mit gemischten Gefühlen ins Schlosspark-Theater

Zugegeben, der Shitsstorm auf facebook auf der Seite vom Schlosspark-Theater  hatte mich doch sehr verwundert. In einer mir unverständlichen Art und Weise wird das Plakat der  aktuellen Theateraufführung  „ Ich bin nicht Rappaport“ mit Dieter Hallervorden zur Zielscheibe gemacht für rassistische Vorwürfe.

Als ich vor geraumer Zeit die Pressemitteilung in meinem Email-Fach fand und natürlich auch das Plakat sehen konnte  (Joachim Bliese schwarz angemalt) – machte ich mir überhaupt keine Gedanken. Nein, ich fand es auch nicht anstößig. Das ist halt Theater.
Verwerflich finden wohl viele, dass der Schauspieler Joachim Bliese mit Schminke zum Schwarzen gemacht wurde. Es gibt Vorwürfe des „blackfacing“ – davon hatte ich bis dato noch nie etwas gehört.  Zur Erklärung habe ich auf Wikipedia nachgeschaut und einen Ausschnitt hier eingefügt.

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„Blackface ist eine rassistisch geprägte Theater- und Unterhaltungsmaskerade, die in den Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entstand. Dabei malten sich weiße Künstler das Gesicht schwarz und spielten den naiven, trunkenen, „schwachsinnigen“ und immer fröhlichen „Neger“, so wie vor allem nordamerikanische Weiße sich Schwarze vorstellten. Zu den bekanntesten Blackface-Darstellern gehören Joel Sweeney, Al Jolson und Eddie Cantor.“ (Quelle: Wikipedia)

Die Diskussion geht in die Richtung: Dürfen nur Schwarze Schwarze spielen!? Wilde Beschimpfungen, Hasstiraden, unglaublich bescheuerte Argumentierungen und viel Schwachsinn ist in dem Facebook-Stream zu finden. Etliche fordern sogar die Absetzung des Stückes. Wenn sich jemand wirklich durch das Plakat verletzt fühlt, sollte das berücksichtigt werden.

Mich hat das Ganze veranlasst, mir doch einmal dieses Stück selbst anzuschauen und ich gebe zu „mit gemischten Gefühlen“!

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Worum geht es eigentlich in diesem Stück?
Zwei Senioren treffen sich regelmäßig auf einer Bank im Central Park von New York. So verschieden sie auch sein mögen, sie verbünden sich gegen den Rest der Welt, der die beiden Alten ins Abseits schieben will. Der alte Nat erzählt dem gleichaltrigen, schwarzen Midge gut ausgedachte Geschichten, die dieser eigentlich ja gar nicht hören will. Nat ist ein Idealist, ein Lebenskünstler, ein Kämpfer für die globale Gerechtigkeit und zwangsläufig auch ein kleiner Querulant. Er will mit allen erdenklichen Tricks und Schlichen verhindern, dass ihn seine Tochter in ein Seniorenheim steckt. Seine Zufallsbekanntschaft Midge dagegen hat sich aufgegeben. Er hat sich mit seiner „bescheidenen“ Situation abgefunden und leistet keinen Widerstand, wenn ihm das Leben übel mitspielt. So lässt er sich auch sehr widerwillig von Nat helfen. Kann man dem Schicksal entkommen?

Durch die Diskussionen war ich natürlich höchst sensibilisiert und verlor beim Zuschauen etwas die „Unbedarftheit“ bevor man sich ein Theaterstück anschaut. Muß ich wirklich zusammenzucken, wenn das Wort „Schwarzer“ fällt aus Angst, jemand könnte sich dadurch verletzt fühlen. Aber nein, wir wollen ja beim Thema bleiben. Ist es wirklich ganz schlimm, dass sich ein Weisser auf der Bühne schwarz anmalt und einen Schwarzen spielt? Vorwürfe gibt es auch in die Richtung – man hätte ja einen Schwarzen Schauspieler nehmen können. Ich bin immer noch verwundert über an den Haaren herbeigezogenen rassistischen Vorwürfe. So glaube ich, dass Dieter Hallervorden  hier einer Diskussion ausgeliefert ist, die auf falschem Grund und Boden geführt führt.(Das Theaterstück hat mir übrigens sehr gut gefallen!)

Sollte es wirklich Schwierigkeiten für schwarze Schauspieler geben an deutschen Theatern so sind diese an den entsprechenden Stellen zu lösen. Ganz sicher haben sich Joachim Bliese und Dieter Hallervorden nicht annähernd vorstellen können, was sie auslösen werden, wenn sie dieses Theaterstück aufführen. Ich glaube nicht, dass Dieter Hallervorden hier die Absicht hatte irgendjemanden zu verletzen. Er ist durch und durch mit dem Theater verbunden – ein Komödiant der eines möchte – die Menschen unterhalten.

Nachdem zwei Wochen lang das Schlossparktheater den Kommentaren ausgesetzt war, haben sie sich – um das Ganze einzudämmen – das Recht rausgenommen – jedwede neuen Kommentare zu löschen. Das finde ich ok.

Was ist Eure Meinung?

PS…hat überhaupt irgendjemand den Joint auf dem Plakat wahrgenommen ? :-)

 

(Foto: DERDEHMEL)

 

 

Übrigens haben Walter Matthau und Ossie Davis auch schon auf der Bühne gestanden und das vom Regisseur Herb Gardner verfilmte  Broadway-Stück aufgeführt. Hier hab ich einen wundervollen Ausschnitt gefunden.

 

3 Antworten zu "mit gemischten Gefühlen ins Schlosspark-Theater"

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    Wolle 18. Jan.uar 2012 (11:08)

    Hallo Clique… Ich habe diese Aufführung nicht gesehen wohl aber in der Presse davon gelesen. Mich verwundert es nicht, dass es immer und überall Menschen geben muss die an allen Dingen etwas auszusetzen haben. Ich finde an der Geschichte und wer als Person diese Geschichte ausfüllt, keinerlei rassistischen Hintergründe. Man sollte doch die Kirche im Dorf lassen. Es ist eine Theateraufführung. Und das sich Herr Hallervorden in seinen Themen auch etwas traut finde ich toll. Damit ist er so ziemlich der einzige Satiriker, der seine Geschichten auch lebt, auch wenn es vielleicht manchen Leuten gegen den Strich geht. Dieter, mach weiter so, du bist der Beste.

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    Frank 18. Jan.uar 2012 (20:06)

    Hallo Wolle und liebes Clique-Team…

    Ich kann mich den Äußerungen von Dir lieber Wolle einfach nur voll und ganz anschließen !!!

    Wünsche dem Schloßparktheater auch in diesem Jahr viel Erfolg und weiter so schöne satirische Geschichten…ist eben halt Satire ;o)

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