Lichterfelde: Die drei Türme

Wolle im Heikzkraftwerk Lichterfelde

Wer kennt sie nicht, die Wahrzeichen im Süden Berlins, sind die drei Türme vom Heizkraftwerk Lichterfelde – Vattenfall. Von 1970 bis 1974 wurde das Kraftwerk erbaut und leistet bis heute die Versorgung mit Strom und Wärme. Wir wollten doch mal wissen wo die Wärme und der Strom hier im Süden Berlins her kommt, und verabredeten einen Termin im Besucher-Zentrum am Ostpreußendamm.

Frau Sasonow, aus der Presseabteilung und Herr Dederich, der das Werk aus dem „ff“ kennt, empfingen uns in der Pförtnerloge. Wir wurden mit Helm, Warnweste und einem Headset ausgerüstet. Herr Dederich erklärte am Modell, das eine Etage höher im Besucherraum stand, wie die Anlage arbeitet und wie das Werk zukünftig ausgestattet sein wird. Danach gab es die Besichtigung des Heizkraftwerks. Spätestens hier wussten wir warum wir Hörschutz tragen mussten. Anita hatte natürlich die vollkommenen falschen
Schuhe an. Das merkte sie spätestens beim Begehen der Gitterroste. Uns wurde alles erklärt, alles gezeigt. Von der Turbinenhalle bis

zum Gehirn des Kraftwerks sowie die beeindruckende Schaltzentrale. Dort saßen vier-fünf Mitarbeiter an den Schaltpulten und hatten ihre Augen nur auf die analogen und digitalen Anzeigen und Monitore. Jeder einzelne wusste genau, wo er welchen Knopf bei welcher
Situation zu drücken hatte. Im Zweifel musste einer das Werk ablaufen und genau an einer bestimmten Stelle einen Hahn zudrehen. Und davon gab es sehr viele.
Zum Ende der Besichtigung standen wir auf eines der Außenterrassen und hatten einen gewaltigen Überblick über unsere Stadt. Herr Dederich war voll in seinem Element, als er von dem Werk erzählte und wie er die ganzen Phasen bis heute selbst miterlebte. Wenn ich
aus Ludwigsfelde Ost von der Autobahn kam, die drei Schlote des Kraftwerks sah, wusste ich, gleich biste zu Hause. Immerhin ragen die Türme 160 Meter in den Himmel. Eine Orientierungshilfe im südlichen Berliner Raum und mittlerweile ein kleines Wahrzeichen für die Lichterfelder.

HKW 4
Die Türme werden im Übrigen auch von Turmfalken besiedelt. Bei dem späteren Rückbau wird daher besonders darauf geachtet, dass sich keine belegten Nester mehr am Turm befinden, erzählte uns Frau Sasanow. Bis 2015 soll hinter den drei Kühltürmen ein neues Maschinenhaus mit einer Gas- und einer Dampfturbine entstehen. Direkt am Teltowkanal entsteht ein neues Kesselhaus mit  Heißwassererzeuger, das bei Ausfällen zur Notversorgung dienen soll. Die Befeuerung der alten Anlage erfolgte mit Schweröl, welches über Schwerlastschiffe durch den Teltowkanal angeliefert wurde. Zwei der drei Blocks wurden 1983 mit einer Rauchentschwefelungsanlage (REA) ausgerüstet und 1988 wurde ein Block auf emissionsfreie Erdgasfeuerung umgestellt. Wieder einige Jahre später wurden zwei Blocks mit einer Entstickungsanlage nachgerüstet. 1997 und 1998 wurden die beiden anderen
Blocks auf Erdgasfeuerung umgerüstet. Dadurch war der Betrieb der Rauchentschwefelungsanlage überflüssig geworden.

Somit wurden die Berliner nur noch mit Strom und Wärme aus Erdgas beliefert. Auch für die näheren Bewohner gab es Vorteile. Der Lärm und der Schmutz wurden auf ein erträgliches Maß reduziert. Vattenfall steht im besonderen Verhältnis mit seinen Nachbarn. Damit das Heizkraftwerk den Erdgaseinsatz umsetzen konnte, wurde eine fast zwei Kilometer Pipeline ans Gasversorgungsnetz angeschlossen. Um 2000 rum kam eine zweite unabhängige Einspeisung des Netzes hinzu. Das Hochdruck-Versorgungsnetz arbeitet mit 40 bar. Nach über 40 Jahren wird das Heizkraftwerk in Zukunft effizienter arbeiten können. Dafür sorgen die Turbinen der neuesten Generation und die Kraft-Wärme-Kopplung, so Herr Dederich.

schon mal so viel Batterien auf einmal gesehen

Die Brennstoffausnutzung steigert sich somit von circa 70% auf circa 90%. Damit 70.000 bis 100.000 Haushalte weiterhin mit Wärme versorgt werden können, wird die thermische Leistung bei 230 Megawatt bleiben. Anders bei der Stromversorgung. Da soll die Leistung reduziert werden. Der Stromverbrauch bleibt im Übrigen konstant. Es werden zwar viele Sparlampen verwendet und sogar LED`s, die den Strombedarf senken, aber die Zunahme von Ladegeräten für Handys und Digitalkameras steigen immer mehr, sagt Frau Sasanow. Dennoch wird die Stromerzeugung von 450 Megawatt auf etwa 300 Megawatt gesenkt. Eine günstige Versorgung der Bewohner durch regenerative Energien sei zur Zeit noch nicht möglich. Da müssen noch diverse Kilometer Zubringernetze gebaut werden, die auch zuverlässig den Strom liefern können. Daher wird das Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk für die nächsten Jahre noch ganz sicher gebraucht und auf neuestem Stand gebracht. Dafür wurde schon 2009 durch Vattenfall und dem Berliner Senat
eine Klimaschutzvereinbarung unterzeichnet. Darin kann man unter anderem lesen, dass der Kohlendioxidausstoß von jährlich 13 Millionen Tonnen bis 2020 zu halbieren ist. Eine Menge Geld muss investiert werden. Dazu gehören das Kraftwerk Lichterfelde, Klingenberg und Lichtenberg. In Lichterfelde wird jedenfalls schon fleißig gebaggert.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die eigens für uns gemachte Führung durch das Heizkraftwerk. Ein Besuch des Kraftwerks ist empfehlenswert. Gruppen bis zu einer Stärke von 15 Personen sind den Werksführern am Liebsten.

Einen ganz lieben DANK für diese Zusammenfassung –  an den Autor: Wolfgang Vorbeck

 

HKW Lichterfelde, Ostpreußendamm 61,
12207 Berlin | Für Fragen zum Neubau in
Lichterfelde eignet sich auch das Bürgertelefon:
Montag – Freitag von 7 – 19 Uhr.
Telefon: 267-41 444.
http://www.vattenfall.de/de/lichterfelde/

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