und die kann man aus dem All besonders gut sehen. Ein atemberaubendes Spektakel, ein Traum, der vielleicht wahr wird.

Vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast! Wir drücken Dir die Daumen!
Telefoninterview: Nicola Baumann und Anita Tusch im Juli 2017
Weitere Informationen findet ihr unter: www.dieastronautin.de und unter www.facebook.com/DieAstronautin.

Das Instagram-Profil von Nicola lautet: mrs.nicolabaumann

Das facebook-Profil: www.facebook.com/Mrs.NicolaBaumann/

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