Schiller: Im Gespräch mit Christopher von Deylen – Bloß keine Routine

Das Foto von Christopher von Deylen machte: Mononna Ciccone

Mit seinem neuen Album „Sonne“ gelang Christopher von Deylen im Oktober erneut der Sprung an die Spitze der offiziellen Charts. Das neue Album verzaubert durch seinen opulenten Klangkosmos, und der Soundvisionär nimmt die Menschen mit in schillernde Sonnenwelten.
Am 23. November startete die neue große Schiller-Live-Tournee. Vom Tour-Auftakt in der Frankfurter Jahrhunderthalle bis zum großen Finale in der O2-World Berlin am 9. Dezember wird er mit seiner Live-Band und internationalen Gastkünstlern in 15 Konzerten die „Sonne“ aufgehen lassen. Christopher von Deylen treffe ich Ende August zum Interview im Hotel Lux 11 in Mitte. Nach einer kkurzen Erfrischungspause und der Überlegung, ob er sein lilafarbenes Shirt gegen ein schwarzes tauscht, bleibt er auf meine Empfehlung bei Lila. Das passt auch viel besser zur Sonne, die draußen scheint.

Mononna Ciccone: Dein neues Album hat mich überrascht. Ich finde es sehr schön. Was ist anders? Vielleicht nur mein Hörempfinden?

Christopher von Deylen:Es ist fürchterlich schwer, etwas zur eigenen Musik zu sagen. Alles ist noch so frisch. Zweifellos aber glaube ich, dass diese Platte energiereicher ist und etwas positiver. Ich bin umgezogen, habe ein neues Studio in Berlin. Bis dahin war ich in einer gewissen Komfortzone. Dabei habe ich alle Hände voll zu tun, keine Routine aufkommen zu lassen. Wir haben jetzt 2012, jetzt gibt es Schiller 2012. Das ist wie ein Neustart, ohne die Vergangenheit in Misskredit bringen zu wollen. Ich habe kurz innegehalten und überlegt, vielleicht etwas anderes zu machen. Ich habe jetzt auch schon öfter gehört, dass irgendetwas anders ist und bin positiv bestürzt. (lacht)

Der Sound klingt für mich teilweise wie für einen Soundtrack komponiert.

Das ist ein sehr bildhafter Aspekt, und es freut mich sehr, wenn meine Musik für den individuellen Film im Kopf genommen wird. Ich habe tatsächlich vor kurzer Zeit die Anfrage bekommen, für einen großen deutschen Film die Musik zu schreiben. Aber ich bin da sehr vorsichtig, um die Musik nicht zu entzaubern. Denn man gibt ihr auf diese Weise Bilder. Der musikalisch-künstlerische Anspruch ist hier extrem hoch. Wenn zum Beispiel drei Sekunden Film rausgeschnitten werden, muss das jeweilige Musikstück trotzdem passen. Ich habe Respekt vor Leuten, die das können, wie Hans Zimmer zum Beispiel.

Die neuen Texte sind enorm poetisch. Stammen sie aus Deiner Feder oder vom jeweiligen Künstler?

Die Künstler schreiben ihre Texte selbst und ich freue mich, dass meine Gäste das machen. Ich lade sie ein, denn ich mag, neue Leute kennen lernen, um zu erfahren, was passiert bei denen in Kopf und Bauch. Texten ist wahnsinnig schwer. Aber ich will auch Gastkünstler einladen, nicht Gastsänger. Man muss als Künstler was zu sagen haben. Der Graf etwa hat etwas zu sagen. Das muss man nicht mögen. Aber er trifft eine Aussage. Stimmakrobatik allein genügt nicht. Was dem Publikum heute als „Superstar“ vorgesetzt wird, ist für kurze Zeit verlässlich. Was einen ernsthaften Artist ausmacht, lernt man aber nicht an einem Wochenende im Bootcamp. Die Menschen fühlen sich vielleicht angesprochen, weil jemand ein lustiges Lied singt. Aber sie hören dem Künstler erst dann richtig zu, wenn dieser aufrichtig zu etwas steht und nicht das Erlernte einfach nur wiedergibt.

Weshalb heißt der Titel „Sonne“?

Mein Mischpult ist wie eine Werkbank. Wenn man das mit einer Küche vergleicht erkennt man, dass Handgriffe automatisch werden. Bis der Moment kommt in dem man sich denkt, ach schau, was ich hier habe, das ist vielleicht auch ganz lecker und schmackhaft. So einen Neuanfang habe ich mir für „Sonne“ gewünscht und er ist geglückt. Das Wort „Sonne“ war das erste, das mir in den Sinn gekommen ist, als die ersten Musikentwürfe im Februar fertig waren. Dieser Moment aus Glück und Zufall war da. Und das Wort und alles, was damit zusammenhängt, kam durch die Tür herein. Dazu gab es auch eine Aktion mit meinen Fans. Ich wollte wissen ‚Wie sieht eure Sonne aus?‘. Innerhalb kurzer Zeit kamen über tausend Einsendungen. Die Ergebnisse sind auf meiner Website  www.schillermusik.de zu sehen.

Hast Du dieses Jahr schon Urlaub gemacht?

Ich kann Musik auch ohne Urlaub oder eine Spezialreise wie zuletzt in die Arktis machen. Im letzten Jahr gab es über 50 Klangwelten-Konzerte. 30 in Deutschland und 20 in Kiew, Moskau, Griechenland und und und. Ich bin auf andere Weise sehr viel gereist und habe gemerkt, wie schön es ist, nicht den ganzen Tag im Studio zu sitzen. Danach habe ich mich allerdings gefreut, wieder Regler und Synthesizer um mich zu haben und mich wieder neu der Kreativität zu widmen. Im November beginnt die neue Tour. Das ist dann insofern Urlaub für mich, weil ich Dinge mache, die ich sonst nicht mache.

Dafür wünsche ich Dir volle Hallen und ein begeistertes Publikum!

Mononna Ciccone mit Christopher von Deylen im Interview – Foto: Peter Goebel

Das Interview  mit Christopher von Deylen  führte: Mononna Ciccone

 

Unsere Mononna Ciccone hat Euch natürlich auch etwas mitgebracht:

Wir verlosen auf Facebook 1x Doppel CD + Super Deluxe Edition „Sonne“.

1 Antwort zu "Schiller: Im Gespräch mit Christopher von Deylen - Bloß keine Routine"

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    Jens Schollmann 12. Dezember 2012 (17:51)

    Toller TYP! Und sein Feature Sonne mit Unheilig war einfach nur genial! Schiller ist und bleibt ein ganz großer im Musikgeschäft !!!

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