Obsession = 3 Jungs, 1 Waschmaschine und 2 Leidenschaften

Nein, hier geht es nicht um einen Waschsalon! Jannis, Max und Julian sind Schulfreunde. Da Jannis derzeit Maschinenbau studiert und außerhalb Berlins ist und Max mit der Promotion in Verfahrenstechnik beschäftigt ist, treffen wir uns mit Julian, obsessiver Bierfan. Nein, auch nicht so wie ihr jetzt denkt. Es geht um das Handwerk, selbst „Bier brauen“ und eine gehörige Portion Leidenschaft. Er hat Biotechnologie studiert und ist noch für Brauerei- und Getränketechnologie an der TU Berlin eingeschrieben.

„Wir haben früher oft gemeinsam Partys gefeiert“, erzählt uns Julian. „Eines Morgens, es war um 3 Uhr sind wir auf die verrückte Idee gekommen eine Waschmaschine als Bierbrau-Maschine umzufunktionieren und haben die ganze Nacht daran rumgebastelt. Wir haben das Bier damals auf unseren Partys angeboten. Und dann stieg auf einmal die Nachfrage. Den Leuten schmeckte es. Daraus entstand die Idee Bier professionell herzustellen und anzubieten. So entstand unsere Brauerei malzundmoritz.

malzundmo gruppe1_web5Ja, aber woher kommt denn die Leidenschaft für Bier, Julian? Das hat mir schon früh Spaß gemacht. In der Schule waren wir mit der Klasse am Schloss Charlottenburg zu Besuch im Luisenbräu. Ich war so begeistert! Das war die Initialzündung für meine Leidenschaft. Ich begann mithilfe von Mutters Kochtöpfen mit dem Experimentieren. Die Leidenschaft packte mich damals und ließ nie nach und ich steckte damit auch Jannis und Max an. Bei freien Vorträgen in der Schule wählte ich immer das Thema Bier und nutzte jede Gelegenheit mir hier Wissen anzueignen.

Was ist es genau, was dich so fasziniert? Es ist die Kombination aus Handwerk und Naturwissenschaften. Es ist doch unglaublich wie ich ein Lebensmittel berechnen und steuern kann. Farbe, Bitterstoffe, sämtliche Zutaten, die zur Rezeptentwicklung dienen sind spannend. Jeden Produktionsschritt begleiten zu können bis zum fertigen Produkt. Und doch, Geschmack ist subjektiv und lässt sich nicht so einfach berechnen, dazu braucht es eine gehörige Portion Handwerkskunst.

Wie konntet ihr die Idee umsetzen? Zuerst haben wir einen Businessplan erstellt und versucht bei der Bank Geld zu erhalten. Das hat aber leider nicht geklappt. Sie lockten mit niedrigen 3,5 % Zinsen und später wollten sie dann 16,5 % . Das fiel beim genauen Betrachten des Angebots auf und es stellte sich dann heraus, dass es durch Zusatzleistungen viel, viel teurer wird. An der Stelle sind wir ausgestiegen und haben mithilfe von Ersparnissen die Brauerei errichtet. Wir haben, um Geld zu sparen, viel selbst mit angepackt, um die Produktion zu ermöglichen.

Seit wann gibt es Euch und wie lief Eure erste Phase? Wir haben 2015 gegründet. Allerdings ging es erst im Januar 2016 los. Bisher sind wir sehr zufrieden mit der Auftragslage. Wir konnten im letzten Jahr 250 Hektoliter Bier herstellen.

Welches Alleinstellungsmerkmal habt ihr? Wir beziehen die Zutaten von den besten Lieferanten der Branche. Malz kaufen wir z.B. bei einem weltweit renommierten Hersteller in Deutschland ein. Einer der wenigen Lieferanten, die damals vom Glyphosat-Skandal nicht betroffen waren. Hopfen beziehen wir über einen Verbund von Hopfenbauern, so sind weltweite Kontakte und Rohstoffe möglich. Der gesamte Produktionsprozess wird von uns begleitet. Der große Unterschied, industrielle Biere benötigen eine Woche für die Herstellung. Wir benötigen mindestens fünf Wochen und stellen im Sinne des SlowFood-Gedankens unser Bier her. Gut Ding braucht eben Weile. Auch geschmacklich unterscheiden sich unsere Biere stark von der Industrieware, da wir mehr und verschiedene Rohstoffe einsetzen können, um kreative Rezepte zu entwickeln.

Gibt es große Unterschiede bei den Zutaten von Malz und Hopfen? Aber klar, Hopfen ist eine der spannendsten Pflanzen, die ich kenne. Allein eine Unmenge medizinisch anerkannter Wirkstoffe sind hier enthalten, sowie eine Aromenvielfalt, die von der Industrie unbeachtet jahrelang schlummerte. Auch Malz ist spannend, wenn die Qualität des Korns nicht stimmt, für Bier ist es hauptsächlich Gerste, beeinträchtigt es den ganzen Geschmack – da reicht schon zu wenig Sonne oder zu viel Feuchtigkeit. An Hopfensorten gibt es über 700, alleine durch das Mischen von Hopfensorten kann ich verschiedene Geschmäcker, wie z.B. Apfel, Birne, Honigmelone, Gras oder Passionsfrucht erzeugen. Das ist so ähnlich wie Parfum herstellen und absolut faszinierend. Vor allem weiß ich dann genau, was in einem Bier drin ist und benötige keine zusätzlichen Aromastoffe. Natürlich bedarf das einer gewissen Zeit und Übung, es funktioniert nicht immer so wie ich mir das vorstelle, aber genau dieses Experimentieren macht so viel Spaß.

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Nun schmeckt den Deutschen nicht unbedingt das Craftbeer. Warum produziert ihr Craftbeer? Wir produzieren Bier. Craftbeer ist in Deutschland ein Begriff ohne echte Definition und steht im Grunde generell für handgemachtes Brauwerk sowie lokalen, regionalen Vertrieb. Übrigens brauen wir die meisten Sorten nach dem deutschen Reinheitsgebot.

Was für Biersorten kann man bei Euch kaufen? Wir haben derzeit zwei Sorten dauerhaft im Programm. Blonde und Pale Ale . Pale Ale, ist ein englischer,obergäriger Bierstil. Blonde eher ein helles, leicht süßliches Bier angepasst an den deutschen Gaumen, da die belgischen Wurzeln dieses Bierstils hier nicht jedem schmeckt.

Was zeichnet Euch aus? Unsere Rezepte sind mit uns gewachsen, sie sind nicht so extrem wie viele vielleicht denken – wir haben ein handgemachtes, nachhaltiges sowie trinkbares, leckeres Bier daraus gemacht. Wir produzieren mit viel Zeit und Herz. Du musst es einfach mal kosten, dann weißt Du was ich meine. ….(und drückt mir zwei Flaschen in die Hand. Versprochen, das werde ich bei guter Gelegenheit einmal tun :) Danke!)

Autor: Anita Tusch
Mehr Info: www.malzundmoritz.de

 

PS. Donnerstags Hofverkauf ab 13,00 Uhr – die Flasche gibt es ab 2,50€ .

Besucht malzundmoritz auch vom 19.-21. Mai in der Kulturbrauerei bei „handgemacht“

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