Modedesignerin – Lina Berlina – vereint Mystik und Tradition

LB The Magic Stripes Fashion Show Berlin – Fashion Week 2012 im Hilton Hotel Berlin – Foto: Andreas Lembke

Bei einem Interview mit dem Schauspieler Stephan Schleep, treff e ich zufällig auf Lina Berlina. Eine lebenslustige Indonesierin, die seit 19 Jahren in Berlin lebt. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und verabreden uns im September auf einen Kaffee am Ku´Damm im Café Reinhards.
Lina Berlina wohnt in Tempelhof und ist Modedesignerin. Desöfteren konnte ich ihre Mode schon bei facebook bestaunen. Doch, was steckt hinter dieser kleinen zierlichen und lebenslustigen Frau?

Lina Berlina – mit Lurik Moon Bag am Berliner Dom – Foto:Jürgen Freymann

Ursprünglich studierte Lina Ökonomie in Bandung (Indonesien). Ihre Eltern legten Wert auf Seriösität, ein Studium war Pflicht. Nebenbei jobbte Lina bei Nyoman Nuarta, ein noch heute sehr bekannter Galerist und Sculpturist in Bandung. Das Geld legte sie behutsam und sparsam zurück. Schon damals wusste sie, „ich brauche das Geld für eine Modeschule.“ Als Jugendliche bemerkte sie schnell, dass ihre Leidenschaft in Richtung Kreativität geht. Ihre Auswahl an Kleidung unterschied sich zum Leidwesen ihrer Eltern schon damals von den anderen. Sie setzte sich durch und eröffnete im Jahre 1989 ein eigenes, kleines und erfolgreiches Atelier in ihrem Heimatort.

Mario-Max Prinz Schaumburg-Lippe III – Foto: Jürgen Freymann

Wie der Zufall oder vielleicht das Schicksal so wollte, wurde sie 1992 von der indonesischen Botschaft zu einer Fashion-Show im Haus der Kulturen der Welt in Berlin eingeladen. Sie blieb zwei Monate – und wie das Leben so spielt – Lina fand hier ihre große Liebe. Ein Jahr später stand der Entschluss fest – auf nach Berlin. Lina heiratete und bekam zwei Kinder. Natürlich wusste sie, dass die Erziehung der Kinder und das Familienleben Vorrang hatte und so blieb ihre Tätigkeit als Designerin vorerst auf der Strecke. Die Trennung von ihrem Mann brachte sie vor die Wahl – entweder zurück nach Indonesien, oder weiter in Berlin leben. Im Sinne der Kinder, da sie hier aufgewachsen sind und weil sie Berlin im Laufe der Jahre gelernt hat zu lieben – entschied sie hier zu bleiben. So entfachte ihre Liebe zum Modedesign aufs Neue. Ihr indonesisches Netzwerk in Berlin wurde wieder aktiviert und sie zeigte ihre Kollektionen in Frankfurt, Paris, Hamburg, Leipzig und natürlich auch in der Modestadt Berlin.

Sängerin Vanessa Tuna im LB-Outfit – Foto: Jürgen Freymann

Das wohl besondere an ihrer Kollektion ist der Stoff . Wer genau hinschaut, sieht, dass sie viel mit Streifenmustern arbeitet. Diese  Muster stammen aus einer traditionellen Machart Indonesiens. Der Stoff „Lurik“ ist ein einheimischer handgewebter Stoff aus Baumwolle, der fast vergessen und dank einiger weniger Modedesigner und Handwerksbetriebe vor dem Aussterben gerettet wurde. Auch Lina suchte lange nach diesem speziellen Stoff . Denn vieles in der Herstellung, wie auch das Herstellen von Stoffen wurde auch in Indonesien mechanisiert.

Anne Julia Hagen – Miss Germany 2010 trägt ein Lurik-Kleid und Party-Tasche von LB – Foto: Marcus Lienhardt

Gefunden hat sie die seltene Art des Hand-Webens, dann in Yogyakarta. Lurik ist übrigens eine alte Webkultur, die noch aus königlichen Zeiten stammt.Im Jahr 1970 ist der vorrangig gestreifte Stoff völlig aus der Mode gekommen. Getragen wurde er z.B. in Jackenform von den Bediensteten des Palastes Keraton. Die Art und Weise des handgewebten Stoffes ist hier eine spezielle Kunst, die den Stoff zu dem macht was er ist. Einige sagen, dass nur mit Disziplin, Geduld, Ordentlichkeit und Hingabe ein gutes Tuch gewebt werden kann. Lurik ist ein Spiegelbild der Kultur, um die auch Lina kämpft, dass sie nicht verloren geht. Zuerst werden die Garne in verschiedene Farbtöne getaucht, hier wird ganz penibel auf den genauen Farbton geachtet.

Die gefärbten Garne müssen nun entwirrt, verdrillt und gesponnen werden. Die Kunst dabei ist den Hand-Webstuhl so einzustellen, dass über 2700 einzelne Fäden nicht nur die richtige Reihenfolge und das entsprechende Motiv – sondern auch die gleiche Spannung erreichen. Erst dann beginnt das  eigentliche Weben. Zu finden sind die Motive mit Lurik vielmehr in Kombination von Streifen oder
Karos. Sie spiegeln oftmals eine Symbolik oder auch Aberglaube wieder. Zum Beispiel symbolisieren gebrochene, verstreute Streifenmuster – sanften Regen und bedeuten Fruchtbarkeit und Wohlstand. Ein anderes Streifen-Motiv genannt tuluh watu (glitzernde oder glänzende Steine) besagt, den Träger vor Bösem oder Pech zu bewahren. Lina hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen traditionellen Stoff als Erkennungszeichen und Qualitätsmerkmal für ihre Kollektionen zu nutzen. Sie bringt indonesischen  traditionellen Style nach Übersee und vermischt diesen mit modernen und herkömmlichen Mode-Trends. Die Designs entwirft sie
in Berlin und produziert wird ganz traditionell in der eigenen Familien-Manufaktur in ihrer Heimatstadt in Indonesien.

Etwas Mystisches hat ihre Mode schon und wer unbedingt mehr wissen möchte oder sogar ein Teil aus ihrer Kollektion besitzen mag, wendet sich persönlich an Lina.
Kontaktdaten:
www.linaberlina.com
https://www.facebook.com/lb.linaberlina

 

Lieben Dank Lina, für die Zeit, die Du Dir genommen hast! Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, Anita

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