„Keine Ahnung, wie sie das alles hinbekommt?“

Isa wohnt mir gegenüber und ist meine Nachbarin und Freundin. Jedes Jahr im November bin ich einer ihrer vielen Gäste zum „Charity Thanksgiving Dinner“. Aber dieses Dinner ist nicht ihr einziges Engagement, da gibt es noch einiges! Und jedes Mal frage ich mich, wie bekommt sie das eigentlich alles hin? Grund für mich, mit ihr ein Interview für die CLIQUE zu führen und euch eine Powerfrau aus dem Süden Berlins in Lichtenrade vorzustellen: Isa Knudson..

Isa ist Ehefrau, Mutter von 3 Kindern (17, 12 & 7), FirstClass Flugbegleiterin bei der Lufthansa, spielt Geige im Lufthansa Orchester, engagiert sich im Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin und kümmert sich z.B. darum, den Athletinnen und Athleten der Paralympics in Rio 2016 gute Trainingsmöglichkeiten zu bieten. Über ihre Arbeit im Hockey-Verein ihrer Kinder betreut sie zusammen mit Vereinskollegen 250 Flüchtlinge, die in der Vereins-Turnhalle leben und sie bereits liebevoll „Angel Woman“ nennen. Wow, wo fange ich an? Am besten beim Thanksgiving Dinner…

Isa, wie bist Du auf die Idee gekommen, jedes Jahr das Charity Dinner für deine Freunde zu geben und dabei Spenden für das Emmanuel Home in Addis Abeba zu sammeln? In meiner Au-Pair Zeit 1987 hatte ich durch eine Freundin die Gelegenheit, Christa und Zedek Zendekum kennenzulernen, die das Emmanuel Home gegründet haben. Es ist ein Privileg, aber auch mein Herzenzwunsch, von dem was man hat, auch etwas abzugeben. Glücklicherweise sehen meine Gäste dies jedes Jahr genauso. Zedek war zum 25jährigen Jubiläum im letzten November beim Dinner dabei und spielte uns auf seinem Saxophon Musik aus der Heimat vor. Das war toll und gleichzeitig Motivation für alle!

Hast Du eine Ahnung, wie viel Geld du in den 25 Jahren gesammelt hast und was ihr damit realisieren konntet? Das erste Dinner war 1991, seit 2004 sammeln wir Geld. Insgesamt haben wir nun in 11 Jahren knapp 17.000 Euro spenden können. Das Emmanuel Home besteht aus einem Kinderheim mit ca. 25 Kindern. Diese werden in einem eigenen Haus betreut. Ebenso fi nanziert das Emmanuel Home zwei eigene Kindergärten. Kindergartenbesuch kostet in Äthiopien Geld. Aber nur dort können die Kinder das amharische Alphabet, das aus 256 Zeichen besteht, lernen. Wenn sie dieses nicht können, wird ihnen der kostenlose Schulbesuch nicht gestattet. Viele Kinder aus armen Familien sind vom Bildungssystem ausgeschlossen. Mit unseren Spenden haben ca. 100 Kinder die Chance auf den Schulbesuch und erhalten einmal am Tag ein kostenloses warmes Essen.

Und Deine Familie, wie geht sie damit um, dass Du viel Zeit für deine Projekte aufbringst? Da muss man doch ganz schön durchgeplant sein? Mein Engagement fordert natürlich viel Zeit. Da schreien nicht alle gleich Hurra in der Familie. Wir reden viel über all diese Projekte und damit wächst das Verständnis. Oft machen mein Mann und die Kinder auch einfach mit. Denn jeder kann ja in seinen Möglichkeiten etwas tun. Vor allem sehen sie aber, dass diese Hilfe für andere auch einen selbst sehr glücklich und zufrieden macht. Da haben dann wieder alle was davon. Ich habe auch ein gutes Netzwerk von Freunden, die mich unterstützen, wenn mal wieder Not am Mann ist.

Ich frage mich, ob dieses Engagement, das Isa mit ihrem Job als Flugbegleiterin und Familienmanagerin scheinbar wirklich gut unter einen Hut bringt, nicht auch eine ganze Menge Kraft und Energie kostet. Gerade ihr Engagement für den Behindertensport und die Unterstützung der Flüchtlinge erfordern ja auch ein starkes Nervenkostüm, also nachgefragt:

Isa, wo holst Du denn die Kraft für das alles her? Isa sieht das ganz locker: Sicherlich habe ich so eine innere Motivation und Energie. Wird man damit geboren? Vielleicht schon. Aber viel wichtiger für mich: alles was ich gebe, kommt tausendfach zurück. Wenn ein Gefl üchteter Danke sagt, weil ich ihn hier einfach als Mensch und Freund begrüße, wenn ich weiß, dass eine blinde Schwimmerin ihr Bestes geben kann, weil ich etwas für sie organisieren konnte oder wenn ich weiß, dass es auch nur einem Kind ein kleines bisschen besser geht als zuvor – DANN ist das jede Zeit, Mühe und jeden Stress wert. Ich möchte es kein bisschen anders haben!

Knapp 2 Stunden später müssen wir dann auch schon Schluss machen. Isa muss den Jüngsten vom Hort holen, dann noch in der Turnhalle vorbeifahren und ihren Koff er für den nächsten Flug packen! Denn in der nächsten Woche ist sie wieder unterwegs, irgendwo in der Welt! Hut ab Isa und komm gesund wieder!

Autor: Bettina Kaul

Falls ihr noch weiterlesen wollt, hier gibt es noch ein paar Infos zu den Projekten:
www.emmanuelhome.ch/pages/de/home.php
www.stk-hockey.de/refugees-welcome/
www.facebook.com/groups/DerSTKhilft/
www.bsberlin.de/startseite.html

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