Single-Report: Suche die beiden Kumpels vielzitierter Zufall und unverhofftes Glück

singlereport 042013

Und plötzlich ist man wieder Single! Und das nach 1x lebenslänglich und trauter Zweisamkeit. An sich hatte man alles, was man im Leben so anstrebt: ein Haus, zwei Kinder, drei Fernseher und keine Haustiere. Trennungen sind i.d.R. „schwierig“. Bist du der Verlassene ist das richtig übel. Bist du der Verlassende eindeutig das kleinere Übel. Und trennt man sich freundschaftlich, ist es gar nicht so übel. Wer braucht schon Geschirr, das durch die Wohnung fl iegt oder vom Ex zerkratzten Autolack? Das wird defi nitiv überbewertet. Aber das soll jeder mit sich ausmachen.
Mein Auto hat jedenfalls noch keine Lackschäden! Es ist nicht so, dass man es nicht irgendwo noch in petto hätte, das Flirten meine ich. Irgendwie meint man, man kann’s noch – das Anbaggern, Anmachen, Anquatschen oder Anbrumpfen. Nur: Man ist doch etwas aus der Übung und merkt recht schnell: Mit einer festen Beziehung in der Hinterhand lässt’s sich deutlich ungenierter zur Attacke blasen als ohne! Hat irgendwie was von einem Rettungsschirm. Man fällt erheblich weicher, wenn die Lady zischt: „Mach‘ dich vom Acker!“

Als erstes gibt’s den kritischen Blick in den Spiegel. Körpercheck ist angesagt! Volles Haar: jepp! Kaum Falten: jepp! Du siehst doch geil aus, Alter! Und die grauen Haare? Der ansetzende und nicht mehr wegzudiskutierende Doppelkinnansatz? Die stetig dicker werdenden Brillengläser? Okay… Abzüge in der B-Note. Und weiter unten? Da stellen wir fest, dass wir dann doch lieber den Mantel der Nächstenliebe um den tatoolosen Leib hüllen sollten. Fakt bleibt aber leider: mein Bauch würde beim Wettrennen die Zeitnahme im Zielbereich auslösen. Früher – davon bin ich felsenfest überzeugt – lag der Auslöser 20 cm tiefer. Und überall diese Haare! Es ist – by the way -wirklich erstaunlich, welche Behaarungs-Metamorphose ein Mann meines Alters durchmacht. Während sehr viele meiner Spezies mit Wunder-Wässerchen, Voodo-Zauber und Implantaten das abwanderungswillige Haupthaar zum Bleiben animieren möchten, kann ich allen Männern nur zurufen: Das ist Quatsch! Die gehen nämlich nicht weg. Nein – die wandern! Meine Haare z.B.  vornehmlich in die Ohr-Regionen, die Nasen-Innenseiten und den unteren und verlängerten Rücken. Gut: dafür gibt es Scheren. Oder auch Trimmer. Oder Haargummis. Aber nervig ist’s schon irgendwie. Und so richtig sexy fi nden’s auch nur Frauen mit `nem  ausgefallenen Fetisch oder jahrelanger Sexlosigkeit. Beide Gruppen passen nicht zwingend in mein Beuteschema …!
Anschließend kommen dann die guten Vorsätze: mit dem Rauchen aufhören, bewusster Essen, gesünder leben. Mehr Sport. Okay: etwas Sport. Okay, okay: überhaupt mal wieder Sport! Und natürlich striktes Alkoholverbot. Zumindest aber kaum Alkohol. Oder sagen wir: weniger Alkohol. Knapp und männerverständlich zusammengefasst steht am Ende die ultimative Aufforderung an sich selbst: Mach‘ was, du Jurke!!! Das muss doch alles irgendwie möglich sein, du Weichei! Schließlich stehst du voll im Leben. Du bist ein Mann! Ein richtiger Kerl! Ein unglaublich animalisches Vieh!!!
Das selbstauferlegte Rauchverbot hielt immerhin rekordverdächtige 6 Wochen. Die neuerliche Sport-Karriere wurde abrupt wieder beendet. Mein eigener, doch erheblich angemorschter Körper hat sie gestoppt. Rigoros. Der hat mir während und nach körperlichen Ertüchtigungen permanent Signale gesendet nach dem Motto: „Alter, geht’s noch?“ Allerdings: Das bewusstere Leben, das gesundere Essen und alles weitere ist ständig präsent, da lass ich nicht mit mir handeln. Wäre ja noch schöner. Da kann mein Körper morsen wie er will, da lasse ich mich auch nicht beirren, dass ziehe ich durch! Meist in Verbindung mit dem Wörtchen „morgen“…

Und an der Front? Auf dem Beziehungs-Schlachtfeld? Im gnadenlosen Kampf der Geschlechter? Da, wo Mann und Frau sich Aug‘ und Aug‘ gegenüberstehen, wo Helden geboren werden, wo stählerne Heroen aus den Beziehungstrümmern emporsteigen und mit der neuen Helena den Liebes-Olymp erklimmen? Da bin ich voll mit dabei – jedoch als lebloser Trümmer-Statist. Aus 3 Milliarden Frauen zu meinem verbeulten Deckel den passenden Topf zu finden, bleibt schwierig. So viel Blech kann ich beim besten Willen nicht  bearbeiten. Zumal mein CNC-Werkzeug deutliche Gebrauchsspuren aufweist!
Man muss ja auch einfach mal festhalten, dass das Rebooten meiner Festplatte nicht mehr ganz so einfach ist. Bei neueren Modellen sind Updates deutlich leichter zu installieren, als bei meinem Commodore 64. Der brauch‘ schon immer `ne Weile, bis der hochgefahren ist… Wie fi ndet man nun die Richtige? Wie genau geht man’s an? Ganz ehrlich: ich hab‘ nicht den geringsten Schimmer! Alleine in die Bar und auf dicke Hose machen? In der Disco die Jacketkronen aufblitzen lassen und bedeutungsschwanger mit `nem gefakten Ferrari-Schlüssel spielen? Im Fitness-Club mit einem sexy gehauchten „Hallo“ auf Tuchfühlung gehen und dabei krampfhaft versuchen den eigenen Speichelfl ss unter Kontrolle zu halten? Nein, danke. Nichts für mich. Oder vielleicht im www bei „Singles mit Niveau“ stöbern? Hmm… Stellt sich für mich unweigerlich die Frage: welcher Single mit Niveau lässt sich gerne eine Kandidaten-Nummer geben und den lüsternen Blicken wildfremder Typen aussetzen? Womit wir wohl wieder bei Fetisch und Sexlosigkeit angelangt wären. Man könnte aber natürlich auch den facebook-Status ändern. Nun, dazu müsste ich mich wohl erst mal bei dem Club anmelden. Irgendwas ist aber auch immer!

Ich musste leider registrieren, dass mein Netzwerk ganz eindeutig zu männerlastig ist. Fußballer eben. Es ist zwar nicht so, dass ich in den eineinhalb Jahren Single-Dasein nicht der einen oder anderen Frau dieses Netzwerkes über den Weg gelaufen bin. Soooo ist’s ja nicht! Leider wurde mir dann aber ganz schnell vor Augen geführt, warum sich eben genau diese Frauen in meinem Netzwerk befinden: die sind wie ich! Die haben auch ganz gepfl gt einen an der Waffel!!!
Die dicke Hose, der Ferrari-Schlüssel, der Swinger.. äh … Fitness-Club, das www und das eigene Netzwerk fallen also flach, zudem ist die Nummer mit einem bewusst verursachten Autounfall zwecks leidgeteiltem Beziehungsstarts auf Dauer einen Tick zu kostspielig, und für die Clochard-Nummer am Ku’damm mit dem Pappschild „suche experimentierfreudige Sie mit ausgeprägten Zungenfertigkeiten“ bin ich noch nicht verzweifelt genug. Also müssen die Kumpel “vielzitierter Zufall“ und „unverhoff tes Glück“ irgendwann um die Ecke kommen und mich wachküssen. Zur Not verkleide ich mich auch gern als Schneewittchen, die küsst man vermutlich lieber. Dann bleibt mir zumindest die Clochard-Nummer erspart…
Liebe Frauen: solltet ihr auf den Weihnachtsmärkten dieses Jahr zufällig bei einem Glühwein oder Eierpunsch mit einem gutaussehenden, eloquenten, und überaus romantisch veranlagten Typen ins Gespräch kommen, dessen warme Augen eure Herzen höher schlagen lassen, dessen Charme euch überwältigt, dessen off enes Lächeln den Schnee unter euren Füßen zum Schmelzen bringt, dann lasst ihn nicht mehr los – und schwebt mit ihm hoch zum Olymp! Ob du nun Helena heißt oder nicht. Ich werde dann vermutlich neben dem Typen stehen und eine rauchen… 😉

Autor: Aina von Oich

Keine Antworten zu "Single-Report: Suche die beiden Kumpels vielzitierter Zufall und unverhofftes Glück"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.