NSF Gropiusstadt – Nix mehr mit Vereinsdenken?!

Die Neuköllner Sportfreunde 1907 sind ein deutscher Sportverein aus Berlin, mit acht Mannschaften in den Altersklassen Ü 18 bis Ü 60. In dem 1800 Mitglieder starken Verein werden die Sportarten American Football, Baseball, Basketball, Bowling, Boxen, Cheerleading, Eiskunstlaufen, Fußball, Handball, Hockey, Leichtathletik, Rollkunstlaufen, Sportkegeln, Senioren- und Koronarsport sowie Tanzen ausgeübt. Die Fußballabteilung der Sportfreunde tritt seit 2012 unter der Bezeichnung NSF Gropiusstadt auf. Heimstätte der Neuköllner ist der Silbersteinsportplatz.

Wir treffen uns kurz bevor die Ü50 zur Mannschaftsbesprechung im Casino von Christian Hatzenberger auf dem Platz in der Silbersteinstrasse aufschlägt. Viele von uns werden sich noch an die vielen Pokalendspiele auf dem Gelände, sowie diverse legendäre Feiern im Casino erinnern.

Christian gehört zum „alten Eisen“ dieses Vereins. Seit nunmehr 27 Jahren ist er mit dem NSF verbandelt. „Naja, eigentlich 36 Jahre“, erklärt er. „Zwischendurch habe ich mal eine Pause eingelegt. Ich wollte mich sportlich verbessern und kam dann doch zurück.“, eine kräftige Portion Humor schwankt hier in dem Satz mit und wir müssen beide lachen. Er hat hier 1975 als Jugendspieler angefangen. Lange schon ist er Vorstandsmitglied und dem Verein bis heute treu geblieben. Zusätzlich führt er seit 1993 das Sportcasino. Die Ü50 der NSF Gropiusstadt gehört zu den erfolgreichsten Mannschaften der Bundesrepublik und ist mehrfach Deutscher Meister geworden.

Es gibt 8 Mannschaften im Erwachsenenbereich. Die 1.Herren ist gerade in die Kreisliga A aufgestiegen, die 2.Herren in die Kreisliga B, die Ü60 ist in der Landesliga präsent. Die Fußballabteilung hat ungefähr 200 Mitglieder. Wir kommen schnell ins Gespräch. Es geht wie in vielen Vereinen um das Thema Geld und Vereinsdenken. So erzählt Christian, dass auch hier sich das Vereinsdenken ziemlich verändert hat. „Früher hielten die Sportler mehr zusammen. Heute ist das nicht mehr so. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht. Die Spieler wechseln schnell mal, nur weil sie woanders Schuhe bekommen. Es tut weh, dass zu beobachten, auch die Gemütlichkeit ist schon ganz schön verloren gegangen.

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Früher war das schon so etwas wie ein Familienausflug. Nach dem Spiel haben alle zusammen noch den Rest des Tages gemeinsam verbracht. Wir feierten zusammen und wir hielten auch zusammen. Heute ist das nicht mehr so.“
Was macht ihr dagegen? „Das klingt jetzt vielleicht verrückt, aber wir bieten den Spielern kein Geld an. Wir investieren lieber in Zuschüsse für gemeinsames Essen, Getränke, Besuche im Trainingslager oder Ausflüge zur Bowlingbahn oder auch mal einer Floßfahrt. So wollen wir das Gemeinschaftsgefühl wieder stärken und auch interessant machen. Klar, ein Aufstieg wird schon mal belohnt, aber es fließen nur kleinere Beträge, oder die ganze Mannschaft erhält neue Trainingssachen. Beständigkeit funktioniert nur durch Gemeinsamkeit und der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Es ist doch schade, wie heute alles verkommt, nur weil alle immer schneller, höher und weiter wollen. Sind wir doch mal ehrlich, wer gute Leistung abliefert, talentiert und fleißig ist, kommt immer weiter.“

Zufällig habe ich von einem schönen Beispiel aus eurem Verein für eine Erfolgsgeschichte gehört. Kannst Du uns etwas zu Antonio Rüdiger erzählen? Ja, klar. Antonio Rüdiger ist ein schönes Beispiel. Er hat seinen Weg gemacht, da er unheimlich talentiert ist. Bei uns hat er 1 Jahr in der D-Jugend gespielt, später ging er zu Hertha-Zehlendorf.
Dennis Hopp, 1. Vorsitzender erinnert sich an ihn, da er in dieser Zeit Spielführer der 1. Herren war: „Aufgrund seiner Statur ragte er schon damals mehr als andere heraus. Er war athletisch und fußballerisch den Meisten schon damals sehr überlegen. Auf jeden Fall fiel er auf und sein Potential  war zu erkennen“. Christian erzählt weiter.. „Und tatsächlich, Rüdiger machte seinen Weg, seit 2015 ist er Nationalspieler bei AS Rom und wurde nunmehr eingekauft von FC Chelsea. Rom und Chelsea einigten sich auf eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro sowie Zusatzzahlungen von bis zu vier Millionen Euro. Obwohl es ein paar Jahre her ist, profitiert auch unser Verein von diesem Erfolg und erhält seinen Anteil aus dieser Ablösesumme.

Das ist sicherlich ein unerwarteter Geldschub. Was wollt ihr mit dem Geld machen? Geplant ist mit dem Geld wieder eine Jugendabteilung aufzubauen. Ein schweres Unterfangen, denn es gibt leider sehr wenige, die diesen Job machen wollen. Ich weiß nicht woran das liegt. Wir haben gerade wieder mit dem Training begonnen, können jedoch behaupten, dass wir eine Menge Neuanmeldungen haben. Vielleicht gibt es ja auch Interessierte, die uns helfen wollen, den Jugendbereich wieder aufzubauen?!

Freut Ihr Euch auf die kommende Saison? Natürlich, das Fußballfieber steckt in uns und ist wohl nicht zu löschen. Unsere 1.Herren sind in der Kreisliga A und wollen auf jeden Fall wieder vorne mitspielen. Das Trainerteam Siggi Beeskow, Daniel Franz und Martin Bargoui arbeiten an einem Aufstieg in die Bezirksliga.

Während wir miteinander plauschen, kommen immer mehr Fußballer von der Ü50. Sie kommen gerade vom Training und treffen sich zur Mannschaftsbesprechung im Casino. Bin erstaunt, wie viele mir bekannte Gesichter darunter sind, so auch der ehemalige Vorsitzende des BFC Preussen, Andreas Mittelstädt. Er, sowie Uwe Utz gehören zu den Neuzugängen. Seit Anfang Juli führt Andreas die Ü50 als Trainer und nimmt sich nicht den Spaß wieder selbst Fußball zu spielen sowie die Jungs zu trainieren. Nicht ganz freiwillig, wie er verrät.

„Ehrlich gesagt durch die Bürogemeinschaft mit Stefan Vogel bin ich zum NSF gekommen. Stefan ist Kapitän der Ü50. Er überzeugte mich zum NSF zu wechseln. An sich wollte ich nur spielen, aber durch meine langjährige Vorstands- und Trainerarbeit bei Preussen, wurde ich hier verpflichtet mich im Trainingsbereich einzubringen. Was mir im Übrigen wirklich richtig Spaß macht.
Die Ü50 ist beim NSF eine der erfolgreichsten Mannschaften. Sie sind zweifacher Deutscher Meister, mehrfach Pokalsieger und 4x Berliner Meister.

Wir wünschen weiterhin viel Erfolg! Vielen Dank für das Gespräch, Christian! Autor: Anita Tusch

Foto/Headline: NSF_Herren_Kreilsiga_A_16-17

Mehr über den Verein: www.nsfgropiusstadt.de


 

Kurz über Christian Hatzenberger:

Mitglied seit über 36 Jahren beim NSF, im Vorstand seit mehr als 10 Jahren. Christian kümmert sich seit 24 Jahren um das Sport-Casino auf dem Platz in der Silbersteinstrasse/Bambachstr.

Er ist in der Gastronomie aufgewachsen und führt zudem noch das gemütliche und rustikale Vereinsheim in der Dauerkleinkolonie „Zur Windmühle“ in Britz.
Er ermöglicht Veranstaltungen für bis zu 150 Personen mit dazugehörigem Catering.

Auch wenn das Vereinsdenken etwas nachgelassen hat, so wird auch heute noch gerne gefeiert!

Mehr Info und Kontakt unter: www.feierninneukoelln.de
Mobil erreichbar unter: 0163 – 651 95 88

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