Schach ist nicht doof!

Ganz ehrlich, ich kann kein Schach spielen und hatte nie Interesse an diesem Spiel, doch diese zwei jungen Damen haben es geschafft, mein Interesse zu wecken! Wir sind verabredet für ein Interview mit zwei Mitgliedern des Mariendorfer SV 06 aus der Schach-Abteilung: Michelle (19) und Désirée (24).

Olaf Ritz, Abteilungsleiter und Gründer der Schachabteilung des MSV 06 in Mariendorf, hat seit März 2013 Schach in Mariendorf etabliert. Drei Monate später waren sie mit der Schach-Abteilung bereits Mitglied des Berliner Schachverbandes. Wie er uns erzählt, finden sich seither regelmäßig neue schachbegeisterte und talentierte Mitglieder zusammen. Derzeit sind knapp 30 Mitglieder unterschiedlichster Altersstufen und Geschlechter im Verein – Tendenz steigend! Somit werden in der dritten Saison 2015/16 bereits 5 Schach-Mannschaften des MSV 06 in verschiedenen Berliner Ligen starten. Na klar, haben wir zuerst gedacht: Hmm, das wird bestimmt langweilig! Aber ganz im Gegenteil. Neben weiteren Mitgliedern lernen wir zwei sehr tolle junge Damen kennen, die ganz und gar nicht das oft gezeichnete Bild „verkappter“ Jugendlicher aufzeigen! Von wegen piefig oder Seniorenstätte, was man natürlich zuerst denkt, wenn man in einem Vereinscasino die Schach-Abteilung besucht. Es ist ruhig, konzentrierte aber freundliche Gesichter empfangen uns, jeder begrüßt einen mit Handschlag. Wir entdecken sogar viele junge Gesichter und die beiden jungen Damen sind auch sofort zu einem kleinen Plausch im kleinen  Biergarten des Vereinslokals bereit.

Michelle und Desiree MSV Schach web

v.l. Michelle und Désirée beim Schach – MSV 06

Im Gespräch mit Désirée und Michelle!
Désirée, bitte erzähle uns doch einmal, wie Du zum Schach gekommen bist! Désirée: Das hat sehr früh angefangen bei mir. Mein Opa hat mir mit 6 Jahren Schach beigebracht. Das Problem war, kein anderer spielte mit mir. Schach galt früher eher als uncool und gehörte zum Alt-Herren-Sport. Vor 6 Jahren bin ich dann nach Berlin gezogen. Im Internet suchte ich nach einem Schachverein. Ich fand die Website vom MSV. Sie erschien mir professionell und vielversprechend. So bin ich hier gelandet. Natürlich habe auch ich anfangs gedacht, dass ich auf viele Senioren treffen werde. Dann war ich doch eher sehr überrascht auch jüngere Spieler zu treffen. Eine von den jüngeren Spielern ist Michelle (19).

Michelle sitzt auch mit am Tisch und lenkt gleich ein. „Mir gefällt dieser Verein sehr. Auch ich habe mich hier von Anfang an wohl gefühlt und die Menschen sind einem hier sehr wohlgesonnen und gehen offenherzig miteinander um!“

Habt Ihr schon an Wettkämpfen teilnehmen dürfen? Beide: Na klar, das allerbeste Turnier war die Berliner Frauen-Einzelmeisterschaft im Schnellschach. Insgesamt 13 Frauen waren an dem Start, 4 davon kamen vom MSV und wir haben besser als erwartet abgeschnitten.

Was begeistert Euch an der Sportart Schach? Michelle: Schach ist an sich keine richtige Sportart, es ist eher geistige Arbeit, du musst viel nachdenken und das Köpfchen einsetzen. Hier ist Technik und Strategie gefragt. Désirée: Ich fand Schach von Anfang an interessant. Es ist irgendwie alles und nichts. Ich kann die Frage gar nicht richtig beantworten. Keine Partie ist wie die andere. Es gibt im 3stelligen Milliardenbereich `zig Möglichkeiten, seine Züge zu setzen. Michelle: In unserem Alter ist Schachspielen schon außergewöhnlich. Ich habe früher Handball gespielt. Eine Verletzung zwang mich diesen Sport aufzugeben. Aber irgendetwas musste ich machen. Etwas was mich aus dem Alltag holte, das war mir wichtig. Eine Bekannte von mir hatte mich zum Schach beim MSV mitgenommen. Ich war vom ersten Tag an fasziniert und bin gleich eingetreten. Ich habe sogar in Bibliotheken nach Schach-Büchern geschaut.

rechts seht ihr Olaf Ritz, der uns diesen interessanten Bericht ermöglichte

rechts seht ihr Olaf Ritz, Abteilungsleiter und Gründer der MSV – Schachabteilung. Er ermöglichte uns diesen schönen Bericht….

Beide erzählen und stecken voller Leidenschaft für diesen Sport. Es gefällt ihnen, dass sie von den Älteren akzeptiert werden und nicht als Anfänger abgestempelt werden. Ganz im Gegenteil. Immer setzt sich jemand mit Ihnen zusammen. Es wird geholfen und analysiert.

Désirée: Ich finde Schach ist ein reifer Sport. Jeder hilft jedem. Es ist viel Kommunikation. Schach macht dadurch richtig Spaß. Michelle: Wir haben auch richtige Fans bei den Turnieren mit dabei, die uns unterstützen. Letztlich zählt immer die Gesamtleistung in den Turnieren, somit ist das schon auch ein Gemeinschaftssport. Beim Schach wird dem Verlierer auch immer gratuliert. Es ist ein sportliches und faires Miteinander.

Martina MSV Schach

Einzelmeisterin und Fide-Meisterin Martina Skogvall

In einem kurzen Telefonat mit der amtierenden Berliner Einzelmeisterin und Fide-Meisterin Martina Skogvall , erzählt sie uns von ihren Trainingsstunden beim MSV 06, denn 1 x im Monat trainiert sie die Mitglieder. „Als Olaf mich bat, die Mädchen zu trainieren, dachte ich damals, was soll das denn? Wieso wird das nach Geschlechtern getrennt?“ Wie Olaf uns erzählte, sitzen die Mädchen Martina fast auf dem Schoß, so sehr nehmen sie die Tipps und Ratschläge auf. Sie saugen das Wissen auf und wollen es auch sofort in einer Partie umsetzen. „Sie haben tolle Ideen und sind sehr innovativ“, erzählt Martina.

„Ich denke immer wenigstens 3 Züge im Voraus.“

Zum Abschluss des Gespräches haben die beiden jungen Damen mich sehr nachdenklich gemacht, da sie eine Reife zeigten, die ich in dem Alter nicht hatte: Michelle meinte: Du kannst diesen Sport hervorragend in deinen Alltag integrieren. Es geht doch meist darum, Eventualitäten einschätzen zu können. Was passiert, wenn ich was mache? Welche Konsequenzen muss ich durch mein Handeln tragen? Désirée: Man lernt dadurch abzuwägen und Dinge mit etwas mehr Weitblick anzupacken. Michelle: Ich denke immer wenigstens 3 Züge im Voraus. Das ist Schach!

Spielt ihr auch online Schach? Beide nicken, na klar! Wir spielen bei chessmail.de und sind hier schon weit über 100 MSV-Mitglieder in unserem Online-Club. Übrigens unter uns gibt es etliche Fußballer, die online mitspielen, da sie sonst keine Zeit haben zu den Schachabenden zu kommen!
Autor: Anita Tusch

PS. Wehe hier sagt noch irgendjemand von Euch „Diese Jugend von heute!“

Mehr Infos unter: www.msv06-schach.de

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