Schloss Britz und Marilyn Monroe

Auch mal einen Besuch wert und mal etwas Kulturelles hier für die Clique ist das Schloss Britz in Neukölln. Seit 1971 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. Es diente in den Nachkriegsjahren als Flüchtlings- und später als Kinderheim. Nach einer umfassenden Restaurierungskampagne (1985-88) wurde es erstmals öffentlich zugänglich gemacht und ist seitdem Ort zahlreicher internationaler Kulturveranstaltungen.

Bisheriger Höhepunkt war das 300. Jubiläumsjahr des Barockschlosses 2006. Ein weiterer Anziehungspunkt für Besucher ist der vorbildlich rekonstruierte Gutspark, dem 1997 der Gustav-Meyer-Preis für Gestaltung, Ausführung und Pflege herausragender öffentlicher Grün- und Freiflächen verliehen wurde. Seit dem Frühjahr 2007 sind Schloss, Museum und Park ganzjährig von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Die ausgedehnte Gutsanlage des 19. Jahrhunderts hat sich durch regelmäßige Konzerte und Theateraufführungen zu einem kulturellen Zentrum im Süden Neuköllns entwickelt. Natürlich gibt es auch ein Schlossrestaurant.

Das Besondere daran ist, dass es eigenverantwortlich von Auszubildenden geführt wird und zwar von einem Azubi-Team des Estrel-Berlin. (Mehr Infos unter www.schloss-britz-berlin.de).
Auch einen kleinen Spaziergang durch den Schlossgarten können wir empfehlen. Er ist zwar nicht sonderlich groß, aber er hat etwas Romantisches und Anonymes. Ein geheimer Tipp – falls jemand einfach vom Alltagsstress ausbrechen und einen ruhigen Ort im Süden sucht.

The Last Sitting…

Wie wir außerdem bei unserem kurzen Besuch entdecken konnten, präsentiert die Kulturstiftung Schloss Britz eine Auswahl der Foto-Serie Marilyn Monroe „The Last Sitting“ aus der Sammlung Reichelt und Brockmann, in der neben Farb- und Schwarzweißfotos auch Siebdrucke des Künstlers Bert Stern gezeigt werden. Ihr findet dort Archivmaterial und persönliche Gegenstände der Diva aus der Sammlug von Peter Schnug (www.marilynmonroe.de). Auch gibt es eine Videoinstallation der amerikanischen Künstlerin Nicole Cohen, die Monroes letzte Privatsaparments in New York und Los Angeles zeigt.(www.nicolecohen.org)
Der international bekannte Starfotograf Bert Stern hatte im Juni 1962, sechs Wochen vor Marilyn Monroes plötzlichem
Tod, die einzigartige Gelegenheit, die Hollywoodikone an drei Tagen für das Vogue-Magazin zu fotografieren. Marilyn Monroe sagte zu. Vogue hatte noch nie von ihr Aufnahmen machen lassen und veröffentlicht. Die Redaktion der Zeitschrift dachte dabei an reine Modefotografie. Der Fotograf realisierte jedoch eine ekstatisch aufgeladene Mischung aus Mode-, Kunst- und Aktfotografie. Bert Stern beschrieb die Sitzungen als ein Ereignis besonderer Art: „Es gab die nötige Spannung und keines von den üblichen Problemen…“. An drei verschiedenen Tagen ließ der Fotograf die Hollywood-Diva in einem künstlich geschaffenen „Raum aus Licht“ posieren. In einer entspannten Atmosphäre mit Musik und Champagner gelang es dem Fotografen schon bei der ersten Sitzung in der Suite Nr. 261 des Bel-Air-Hotels in L.A., Marilyn erst mit freiem Oberkörper, später nackt, mit Accessoires wie durchsichtigen Tüchern und Schmuck zu fotografieren.

Diese erste Sitzung dauerte zwölf Stunden bis sieben Uhr morgens. Die zweite Sitzung, zwei Wochen später, diesmal in einem Bungalow im Bel-Air-Hotel, sollte sich auf reine Modefotografie konzentrieren. Vogue schickte ein 5-köpfiges Team mit umfangreicher Designerkleidung. Nach einigen Stunden Modellstehen wurde Marilyn müde und verweigerte weiteres Umziehen. Stern setzte das Team vor die Tür. Monroe hüllte sich nackt in ein Bettlaken und so entstanden an diesem Tag zwei sehr unterschiedliche Serien. Bei der dritten und letzten Sitzung wollte Stern sein „Traumbild“, das er von Anfang an im Kopf hatte, verwirklichen, das  unvergängliche Schwarzweißportrait. Es entstanden die berühmten glamourösen Schwarzweißportraits, die eine verspielte, fröhliche Marilyn zeigen. Insgesamt entstanden fast 2700 Mode-, Portrait- und Aktaufnahmen, von denen seinerzeit nur etwa ein Dutzend veröffentlicht werden konnte, die hier in der Ausstellung in der originalen Vogue zu sehen sind. Sie waren am 1.September 1962 – knapp vier Wochen nach Marilyns Tod – auf acht Seiten veröffentlicht worden.

Bert Stern schrieb darüber in seinem Buch: „Es stimmte, es war etwas Gespenstiges an den Schwarzweißfotos, die die Redaktion der Vogue aussuchte. Die schwarzen Abendkleider,  die dunkle Kleidung, der abgedunkelte Hintergrund – das Layout hatte eine elegische Qualität. Es war merkwürdig und unheimlich. Marilyn lebte noch zu diesem Zeitpunkt…“ Viele Aufnahmen der Serie, die sie zu sehen bekam – Stern zeigte ihr nicht alle – zensierte Monroe indem sie zum Beispiel bestimmte Dias durch ein „X“ mit orangenem Nagellack kennzeichnete oder mit einer Haarnadel zerkratzte. Ein Teil davon wurde 1982 auch in Bert Sterns Buch The Last Sitting veröffentlicht. Die Ausstellung im Schloss Britz präsentiert eine Auswahl von Fotografien und Dokumenten, die dem Besucher das Fotomodell Marilyn Monroe näher bringen soll und durch jeden der drei Tage der Last Sitting führt.

Ausstellungsleitung: Sonja Kramer
Kuratiert von Katia Hermann
Sammlung Reichelt und Brockmann, Sammlung Peter
Schnug
Fotos: © Bert Stern, 2010

Rahmenprogramm
Führungen: samstags und sonntags um 16.00 Uhr
Sonderführungen nach Anmeldung unter Tel. 609 79 23-0
Wechselndes Filmprogramm
Am 04.12.10, 08.01.11 Lange Nacht Marilyn Monroe
Mit Dokumentationsbeiträgen und Filmprogramm.
Die Ausstellung könnt Ihr noch bis 30.01.2011 besuchen.
Weitere Infos unter: www.schlossbritz.de

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