Nimm das Leben nicht so schwer, es ist ja nicht von Dauer

Von sich selbst behauptet er, er wäre Philodoof, Spaziergänger sowie Auf- und Anreger. Im normalen Leben, sofern man bei Bernd Philipp von normal sprechen kann, war er Ressortleiter, Herausgeber, Chefredakteur sowie freier Journalist. Heute ist er freier Publizist, Medienberater sowie Buch- und Drehbuchautor. Seit 2009 ist er Medien-Direktor beim Kaupert Verlag. Nebenbei berät er Unternehmen, schreibt immer wieder Bücher, und wer seinen  Newsletter „Lebenslagen“ kennt, wird regelmäßig über den täglichen Unsinn in der Welt humoristisch informiert. Diese Kolumne gibt es übrigens schon seit 1981 (30 Jahre in der Berliner Morgenpost, jetzt auf seiner Homepage www.bernd-philipp.com kostenlos im Abo).

Wir sitzen in Steglitz im Restaurant Schmidt Z&KO, das sich selbst als vinophile Genußwerkstatt bezeichnet. Und wen sehe ich in der halboffenen Küche stehen, die beiden bekannten TV-Köche Mario Kotaska und Ralf Zacherl – leibhaftig kochend. Wow! Warum weiß ich so etwas nicht.

Bernd Philipp und ich speisen gemeinsam – übrigens hervorragend und wir kommen dabei ins Gespräch: Beim Du, waren wir ja schon Bernd. Sage mal, wolltest du schon immer Journalist werden? Aber na klar, Anita. Ich war damals zu nichts anderem in der Lage und als Journalist konntest du immer  ausschlafen, was für ein Privileg…und grinst verschmitzt.

Ich muss lächeln, ja er hat Recht, ich kann auch immer ausschlafen – aber dafür arbeiten wir auch meist bis in die späten Abendstunden und länger.


Die Neugier treibt mich, ich möchte wissen, wer seine
spannendsten Interviewpartner waren. Bernd ist erst etwas nachdenklich – doch dann sprudelt es aus ihm heraus: Spontan fällt mir als eines der schönsten und unvergesslichsten Momente das Interview mit Peter Ustinov ein. Sir Peter Alexander Baron von Ustinov war sein vollständiger Name. Er war ein britischer Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur – die meisten von Euch kennen ihn. Ich bin so dankbar gewesen, dass er sich für mich Zeit genommen hat. Zum Abschluss des  Interviews sagte Peter Ustinov zu mir: „Herr Philipp, haben Sie noch eine Frage?“ Ich sagte: „Nein, vielen Dank.“ Ich war mit meinem Interview zufrieden. Er antwortete: „Schade, ich habe noch so viele Antworten“.

Das sind kleine Momente im Leben, die sonderbar und wertvoll sind, das werde ich nie vergessen. Ich war so schon  selig genug, dass ich überhaupt die Möglichkeit des Interviews bekam. Loriot traf ich in München im Hotel „Vier Jahreszeiten“. Wir waren in der Lobby um 12.00 Uhr verabredet, und er kam auf die Minute. Als ich ihn auf seine Pünktlichkeit ansprach, antwortete er. „Aber wir waren doch um 12.00 Uhr verabredet. Wären wir um 11.59 Uhr  verabredet, wäre ich um 11.59 Uhr gekommen. Und wären wir um 12.01 Uhr verabredet…

Wir müssen beide lachen. Ich verstehe. Immer wieder fallen ihm kleine Anekdoten mit Berühmtheiten ein. Von Klaus Kinski wurde er mal mit „Du Arschloch“ am Telefon bezeichnet. „Das war mein Ritterschlag“, sagt er und grinst. Seinerzeit arbeitete Bernd Philipp noch bei der BZ. Bis 2010 war der gebürtige Neuköllner übrigens auch Chefreporter und Ressortleiter bei der Berliner Morgenpost/DIE WELT sowie Autor für die Reihe „Berliner Sonntagsspaziergänge“ mit Prominenten aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft tätig. Hierzu fällt ihm ein Interview mit dem deutsch-russischen Schriftsteller Wladimir Kaminer ein. Seine Erzählbände Militärmusik und Russendisko machten ihn sogar außerhalb Deutschlands bekannt. „Wladimir hatte so gar keine Lust auf einen  Sonntagsspaziergang. Ich erklärte ihm, dass das nun einmal das Format dieser Interviewreihe sei. Aber das war ihm  egal. Er schlug vor, einen Spaziergang durch die Speisekarte eines feinen italienischen Restaurants mit internationalem Flair zu machen. Als ich zum Interview eintraf, saß er schon mit seiner Frau am Tisch, sofort bemerkte ich die umgedrehte Champagner-Flasche im Kübel. Ich kann dir sagen, das war die teuerste Speisenabrechnung, die ich je abgegeben habe. In meinem Leben habe ich noch nie so viel gegessen und getrunken. Vor allem habe ich noch nie so oft auf Gott und die Welt angestoßen. Aber diese Anekdote gehört zu den schönsten meiner Erinnerungen.

Gab es auch ernste Themen, die du angepackt hast? Jetzt wird er stiller. Ja, natürlich. Zusammen mit Renate Wiechmann habe ich das Buch Der letzte Zug geschrieben. Darin wird das Schicksal der letzten aus Berlin nach Auschwitz deportierten Juden beschrieben. Es wurde das deutsche Begleitbuch zu Artur Brauners Kinofilm Der letzte Zug unter der Regie von Joseph Vilsmaier und mit Sibell Kekilli in der Hauptrolle.

Du schreibst doch eigentlich immer lustige Sachen, warum hast du darüber geschrieben? Das Thema hatte mich immer interessiert. Ich war ungefähr 15, als mich die deutsche Vergangenheit beschäftigte. Ich muss aber auch dazu sagen, dass mein Vater oft über diese Zeit gesprochen hat und mir viele Bücher zeigte.

Apropos Bücher, du hast viele Bücher mit Alltagsgeschichten verfasst, darunter Titel wie „So heiter geht’s im Leben zu“, „Müssen Frauen sein?“, „Golfy – ein Golfball packt aus“, „Das Leben ist ’ne Wundertüte“. Du warst auch Co-Autor der Auto-Biografie von Hugo Egon Balder mit dem Titel „Ich habe mich gewarnt“ . Wie viele Bücher hast du bisher geschrieben? Ich weiß gar nicht so richtig, knapp 30 Bücher. Mein erstes Buch damals hieß „Beine, die das Leben stellte“ und verkaufte sich über 100.000 mal.

Du hast gerade wieder ein Buch herausgebracht. Es heißt „Die Lachsmöse“, und du erzählst aus eigenen Erfahrungen heiter-schweinöse Sex-Erinnerungen aus fast einem halben Jahrhundert auf. Wie kommst du denn darauf? Das kann ich dir sagen, ich habe mich über das Buch „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche so richtig geärgert. Das war ja ekelhaft. Aber vergiss nicht, ich bin schon im Rentenalter, und bevor der Vorhang des Vergessens fällt und die Erinnerungen verblassen – habe ich eine prophylaktische Maßnahme ergriffen und zwölf Begegnungen festgehalten. Feuilleton & Sex – das geht. Und wenn du es genauer liest, merkst du meine Selbstironie, denn ich bin irgendwie zum Schluss immer der Nappel..!“(Das Buch „Die Lachsmöse“ ist im Philosaurus Verlag erschienen und über amazon zu bestellen.)

Bernd Philipp ist mittlerweile dreimal geschieden, „Wiederholungstäter“. Erneuter Rückfall nicht ausgeschlossen. Hat immer wieder langfristige Beziehungen geführt. Mit 40 gehört er zu den spätgebärenden Vätern. Sein Sohn Max B. Philipp ist inzwischen sein Verleger (Philosaurus Verlag). Wir sprechen noch über Gott und die Welt, und je länger wir zusammen sitzen, umso mehr Fragen möchte ich ihm stellen. Bernd Philipp hat viel erlebt und gesehen. Er ist in Berlin geboren und wurde im Rheinland „sozialisiert“. Mit seinen 65 Lenzen wirkt er immer noch junggeblieben und hat viele Ideen im Kopf, die noch umgesetzt werden müssen. Wir versprechen uns, uns einmal wieder zu treffen – und ich freue mich jetzt schon darauf.


Woher nimmst du deinen fortwährenden Humor?
Er wirkt ernst, aber immer noch dabei sehr empathisch – „Im Grunde ist Humor eine traurige Wahrnehmung unseres Alltags. Wenn du deine Antennen ausfährst, kannst Du eine Menge wahrnehmen. Es passiert viel Trauriges in dieser Welt. Und dennoch brauche ich keinen Scherzschrittmacher…“ Ja, da stimme ich zu und erzähle ihm an dieser Stelle, dass ich gerne seinen humoristischen  „Lebenslagen-Newsletter“ lese – da er genau das schreibt, was viele denken und das mit einer vollen Ladung Humor und Satire verpackt. Man kann an dieser Stelle durchaus sagen: Bernd Philipp schreibt, #wieerwill

Vielen Dank für den schönen Nachmittag!
Auch ihr könnt die „Lebenslagen“ abonnieren.

Mehr Info:
www.bernd-philipp.com
https://www.facebook.com/bernd.philipp

Keine Antworten zu "Nimm das Leben nicht so schwer, es ist ja nicht von Dauer"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.