Kennt Ihr die Suppenküche in Lichtenrade?

Kennt Ihr die Suppenküche in Lichtenrade? Hier wird Bedürftigen regelmäßig sonntags hausgemachte Suppe gereicht, sowie  Lebensmittel ausgegeben. Wir möchten mehr über dieses Projekt in Erfahrung bringen und besuchen die Suppenküche vor Ort. Die Idee dahinter stammt aus dem Jahre 2002 vom Religionspädagogen Ernst-Ludwig Koch.

Er bemerkte starke Veränderungen in den sozialen Strukturen in seinem Bezirk. Einzelne Schicksale, in denen Menschen in mittellose Ebenen rutschten, beunruhigten ihn und sein Verlangen hier zu helfen, wurde immer größer. Die Idee etwas zu tun, ließ ihn nicht mehr los, und hier beginnt auch die Geschichte von Álex Benkel, deren Kinder von Ernst-Ludwig Koch unterrichtet wurden. Man traf sich regelmäßig, um Ideen der Hilfestellung zu entwickeln.
Erst im Jahre 2005 wurde der erste Meilenstein gesetzt, denn bürokratische Wege, keine Unterstützung seitens öffentlicher  Einrichtungen oder Kirchen, waren mangels Interesse zu überwinden. Es gab sogar Aussagen, die da hießen „Wo wollen Sie denn hier in Lichtenrade die Bedürftigen hernehmen?“ Fazit: Es wurde ein Verein gegründet, der aus den eigenen Reihen entstand. Im Nachbarschafts- und Familienzentrum AHB-Süd bekam der Verein „Suppenküche-Lichtenrade e.V. “ im Mai 2005 Unterschlupf. Am ersten Sonntag kamen 10 Ehrenamtliche Helfer, 10 Gäste, und satte 20l Suppe standen bereit. Der erste Schritt war gemacht. Leider verstarb nur wenige Monate später der Ideengeber Ernst-Ludwig Koch. Álex Benkel, die bis dato die Idee in der Verwirklichung und Ausführung mit begleitete – jedoch nicht unbedingt einem Verein gegenüber offen stand – übernahm aus Überzeugung von der Idee den 1. Vorsitz und führt den Verein nunmehr unermüdlich bis zum heutigen Tage. Mittlerweile nutzen jeden Sonntag bis zu 120 Menschen die Suppenküche, und jeder der ehrenamtlichen Helfer kann bestätigen, es werden immer mehr Menschen. Fast 80% kommen direkt aus Lichtenrade.

Doch zurück zu meinem Besuch. Um mir einen Eindruck verschaffen zu können, besuchte ich die Suppenküche knapp eine Stunde vor der Essensausgabe. Viele Menschen stehen schon vor dem Eingang. Wie ich erfahre, nutzen sie nicht nur das schöne Wetter heute, sondern auch die Gelegenheit, auf andere Menschen zu treffen, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten oder Freundschaften, die sich gebildet haben, zu pflegen. Das Team „ehrenamtlicher Helfer“ ist emsig, jeder erledigt seine Aufgaben. Es wird Suppe gerührt, Stühle geschleppt, Lebensmittel-Tüten gepackt, Tische gedeckt und schnell noch eine Tür repariert. Heute sind 20 Helfer im Einsatz. Die Stimmung ist gut, der Umgang untereinander respektvoll und freundlich.

Vor der Tür warten geduldig sehr viele Menschen. Mir wird sofort ein Teller Suppe angeboten, doch es fällt mir schwer, etwas anzunehmen. Das Gefühl, jemandem etwas wegzuessen, überfällt mich. Doch ich werde schnell beruhigt, und mir wird zugesichert – es ist für alle ein Teller Suppe da. Das Essen schmeckt lecker, heute gibt es kräftige Gemüsesuppe mit Würstchen, einen Salat und ein Stück Brötchen. Das ist etwas Besonderes, denn nicht oft erhält die Suppenküche Fleisch für die Zubereitung gespendet.

Ich erfahre von einzelnen Schicksalsschlägen neben Krankheit oder Arbeitsverlust. Am Nebentisch sitzt eine Mutter mit drei Kindern, sie hat scheinbar Freundschaft mit einer älteren Dame geschlossen, die sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigt. Ein Herr mittleren Alters entschuldigt seine Anwesenheit, er erzählt, dass er sein Leben lang gearbeitet hätte und nunmehr seinen Job verlor. Es ist für viele ein Riesenschritt, der bewältigt werden muss, um das Angebot der Suppenküche zu nutzen. Ängste, Barrieren und Scham spielen eine große Rolle. Das Konzept der Suppenküche unterstützt, diese Barrieren zu überwinden. Vor Ort muss sich niemand legitimieren oder gar einen Nachweis der Bedürftigkeit vorweisen. Am Eingang wird nur nach der Postleitzahl der „Essenden“ gefragt, rein für die Statistik, das Alter wird geschätzt. „Die Bedürftigkeit sieht man den Menschen an“, meint Álex. „Es ist schon für die meisten Menschen schwer genug, den Schritt zu uns zu machen.“

Die ehrenamtlichen Helfer, ein Kreis von mittlerweile 50 Personen, leisten viel Arbeit. Sie bestehen u.a. aus „ehemals Bedürftigen“, aus Menschen, die einfach nur helfen wollen, die Kontakt zu anderen suchen, eine Aufgabe benötigen sowie aus Jugendlichen und Erwachsenen, die zunächst ihre Sozialstunden hier verbrachten und dann als Ehrenamtliche geblieben sind. Ich bemerke sehr schnell, hier geht es um mehr als sonntäglich Essen auszuschenken. Teamarbeit, Kreativität, Menschlichkeit sind hier gefragt. Oftmals müssen Strukturen der Essensausgabe neu organisiert werden, denn es kommen immer mehr Menschen, die bedürftig sind. Es ist ein sozialer Ort, es geht nicht nur um das Helfen, sondern auch ums Verstehen, Akzeptanz oder einfach nur da zu sein und ein offenes Ohr zu haben.

Natürlich ist das nicht immer leicht, doch letztendlich zählt jeder Moment, in dem die Helfer vor Ort sind, die Bedürftigen sonntäglich bewirten und ihnen zur Seite stehen.

Álex hat noch eine Bitte an Euch: Wenn Ihr Menschen kennt, die in eine Notsituation geraten sind, macht ihnen Mut, solche Angebote zu nutzen und erzählt von der Suppenküche.
Wir haben auch eine Bitte, falls Ihr einmal wieder Eure Pfandflaschen abgebt, könnt auch Ihr etwas Gutes tun. Werft den Pfandbon in eine Pfandbox oder schaut, ob der Automat einen entsprechenden „Spenden-Button“ hat, und unterstützt dadurch solche gemeinnützige Organisationen.

Bitte
weitersagen!
23.12.1012 von 12-14 Uhr – Weihnachts-Goulasch-Essen für Bedürftige (Danke an die
Gebäudereinigung Grüning GmbH, die dies ermöglicht)

Suppenküche Lichtenrade e.V.
Finchleystr. 11, 12305 Berlin
Essensausgabe sonntags von 12.00 – 14.00 Uhr
Tel.: 74682356
www.suppenkueche-lichtenrade.de

 

GHEIMTIPP: 

Am 15.12.2012 wird die CHRISTMAS-BIKE-TOUR die Suppenküche in Lichtenrade besuchen! Das wird sicherlich sehr aufregend und ein riesen Spektakel in Lichtenrade, wenn das Tour-Team dort anreist…

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