Nevio im Interview mit unserer Mononna Ciccone

Nevio und Mononna Ciccone

 

Ich treffe Nevio Passaro in seinem Studio in einem Kreuzberger Hinterhof. Dass ich fast eine Stunde zu spät komme, weil die BVG mich an der Bushaltestelle S-Bahn Französische Straße hat sitzen lassen, sieht er gelassen. „Willst Du erst mal einen Kaffee?” Ja, bitte! „Mir passt das sogar ganz gut, dass Du erst jetzt hier bist. Letzte Nacht habe ich wieder lange gearbeitet.”

Wie hat der Tag für Dich angefangen und was gab’s zum Frühstück?Mein Bruder hat mich um 12 Uhr per Telefon aus dem Bett herausgeklingelt. Parallel klingelte es auch noch an der Tür. Das war ein physikalischer Doppel-Wake-up. Ich bin Nachtarbeiter und es braucht ein bisschen, bis ich wach bin. Mit meinem Bruder habe ich dann neue Errungenschaften ausgetauscht und bin danach zum Meeting mit meinem Konzertveranstalter gefahren. Das war lang, intensiv und sehr erfolgreich. Zum Frühstück gab es Kaffee und ein Croissant. Sehr spartanisch.
Was hast Du gerade in Deinem Kühlschrank, das Du nicht frühstücken würdest? Zwiebeln, Senf und vertrocknete Gurken.
Wer darf mit Dir frühstücken? Alle die, die geistig entspannt sind.
Auf Deinem aktuellen Album bist Du wieder vielsprachig. Hast Du mit Sprachen schon mal Geld verdient,zum Beispiel als Schüler mit Nachhilfe? Als ich in der elften Klasse war, ist der Lehrer für Italienisch ausgefallen und ich habe den Kurs für ein paar Monate übernommen, aber kein Geld dafür bekommen. Ich bin ein sehr Sprachen affiner Mensch, jongliere mit Sprache. Italienisch, Englisch, Deutsch. Als Stilmittel kann man damit ganz wunderbar Akzente setzen. Eine Komposition besteht für mich immer aus Musik und Sprache. Darin sehe ich mich als Experte. Und darum habe ich Geld immer mit Musik verdient. In der Schulzeit waren das nur ein paar hundert Mark, die ich für meine Piano-Auftritte bekommen habe.
Du hast Deinen „Dottore” als Dolmetscher gemacht*. Zum Thema „Die Koexistenz von Dativ und Genitiv in der Deutschen Sprache”. Da fällt mir ein, dass ich mein Diplom noch nicht abgeholt habe. Und natürlich macht mich dieser gute Abschluss stolz.

(* Passaro studierte von 2000 bis 2005 Moderne Fremdsprachen für Dolmetscher und Übersetzer an der Universität Bologna, Forlì. Im Dezember 2006 erwarb er seinen Abschluss als Diplom-Simultan-Dolmetscher und Übersetzer für Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch)
Welches ist Dein Lieblingswort und kommt es in einem Deiner Texte des neuen Albums „Berlino“ vor? Im Italienischen ‘aiuole‘. Deutsch ‘die Hecken’. Alle Vokale sind enthalten, nur ein Konsonant. Und nein, es kommt auf dem Album nicht vor. (lacht)

 

Wovon handelt Dein aktuelles Album? Es geht weniger um die Stadt an sich. Viel mehr um alles Mögliche. Es ist ein sehr persönliches Album. Als ich 2007 nach Berlin kam, musste ich mich im ersten Jahr erst mal an das Klima hier gewöhnen. Ich erzähle Geschichten, die ich hier erlebt habe, kleine Storys und Gefühle, die ich in mir trage. Es kommt von Herzen. Und wenn man was von Herzen macht, dann erreicht man Herzen.
Haben Deine Eltern Deinen Werdegang gefördert? Meine Mutter ist Musiklehrerin und hat mich schon früh an Musik herangeführt. So habe ich schon als Kind Klavierspielen gelernt. Nicht, weil ich musste, sondern weil ich die Möglichkeit hatte und Gefallen daran gefunden habe. Alle weiteren Steps habe ich mir als Autodidakt selbst beigebracht. Einmal ist eine Klavierstunde im Fiasko geendet. Jemand wollte mir zeigen, wie das ‘richtig’ läuft. Ich fand meine Art, zu spielen, richtig. Mittlerweile habe ich Erfahrungen gesammelt. Der Künstler wächst und reift und weiß mit Kritik besser umzugehen.
An welches nette Erlebnis mit Deinen Eltern erinnerst Du Dich? An ein Telefonat mit meiner Mutter. Ich reise morgen mit der Band nach Italien um vor der Tournee noch ein bisschen zu entspannen. Sie fragte mich, ob sie das Zimmer speziell gestalten oder vorbereitende Maßnahmen treffen soll und ob ich spezielle Cateringwünsche habe. Das war sehr lustig, weil das typische Fragen von Konzertveranstaltern sind. (lacht) Vor allem aber kann ich bei meinen Eltern abschalten, bin nicht immer mit mir konfrontiert.
Hast Du Dir jemals Gedanken über ein Künstlerpseudonym gemacht? Nein. Ich finde meinen italienischen Vornamen sehr schön. Er bedeutet „neu“. Mein Vater ist dafür verantwortlich, er dachte dabei wohl an einen italienischen Philosophen.
Gibt es Songs, deren Melodie Du grausig findest, aber den Text toll? Klar, die gibt es. Ich bin offen für alles und empfänglich für die verschiedenen Äste in der Kunst. Aber am Ende darf für mich Musik nicht künstlich klingen, sie muss mir etwas geben.

Welche Alltagsgeräusche magst Du? Ich wohne gegenüber einer Walldorfschule. Einer der Jungen heißt wohl Nevio. Wenn die Kids Fußball spielen, höre ich sie ganz oft meinen Namen rufen. Ich muss da mal nachfragen.
Schläfst Du mit Musik ein oder liest Du vor dem Einschlafen? Keines von beidem. Ich falle meistens sehr todmüde ins Bett. Während der Albumproduktion bin ich tagsüber ans Studio gefesselt und erst im Morgengrauen zu Hause. Ich schließe die Augen und schlafe.

Stille ist manchmal gut.
| das Interview und die Fotos stammen von:  Mononna Ciccone (lieben Dank hierfür)

Nevio gelang 2007 mit „Amore per sempre“ auf Anhieb ein Superhit. Seitdem erlebt Popmusik mit italienischer Prägung hierzulande eine unerwartete Renaissance. Sein Debütalbum „Nevio“ brachte ihm Gold ein und etablierte italienische Popmusik in Deutschland wieder nachhaltig. Mit „Berlino“ ist ihm sein bisher bestes Werk gelungen.

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