Patchwork-Report: Kannst Du nähen?

Hurra, ich bin kein Single mehr! Ich war schon gefühlte 10 Jahre alleine, dabei waren es an sich nur zwei Jahre.

Meine große Liebe habe ich vor drei Jahren gefunden. Eine wundervolle Frau, MEINE Traumfrau – plus drei „erwachsene“ Kinder im Gepäck. Ich selbst habe einen Sohn, der auch schon außer Haus lebt. Nachdem wir uns im ersten halben Jahr regelmäßig getroffen haben und all das tun, was „Verliebte“ so halt machen, entschlossen wir uns, den zweiten Schritt zu gehen. Familienzusammenführung! Ich bin ja schon glücklich darüber, dass die Begriffe Stiefmutter oder Stiefvater fast aus dem Wortschatz der Allgemeinheit gestrichen wurden.

Das klang früher schon sehr grausig. „Patchwork-Family“ klingt da doch eher schon viel lustiger. Dennoch, ich hatte Muffensausen! Doch, da wir beide schon verheiratet waren, hatte ich mir vorgenommen ganz unbefangen heranzugehen. Doch, das sollte sich schwerer gestalten, als ich es mir vorgestellt habe – und lustig war es auch nicht. Andere Familien, andere Sitten habe ich seither gelernt. Versteht mich jetzt nicht falsch, ich will nicht aus dem „Nähkästchen plaudern“ – aber verdammt noch einmal: Ich habe mich einer schwereren Herausforderung angenommen als ich mir je vorstellen konnte. Lieber hätte ich die Herausforderung einer sauschweren Rallye im Wüstenstaate Arabiens oder eine alleinige Segeltour über den stürmischen Ozean angenommen und danach noch obendrauf einem Flug ins unendliche Weltall gewagt.

Alles war auf einmal anders. Der Anfang war schwierig. Mein Sohn war über meine neue Beziehung nicht so sehr begeistert. Ehrlich gesagt, die Kinder meiner neuen Geliebten – auch nicht! Ihr Ex-Mann sowieso nicht und der ganze Stress nahm seinen Lauf. Ok, ich habe vergessen Euch eine Kleinigkeit zu sagen. Verliebt habe ich mich zwar vor drei Jahren – doch wir kennen uns schon viel länger und dadurch – die Kinder und alle Beteiligten untereinander natürlich auch. Es zeigte sich, dass diese Konstellation für verdammt viel Wirbel sorgte. Nein, sie hatte ihren Ex-Mann nicht mit mir betrogen – doch das interessierte niemanden. Wer „raufkloppen möchte“, der will weder zuhören noch nachdenken! Damit hatte ich zwar gerechnet, dies aber als temporäres Problem eingeschätzt.

Auf einmal waren unsere gemeinsamen Tage bis hin zu den zwei Jahren unserer Beziehung – geprägt von vielen Problemen, die bewältigt werden mussten. Meine Traumfrau war natürlich in Schwierigkeiten. Ihre Kinder wollten unserer Beziehung keine Chance geben und ihr Ex-Mann war und blieb außer sich vor Wut. Ich entdeckte viele Züge an ihr, die ich vorher nicht kennenlernen konnte. Sie ist nicht nur „Frau“, sondern natürlich auch „Mutter“ und „Ex-Frau“. Hier prallten nicht nur Erziehungsstile heftig aufeinander. Ich hatte den Eindruck, dass durch ihre vergangenen Ehejahre vieles – auch mit den Kindern – im Argen lag. Verständnis sowie Unverständnis vermischten sich zu einem gefährlichen Cocktail. Häppchenweise versuchten wir gemeinsam die Probleme zu lösen.

Dieser Cocktail verursachte jedoch verdammt viele Stimmungsschwankungen und des öfteren Magenkrämpfe. Mein ganzes Leben stand auf dem Kopf. Manches Mal wusste ich weder ein noch aus. Doch eines wusste ich immer – SIE ist meine Traumfrau! Was soll ich Euch sagen. Gerne hätte ich ein Happy End für Euch. Doch es kam völlig anders als ich es mir vorstellte. MEINE Traumfrau verliebte sich – in einen anderen! Autsch, das hatte ziemlich wehgetan und ich kann es bis heute nicht verstehen. Wir waren dabei unsere Probleme zu lösen und die vielen Hindernisse zu beseitigen. Dies bedarf einer gewissen Zeit – und mit viel Geduld hätten wir das sicherlich auch geschafft. Patchwork ist verdammt schwierig und jetzt verstehe ich auch diese Konstellation der verdammt hässlich zusammengewürfelten Decken in denen ein Muster dem anderen überhaupt nicht gleicht und im Grunde nicht einmal zusammenpasst. Doch wenn man diese kleinen verschiedenen „Musterteile“ an die richtige Stelle packt und fein säuberlich „vernäht“ kann ein ganz tolles Patchwork dabei entstehen.
Ich habe zum ersten Mal verstanden, dass diese Konstellation der „Patchwork-Familie“ ein sehr schweres Unterfangen ist. Jedes einzelne Mitglied ist ein Individuum, Rollen müssen neu verteilt werden, jeder hat seine eigene Denkweise und Geschichte. Viel zuhören, viel reden und Kompromisse sind zu machen. Ich habe in dieser Zeit verdammt viel gelernt. Nur eines hätte ich nie gekonnt,
mich in dieser wichtigen Phase „neu zu verlieben“. Seit einem Jahr hat mich das Single-Leben wieder und so langsam kann ich dies auch wieder geniessen.
Wahrscheinlich ist das wie ein Kartenspiel: Das war wohl nicht das passende Blatt! Die Karten müssen neu gemischt werden!…oder, ich kann einfach nicht „nähen“! Aber SIE- ist immer noch MEINE Traumfrau.

Autor: Aina von Oich

 

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