…und plötzlich bin ich arbeitslos!

Am 31. August finde ich abends in meinem Briefkasten meine Kündigung vor. Das trifft mich nicht unvorbereitet, denn tags zuvor war dies schon auf einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung angekündigt worden.

Wirtschaftliche Gründe werden genannt, weshalb ich nach knapp 6 Jahren wieder vor der Arbeitslosigkeit stehe. Zuerst bin ich erleichtert. Endlich hat der tägliche Psychoterror durch meine Vorgesetzten ein Ende. Das sehen auch viele Kollegen so, vor Allem diejenigen, die zusammen mit mir die Gründung eines Betriebsrats vorangetrieben haben. Und natürlich werden wir alle gegen die Kündigung klagen. Aber zunächst muss ich mich bei der Arbeitsagentur melden, meine Kündigung dort publik machen,
die zugesendeten Unterlagen ausfüllen und einreichen. Meine Ansprechpartnerin dort ist glücklicherweise sehr nett. Sie versorgt mich mit diversen Unterlagen, Internetadressen von Jobbörsen und meint, in meinem Alter (58) bliebe mir wahrscheinlich nur der Weg in die Selbständigkeit. Entsprechende Unterlagen befinden sich nun auch in meinem Gepäck. Die Front der Kollegen beginnt zu bröckeln. Viele finden ohne große Mühe schnell eine neue Anstellung und der Kontakt reißt ab. Man hat sich ja nichts mehr zu sagen, die Gemeinsamkeiten sind weggefallen. Der inzwischen gewählte Betriebsrat ist mangels Masse ebenfalls nicht mehr existent. Und ebenso plötzlich wie ich arbeitslos wurde, stehe ich nun ziemlich isoliert da. Das ist es, was mir am Meisten zu schaffen macht. Mir fehlen die sozialen Kontakte, das tägliche Gespräch über die alltäglichen Belanglosigkeiten. Nun sitze ich zu Hause und lese im Internet Stellenangebote. Täglich. Tausende. Ab und zu meine ich, dass die beschriebene Stelle genau für mich geschrieben wurde. Also bewerbe ich mich, nur um wenige Tage später eine Absage in meiner Mailbox vorzufinden. Das Selbstbewusstsein schwindet mit jeder Absage ein wenig mehr.

Reiß Dich zusammen, versinke nicht in Selbstmitleid, genieße doch deine freie Zeit, es geht immer irgendwie weiter, lauten die wohlgemeinten Ratschläge aus meinem Umfeld. Die bringen mich aber auch nicht weiter und zeugen davon, dass diejenigen, die diese Ratschläge absondern, nie in einer ähnlichen Situation waren. Schreib das doch mal auf, sagte dann Anita zu mir, als ich sie mal wieder anrufe. Gesagt getan. Und vielleicht findet sich ja in der Clique jemand, der genau mich sucht. Ich bin fit am PC und beherrsche die MS-Office Palette. Ich unterrichte oder coache euch gerne in diesen Programmen, erstelle Dokumente, Kalkulationen und Präsentationen für euch und mache euch fit in den Bereichen Projektmanagement, Kreativitäts- und Präsentationstechniken. Auch im Qualitätsmanagement kenne ich mich aus, genauso wie im Bio-Handel. Also dann, vielleicht bin ich ja plötzlich nicht mehr arbeitslos.

Autor: Thomas Westphal

Falls Ihr mit Thomas Kontakt aufnehmen wollt, so sendet uns einfach eine E-Mail wir leiten Eure, dann weiter!

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