Likes sind eine beschissene Nahrung!

Kennt ihr das? Ihr seid auf Facebook verknüpft, begleitet Euch  virtuell seit langen Jahren, denkt, ihr wisst vielleicht eine ganze Menge von eurem Facebook-„Freund“ – doch im wahren Leben habt ihr Euch noch nie gesehen?

(Foto Headline: Portät von Jan Bouman)

Genau solch ein Treffen stand mir bevor. Ein Treffen mit Prinz Rupi. Bisher hatte ich zumindest ein Buch von ihm gelesen: »Kindle für Autoren«. Mein erstes E-Book. Natürlich hab ich es ein wenig eigennützig gewählt, da ich Selfpublisher werden möchte. Neben tlichen Sachbüchern, die ich mir zum Thema Verlagswesen von ihm noch vornehmen werde, freue ich mich jetzt schon auf seine Bücher, die dem Genre Humor und Unterhaltung gewidmet sind. So stehen für mich persönlich noch aus: „Angriff der Killerkekse“, „Das Depot des Teufels“ und „Marsmenschen auf Malle“. Na, das kann ja lustig werden …

Unser erstes Aufeinandertreffen fand im „Lettrétage“, einem Literaturhaus in Kreuzberg im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema „Selfpublishing“ statt. Das war ein bunter, herzerfrischender Vortrag gepaart mit interessanten Menschen und lustigen Momenten. Mit vielen gedanklichen Ergüssen und tollen Anregungen im Gepäck beendeten wir den Abend in kleiner Runde in einem Restaurant. Bereits an diesem Abend entwickelte ich das Gefühl, Ruprecht Frieling schon länger zu kennen.

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Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi (Foto Copyriht Malte Klauck

Wie entsteht ein derartiges Gefühl? Ist das der Verdienst von Facebook und den fortwährenden „Was machst Du gerade-Streams“, die auf den verschiedenen Plattformen u lesen sind? Oder gibt es andere Gründe?

Zwei Monate später treffe ich Ruprecht Frieling ein weiteres Mal. Dieses Mal zu einem Interview und die Frage des „Sich-Kennens“ taucht wieder aus meinem Unterbewusstsein auf. Ruprecht Frieling schafft es, dich sofort in seinen „Zug des Lebens“ einzuladen. Er vermittelt das Gefühl, seinen Gesprächspartner auf eine unglaublich spannende Fahrt durchs Leben mitzunehmen. Und plötzlich tauschen wir wie gute Freunde, die sich zufällig am Bahnsteig treffen, unsere Erlebnisse aus. Vielleicht ist genau dies das Geheimnis von Frielings Erfolg und dem seiner Bücher: Er spricht Klartext, Tacheles, ohne nichtssagendes bla, bla, bla.

Wir sprechen über Gott, die Welt und natürlich über das Titelthema dieser Ausgabe, das Karma.

„Ich glaube nicht an Zufälle, sondern an Geschehnisse, die in sich gefügt sind ähnlich einem Computerprogramm“,

erklärt mir Prinz Rupi. Zu verdanken hat er diesen Namen übrigens seiner Biografie „Der Bücherprinz“. (Vom „Bücherprinz“ wurden 32.000 Papierbücher verkauft, später  kamen noch 40.000 Elektrobücher hinzu). Das Thema hat es ihm angetan. „Karma“, wiederholt er nachdenklich und legt an zum Gedankenaustausch. „Eher glaube ich an so etwas wie Bestimmung. Weniger an Götter oder eine äußere Macht. Wenn wir uns Mühe geben, dann können wir enorm viel bewirken. Ich bin davon überzeugt, wenn man viel Gutes in die Welt bringt, strahlt viel Gutes zurück.“

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Glaubst Du, dass Karma so etwas wie eine Gesetzmäßigkeit ist? frage ich neugierig. Nein sicherlich nicht, man kann am Karma nicht ziehen und erwarten, dass etwas Gutes passiert, nur weil man etwas Gutes getan hast. Das gute oder das böse Karma, es erscheint aus heiterem Himmel. Es rieselt sanft wie Schnee auf uns herab. Je gieriger man rüttelt, desto weniger wird man vom Schicksal geküsst. Es ist besser, ohne Erwartungshaltung zu leben. Meine Biographie bestätigt das, ich darf das sagen, bin schließlich 66“

Wir müssen beide lachen.

Unser Gespräch dreht sich um Evolution, den Wandel von Zeit und Geschmack, die Möglichkeiten unserer Technologie und die Verantwortungslosigkeit vieler Zeitgenossen gegenüber unserer Erde. Einig sind wir uns, dass Computer unser Leben grundsätzlich erleichtern, aber…! „Es ist wirklich klasse“, räumt Rupi ein, „ich kann heute jedes meiner Bücher digital anbieten oder per „Print on Demand“ veröffentlichen. Für mich als Autor ist das hervorragend. Mein Buch kann ich selbst publizieren und es als E-Book hochladen oder genau dann drucken lassen, wenn es verlangt wird.

Das bedeutet Glück für jeden Selfpublisher.

Auf der anderen Seite unterstütze ich dadurch auch die Vernichtung des klassischen Sortimentsbuchhandels und der Verlage. Diese Entwicklung verläuft dramatisch. Hinzu kommt, dass immer weniger hochwertige Bücher produziert werden. Zusätzlich unterstütze ich den Giganten Amazon, der durch sein unerschöpfliches Sortiment den lokalen Handel überflüssig macht. Das finde ich schon lange erschreckend.

Bedeutet das, dass der Fortschritt langfristig Schaden anrichtet? entgegne ich. Eine Menge Schaden sogar. So begeisternd der Fortschritt auch sein mag, ich handle durch die Nutzung neuer Technologien bewusst schädigend anderen gegenüber. Ich füttere Facebook, Google, Instagram und Twitter und arbeite gratis für die größten Datenkraken weltweit. Der Preis dafür ist, dass ich kontrolliert werde.

Ist das Entwicklung oder Evolution, frage ich nach. Das ist ein irrer Zwiespalt – Wir greifen tatsächlich in die Evolution ein. Menschen sind grausam. Jede Ameise hat mehr Daseinsberechtigung als wir. Jeder dieser Ameisen hat ihre Aufgabe inmitten eines geordneten Staates. Doch wir Menschen haben unsere Aufgaben vergessen, wir schlagen uns die Köpfe ein, entfachen schwachsinnige Wirtschaftskriege und hecheln nach Vorteilen für die eigene Truppe. Wir tun vieles, was der Menschheit und unserem Planeten schadet. Das spiegelt unseren Charakter und unseren Egoismus wieder.

Kann man dem eigentlich entgegenwirken? Schwer, zu beantworten. Es scheint mir wichtiger denn je, in positive Richtungen zu schauen, um der negativen Flug entgegenzustehen.

Wir verharren beide für einen Moment in Gedanken.

Wie stehst Du zu den sozialen Netzwerken? Ich nutze Facebook, weil es mir eine komfortable Kommunikation ermöglicht. Gleichzeitig hasse ich die Plattform, weil sie mir jeden Tag Lebenszeit raubt, die ich produktiv für mich nutzen könnte. Zusätzlich kotze ich ab, weil ich mich frage, was das teils für eine wertlose Nahrung ist, die wir aus den Netzwerken saugen.

Likes? …die aktuelle Diskussion über Big Data beweist mir, dass ich zukünftig umsichtiger mit der Preisgabe von Meinungsäußerungen und Likes auf der Plattform sein und mich zunehmend nach alternativen Netzwerken umsehen werde. Wenn Politik und gesellschaftliche Kontrolle versagen, dann liegt es letztlich an jedem Einzelnen, Schlüsse zu ziehen und sein Verhalten zu überprüfen.

Rupi, wie du weißt bin ich auf dem Weg, mein eigenes Buch zu veröffentlichen. Worauf sollte man achten, wenn man ein Buch schreiben möchte?

In erster Linie steht die Überlegung, für wen und warum man schreibt. Geht es um Anerkennung? Likes? Geht es um Umsatz? Suchst du eine Beschäftigung, weil Du dich langweilst? Vielleicht ist dir das alles aber scheißegal und du willst einfach nur schreiben? Wenn Du ein echter Autor werden willst, dann lege Wert auf Qualität und Stil. Natürlich kannst Du auch gefällig schreiben und erfolgreich werden.

Das verstehe ich nicht, was meinst du mit »gefällig schreiben? 

Wenn Du bedienst, was die Masse will, schreibst du gefällig. So kannst du zum Beispiel „chicklit“ schreiben.“

Watt..?“ Sage ich, „noch nie gehört! Was ist denn chicklit?

Das ist Literatur von Hühnern für Hühner. (ich muss lachen und verstehe sofort) Trivialzeugs halt, so was wie der Bergdoktor, Herz-Schmerz und Groschenromane. Ja, die gibt es noch heute – vor allem digital.“

Glaubst du dass wir alle süchtig sind was die digitalen Technologien angeht? 

Ich kann da schlecht für andere sprechen. Ich habe schon etliche Süchte überwunden. Arbeitssucht, Alkoholsucht, Tabaksucht, Sexsucht. Nur eine Sucht ist mir geblieben: die Sehnsucht…(ich muss grinsen und frage spontan)

Wonach sehnst Du Dich denn? Ich sehne mich nach einer ehrlichen, gesunden Welt, in der Menschen und Tiere, sich freuen, frei leben zu dürfen. Ich sehne mich nach einem Leben im Einklang mit der Natur, ohne Plünderungen, Krieg und Ausbeutung. Ich träume seit den 60er Jahren von Love, Peace and Happiness.

Dann bist du also so etwas wie ein digitaler Hippie….

und wir müssen beide lachen…

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Rupi, Du hast über 40 Bücher geschrieben, die sich gegenseitig befruchten. Darunter viele »Opern(ver)führer«, wie du sie selbst gerne nennst.

Das stimmt, ich liebe Opern. Leider sind diese für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Ich schreibe »Erklärbücher«, um komplexe Opern verständlich zu machen und gebe sie entschlüsselt wieder. Bisher habe ich Richard Wagners Oper »Der Ring der Nibelungen«, »Der Fliegende Holländer«, sowie »Die Meistersinger von Nürnberg« erklärt. Derzeit arbeite ich am »Lohengrin«.

Ganz ehrlich, ich war noch nie in einer Oper ..gebe ich leise zu. Na, dann wird es aber mal Zeit, lacht Prinz Rupi.

Zum Ausklang des Gesprächs spüre ich, dieses Treffen war eine Reise in einem Zug, der nur gutes Karma bedeuten kann!

Autor: Anita Tusch

Wer Ruprecht Frieling begegnen möchte, liest seine Lebensabschnittsgeschichte „Der Bücherprinz“ www.internet-buchverlag.de/der-bucherprinz/ oder geht in seinem Heimathafen vor Anker www.ruprechtfrieling.de

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