Sheila Wolf – Für mich ist es Kunst

Er lebt: der Geist der Zwanziger mit glamouröser Geste und modernen Märchen. Nach dem großen Erfolg der letzten Revue wird wieder eine beeindruckende Vielfalt internationaler Showacts präsentiert: Burlesque und Boylesque, Cabaret Performances und starke Stimmen, waghalsige Akrobatik und Vaudevilletrash mit einer Prise Travestie, serviert von der Grand Hostess Sheila Wolf.  Am 11. September 2016, 20 Uhr im Tipi am Kanzleramt (Große Querallee, 10557 Berlin). Einlass und Restauration ab 18.30 Uhr. Freie Platzwahl in den jeweiligen Preiskategorien. Platzreservierungen sind möglich bei der Wahl eines der gastronomischen Angebote. Buchung unter der Telefonnummer 030/390 665 50 oder direkt im Tipi am Kanzleramt bis spätestens einen Tag vor der Veranstaltung. Preise: ab 29,50 Euro zzgl. VVK-Gebühr, ermäßigt 12,50 Euro. An der Abendkasse entfällt die Vorverkaufsgebühr. Zutritt erst ab 16 Jahren.
Weitere Informationen: www.vaudeville-variety.com

Foto Headline: Magnus Beuys

Für mich ist es Kunst

INTERVIEW mit Sheila Wolf von Mononna Ciccone
Wolf und Mononna Ciccone_Foto Thomas Kuberek

Wolf und Mononna Ciccone – Foto: Thomas Kuberek

Mononna: Ich habe gelesen, Du hast Dich früher unscheinbar gefühlt. Jetzt fällst Du natürlich auf, wenn Du als Sheila auftrittst.

Wolf: Wo hast du das denn gelesen? (lacht) Ist ja toll.

In einem Interview, das Du gegeben hast. Wie bist Du denn nun zu Sheila geworden?

Die Geschichte meines Alter Ego hat vor zwölf Jahren angefangen. Damals habe ich zum ersten Mal entdeckt… oder fangen wir anders an. Ich habe schon immer eine Rockabilly-Macke gehabt und aufgefallen bin ich, weil ich früher eine Tolle hatte und in einer Subkultur gelebt habe, die der Rockabillies. Durch das Berufliche habe ich mich 15 Jahre lang ein bisschen davon ablenken lassen. Irgendwann hatte ich in meiner Werbeagentur einen Kunden, der hat Travestie auf der Bühne gemacht, und zwar im typischen Paillettenfummel. Das fand ich wahnsinnig spannend. Ich habe mich im Internet kundig gemacht, was in dieser Szene geht, und im Laufe der Zeit bin ich auf immer mehr Menschen aus diesem Bereich getroffen. Unter anderem auch auf eine Person, die einen Blog darüber geschrieben hat, wie er als Frau auf die Straße geht, in Hamburg wohlgemerkt. Dass man das in der Form auch außerhalb der Bühne machen kann, hat mich fasziniert. Es war natürlich jenseits der Professionalität und jenseits des guten Aussehens und des guten Geschmacks, aber das ist egal. Es war ein Abenteuer und dieses Abenteuer, habe ich mir gesagt, das kann ich ja auch mal in Berlin machen. Und ich habe es gemacht. Witzigerweise mit dieser Person. Damals sind wir in Kontakt getreten.

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Sheila Wolf – Foto Jack Zander

Kennt man die Person?

Nein. Er ist zwar auch jetzt noch ab und zu mit mir unterwegs, aber nicht mehr in dem Maße wie früher. Das waren also meine ersten Ausgehversuche, zu denen er mich angeregt und das Feuer entfacht hatte. Gleich am ersten Abend hatte ich so viel Spaß unter unseresgleichen. Es waren fast ausschließlich verkleidete Männer da. Das war für mich ein Adrenalinkick, wie ich ihn bisher immer nur beim Surfen hatte. Ich bin ja Wellenreiter und wenn du so eine Welle kriegst, auf der du reitest, dann hast du einfach ein Wahnsinnsadrenalin im Körper. Und das gleiche Feeling hatte ich an diesem Abend. Ich dachte, ich muss gar nicht nach Mexiko fliegen, ich muss gar nicht zum Atlantik reisen. Nee, ich kann mich einfach abends aufdonnern und rausgehen und habe das gleiche Gefühl. Heute ist es nicht mehr ganz so intensiv, das gebe ich zu, aber damals war es ein Kick.

Warst Du an jenem Abend schon professionell zurechtgemacht?

Nein, da war ich alles andere, aber nicht professionell. Ich hatte eine abgeschnittene Jeans an, die reichte über das Knie. Die Beine natürlich rasiert, das habe ich damals schon gemacht. Mit einem fürchterlichen Mopp auf dem Kopf. So ein billig 20-Euro-Fiffi aus dem Versandhandel. Und ich glaube, ich hatte einen Lidstrich. Das war das höchste der Gefühle. Natürlich habe ich mein Gesicht mit irgendwelchen Foundations  etwas gecovert. Ach und Lippenstift. Dementsprechend sah es auch aus. Das war halt gruselig. Aber die Leute dort vor Ort sahen noch gruseliger aus und haben mir bestätigt, dass mein Gesicht dazu ganz gut geeignet ist. Ich dachte mir okay, mal gucken wie es weitergehen kann. Ich habe auch danach gesucht, mich in irgendeiner Figur zu finden und merkte recht schnell, dass die Einflüsse aus der Retrorichtung reinkamen. Also die Rockabillygeschichte von früher, weil ich die einfach geliebt habe mit ihren ganzen tollen Petticoats und den Bombshell-Kleidern, die ich schon damals an den Frauen wahnsinnig toll fand. Irgendwann war klar, den Stil will ich machen. Eine Rockabella. Das gab es noch nicht und ich hatte meine eigene Marke. Ich bin ja ein Brand-Fetischist, ich muss immer eine Marke schaffen. Nach etwa einem Jahr bin ich in die Burlesque-Szene reingeraten. Die Mädels auf der Bühne sahen alle so toll aus, das wollte ich auch versuchen. Und so ging es immer weiter. Ich habe mich selbst angestachelt, die Messlatte immer höher gelegt. Dann habe ich Sandra Steffl kennengelernt, sie ist die Gründerin der Teaserettes, die zu mir sagte: Ey, du siehst immer so toll aus, du bist so geil gestylt, du musst auf die Bühne. Ich antwortete, die ganze Straße ist meine Bühne, das reicht mir völlig aus. Sandra sagte nein, ich mache für dich eine Performance und damit trittst du jetzt auf. Sie war ein bisschen wie die Mutti, die mich an die Hand genommen und gesagt hat, jetzt komm mal mit. Wenn du dann auf einmal auf der Bühne vor Publikum stehst, großartiges Feedback und auch noch einen ersten Preis dafür bekommst… Die Performance fand im Rahmen einer Competition statt… In dem Moment wusste ich, dass das genau meins ist. Daraus wurde immer mehr und jetzt produziere ich diese riesige Show.

Du warst zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet. Wie hat Deine Frau reagiert?

Für Diana war das ganz furchtbar. Ganz am Anfang hat sie gedacht, dass das ein kurzfristiger Spleen ist, nicht so dramatisch, dass ich mich in die Nummer hineinsteigere. Bis sie merkte, dass es mir ernst ist und fragte, ob ich unsere langjährige Beziehung, unsere Ehe aufs Spiel setzen will, ob ich schwul oder transsexuell werde oder bin. Ich sagte ihr, du, ich kann dir das nicht mit Gewissheit sagen, aber ich bin zu 95 Prozent sicher, dass ich weiterhin auf Frauen stehe. Ich hatte damals meine ersten Berührungspunkte mit der Schwulenszene. Du kannst diesen, ich nenne es jetzt mal Fetisch nur in der Schwulenszene ausleben. Heute ist es kein Fetisch mehr für mich, damals war es wohl einer. Sie hatte panische Angst, dass unsere Ehe und unsere Familie kaputtgehen und fühlte sich wohl auch ein bisschen zurückgesetzt, weil mich das Thema so sehr interessiert hat. Mit dieser ganzen Weiblichkeit, den rasierten Beinen, mit rasiertem Oberkörper und ohne lange Koteletten, die ich bis dahin immer getragen habe. Heute geht das mit Conchita Wurst wieder, damals waren Koteletten ein No-Go. Das alles hat sie fürchterlich frustriert. Zwei oder drei Jahre hat sie sehr daran genagt. Ich möchte nicht sagen, dass wir uns in dieser Zeit entzweit haben, aber unsere gemeinsamen Berührungspunkte wurden weniger. Wir haben immer noch viel zusammen gemacht. Aber wenn es hieß, wir gehen aus, habe ich ihr zwar angeboten, das zusammen zu machen, aber damals wollte sie noch nicht mit mir als Sheila Wolf weggehen. Da hatte ich noch nicht diesen Stellenwert in der Gesellschaft. Und dann kam eine zweite Phase in der sie mir sagte, okay, ich glaube dir, offensichtlich wirst du nicht mehr schwul in diesem Leben. Das kann ich hiermit auch bestätigen. Männer fokussieren sich ja sehr auf das Geschlechtsteil und ich bekomme jede Woche Bilder aus irgendwelchen Foren geschickt. Das ist aber nichts, was ich attraktiv finde. Die Jungs denken, ich bin schwul oder eine Transe, die auf Männer steht. Die schicken kein Foto von ihrem Gesicht oder ein Hallo, die schicken ein Foto von ihrem Penis. Zack, guck, so groß ist er. Finde ich lustig, gibt mir aber nichts. Zum Schwulsein habe ich es nicht gebracht. Das hat sie verstanden. Doch dann kam die Phase in der sie registrierte, ich bin in diesem Burlesque-Thema drin und ich bin in den Backstages. Mit den vielen schönen Frauen, die alle nackt vor dir stehen und zwar so, wie Gott sie geschaffen hat. Der Witz in dieser Situation ist, die ganzen Mädels akzeptieren dich als Frau beziehungsweise als Frauendarsteller nur so lange, wie sie nicht wissen, dass du heterosexuell bist. In dem Augenblick, wenn es ihnen jemand sagt, geht die Schamgrenze um 300 Prozent nach oben und die Frauen machen zu. Sie hängen sich Handtücher um und verdecken ihre Scham. Dabei bin ich die gleiche Person wie vorher und denke mir, Kinder, wo ist jetzt euer Problem.

Dabei zeigen sie sich fast nackt auf der Bühne.

Genau. Das kommt noch dazu. In Bezug auf Burlesque ist das ein ziemlich kontroverser Punkt. Die denken, huch, der könnte meine Brüste sehen. Immerhin interessiert sie dann, wie meine Brüste an dem Abend funktionieren. Das ist ganz lustig. Mittlerweile ist es so, dass Diana damit umgehen kann. An manchen Abenden, wenn wir zusammen ausgehen und ich Sheila bin, fühlt sie sich noch zurückgesetzt, weil die Leute natürlich sehr auf mich fokussiert sind und Diana teilweise nicht einmal begrüßen, was eine Unart ist. Aber leider ist es so. Gerade in der Schwulenszene oder wenn wir zu einer Premiere gehen. Ich will nicht alle Schwulen über einen Kamm scheren, aber viele sind so programmiert, dass Frauen für sie nicht wahnsinnig interessant sind. Sie nehmen Diana dann nicht wahr. Eher denken sie, das ist ein Groupie von mir. Manchmal nimmt sie das sehr persönlich.

Das ist interessant, denn wenn ich Fotos von Euch sehe, wie Ihr zusammen ausgeht, ist sie immer sehr schön zurechtgemacht und sieht toll aus.

Natürlich. Das sagen ihr auch alle. Trotzdem ist es für sie so, wahrscheinlich ist das für jede Frau so, dass sie an ihrem Körper irgendeinen Makel sieht und diesen Makel sieht sie sehr im Fokus. Gerade macht sie sich selbständig und bekommt viel Aufwind. Vorher hat sie gesehen, dass ich etwas geschaffen habe. Meine Firma gibt es seit 25 Jahren. Und mit der Travestie habe ich eine Riesenshow auf die Beine gestellt.

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Foto: Jack Zander

Du sagtest, am Anfang war es ein Fetisch, heute ist es das nicht mehr. Was ist es heute? Nur ein Job?

Für mich ist es Kunst. Das ist eine ganz einfache Antwort. Dem Fetisch war es nach fünf oder sieben Monaten schon entwachsen. Ich hatte immer eine Tendenz, mich in irgendeiner Form zu verkleiden. Rockabilly ist auch eine Form der Verkleidung, es ist aber auch ein Lifestyle. Aber in der heutigen Zeit wirken sie verkleidet. Das darf man keinem Rockabillie sagen, da flippen die alle aus. Aber letztendlich ist es so, denn die Leute nehmen sie als andersartig wahr. Mit einem anderen Geschmack und einem anderem Stil als der Mainstream. Sehr detailverliebt bin ich bis heute und das macht es für mich zu Kunst. Jedes Mal, wenn ich mich anmale, merke ich, wie sich mein Brain verändert. Nicht die Art, wie ich mich gebe oder wie ich spreche. Aber wie ich denke. Dann bin ich eine Kunstfigur und diese Kunstfigur muss ich bedienen, denn sie soll perfekt sein, weil jeder auf mich guckt.

Dein Make-up machst Du selbst?

Ja.

Woher kannst Du das und wie lange dauert es, bis aus Wolf Sheila wird?

Gelernt habe ich es learning by doing. Künstlerisch war ich immer sehr ambitioniert und ich konnte auch schon immer sehr gut zeichnen. Jetzt zeichne ich einfach in meinem Gesicht. In zwölf Jahren habe ich natürlich viel dazugelernt. Etwa wie ich mein Gesicht schattiere, damit es weiblicher wirkt. Das wusste ich am Anfang nicht. Du kannst im Gesicht alles retuschieren… ohne Photoshop. Einige You Tube-Tutorials habe ich mir auch angeschaut, vor allem im Vintagebereich. Es gibt immer Details, die man verbessern kann oder herauskitzeln, was man vorher nicht hatte. Für das Gesicht brauche ich etwa eineinhalb Stunden und noch mal solange für das Styling.

Wie schaffst Du es, dass Dein Busen echt aussieht, obwohl er…

…weil ich gar nichts habe? (lacht) Es gibt da Tricks. Vor zwei Jahren habe ich überlegt, wie ich einen Full Bodysuit so hinbekomme, dass es aussieht, als hätte ich echte Brüste. In der Fetischecke gibt es die so genannten Zentai suits. In Japan gibt es eine Fetisch-Bewegung, die nennt sich Kigurumi. Das sind Männer und Frauen, die sich in Catsuits zwängen, eine große Mangamaske aufsetzen und so zu Events gehen. Diese Catsuits haben den Vorteil, dass sie Brusttaschen haben. Normalerweise drückt ein Catsuit die Brüste flach. Diesen Suit aus Japan habe ich mir bestellt, angeguckt, wie er funktioniert und mir einen eigenen gemacht. Mit dem sieht es aus, als hätte ich echte Brüste. Selbst Rosa von Praunheim, den ich schon lange kenne, kam irgendwann und fragte, ob ich mir Brüste hätte machen lassen. Die Jahre davor habe ich immer gepuscht wie ein Bekloppter. Mit einem so genannten Transwonder-BH. Das ist eine Push Up-Silikonbrustprothese, die die vorhandene natürliche Brust deutlich vergrößert und die speziell für Krebspatientinnen entwickelt wurde.

Wie hoch sind Deine Investitionskosten?

Am Anfang war das eine ziemlich hohe Investition, die sich mittlerweile auszahlt. Inzwischen bekomme ich viele Kleider von Designern geschickt. Oder ich schreibe die Labels an und sage, ich bin auf der und der Premiere, wollt ihr mir was schicken. Manchmal machen sie das. Eigentlich sehr oft sogar. Manche machen das auch nicht. Einmal schrieb ein holländischer Designer, er möchte keine Bittsteller. Dem habe ich geantwortet, dass es ein B2B-Business ist. Ich repräsentiere ihn auf einer Veranstaltung, bei der mich auf der Bühne 2.000 Leute sehen und danach auf Facebook noch einmal 20.000. Bei meiner Community, meine Facebook-Seite hat 100.000 Follower, hat er, selbst wenn Facebook es runterreguliert, ein Feedback von drei- bis sechstausend Leuten. Das konnte er als Wert nehmen oder es seinlassen. Er wollte es nicht. Durch meine Blogs und meine Auftritte finanziert sich die ganze Travestie mittlerweile von selbst.

Was gehört noch zu Deiner Ausstattung?

Ich habe ein Travestiezimmer voller Klamotten. Gefühlt habe ich 2.000 Kleider, tausend sind es auf jeden Fall. Und 300 Paar Schuhe. Das hat sich in zehn Jahren angesammelt.

Lieblingsoutfit?

Es gibt Highlights in meinem Schrank. Zum Beispiel ein Marilyn Monroe-Kleid, das ich anfertigen lassen habe, mit ganz vielen Swarovski-Steinen besetzt, und das aussieht wie eine Marlene-Dietrich-Nude-Illusion.

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Wolf ohne Make Up – Foto Thomas Kuberek

Kennt man Dich als Wolf? Wissen die Leute, wie Du aussiehst? Ich habe es ja selbst beim Weihnachtsplätzchenbacken im vergangenen Jahr erlebt, als es hieß, wir beide kennen uns und ich wusste nicht, woher, weil ich Dich bislang nur als Sheila kannte.

In der Kulturszene kennen mich die Leute jetzt schon, weil ich beide Figuren sehr miteinander einfließen lasse. Ich gehe auch nicht mehr zu jeder Premiere als Sheila. Eher achte ich darauf, wann es für mich werbewirksam ist oder ob es einen Mehrwert hat. Manchmal kommen aber auch Leute in den Backstage-Bereich, so wie bei „Vaudeville“, die mich dann ungeschminkt sehen, weil ich noch bei der Planung bin. Die setzen sich dazu, hören sich alles an und zum Schluss fragen sie: Und wer bist du? (lacht) Die kennen mich seit zehn Jahren. Denen antworte ich, ich bin übrigens die Veranstalterin. Das ist wie Superman und Clark Kent. (lacht)

Wirst Du als Sheila angebaggert und flirtest Du zurück?

Ich bin in dieser Rolle 100-prozentig und ich flirte dann auch zurück. Wer mir respektvoll oder auch witzig entgegenkommt, demgegenüber verhalte ich mich entsprechend. Ich bin dann genauso nett und zuvorkommend. Wenn mir jemand an den Arsch fasst, dann fasst er mir eben an den Arsch. Wenn jemand meine Brüste anfassen möchte, ist das auch in Ordnung. Häufig fassen mir sogar Frauen an die Brüste, die wenigsten fragen, die machen es einfach. Das ist ganz kurios. Meistens denkt man, dass eine Frau sich da zurücknimmt. Nö. Die denken vielleicht, die haben auch Brüste, das ist das Gleiche. Wenn ich jetzt meinen Penis raushängen lassen würde, den würden sie nicht anfassen, weil das ja etwas Anderes ist. So wird halt geflirtet. Wenn die Leute mir mit ihrer Zunge entgegenkommen sage ich, jetzt ist Feierabend. (lacht) So weit gehe ich dann doch nicht.

Worum geht es in Deinen Shows?

2011 habe ich angefangen, meine erste Show zu produzieren. Das Queerlesque Festival, ausschließlich mit queeren Performern. Also Menschen, die diese Genderrolle in irgendeiner Form biegen. Das fließt nach wie vor in meine Konzeption ein, denn ich möchte, dass diese Gendervielfalt auch auf der Bühne stattfindet. Gleichermaßen sehe ich aber den Mainstreamcharakter, den eine Show haben muss, damit genug Publikum kommt, und zwar über diese normale Gender-Fetisch-Grenze hinaus. Meine Show besteht nur aus Performern, die ich schon in ihrer eigenen Show gesehen habe und mit Gänsehaut im Publikum saß, weil ich mich einfach entertaint gefühlt habe. Deren einzelne Acts werden von einem Rahmen gehalten, der wiederum von einem Conferencier dargebracht wird, der für sich genommen schon eine großartige Show abliefert. Die „Vaudeville Variety Burlesque Revue“ ist eine One day-Show. Sie läuft immer nur an einem Tag und es gibt sie auch nur dieses eine Mal. Das ist praktisch eine Premiere und Dernière gleichzeitig. So kann ich immer wieder neue Künstler hinzubuchen. Mal doppelt sich jemand, aber im Grunde genommen ist es immer wieder neues Line-up, neue Künstler, noch mehr Action auf der Bühne. So sieht auch der Zuschauer nicht immer das Gleiche auf der Bühne, sondern das Neue eines Wonderland.

Vaudeville Variety Burlesque Revue, präsentiert von Sheila Wolf 

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    Am 11. September 2016, 20 Uhr im Tipi am Kanzleramt (Große Querallee, 10557 Berlin). Einlass und Restauration ab 18.30 Uhr. Freie Platzwahl in den jeweiligen Preiskategorien. Platzreservierungen sind möglich bei der Wahl eines der gastronomischen Angebote. Buchung unter der Telefonnummer 030/390 665 50 oder direkt im Tipi am Kanzleramt bis spätestens einen Tag vor der Veranstaltung. Preise: ab 29,50 Euro zzgl. VVK-Gebühr, ermäßigt 12,50 Euro. An der Abendkasse entfällt die Vorverkaufsgebühr. Zutritt erst ab 16 Jahren. Weitere Informationen: www.vaudeville-variety.com 

    Wir verlosen 1×2 Freikarten für die Show (ohne Menü). Schickt dazu eine E-Mail an sebastian [at] stosick [dot] de. Betreff: Varieté. Einsendeschluss: 8. September 2016. Bitte gebt eine Telefonnummer an, unter der wir Euch im Falle eines Gewinns benachrichtigen können. Rechtsweg ausgeschlossen.

     

 

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