Ist Zeit wirklich Geld – und was hat Momo damit zu tun?

Ich habe keine Zeit! Kennt Ihr diesen Satz auch? Habt Ihr Euch schon einmal beobachtet wann und zu wem und warum Ihr diesen Satz sagt? Ist es gar eine gute Freundin, ein Freund oder sogar Eure eigene Familie, die ihr wiederholt mit den Worten tröstet „Sorry, ich habe im Moment wirklich keine Zeit!“

Wie sieht es bei Euch persönlich aus? Was müsstet Ihr an sich für Euch erledigen und schiebt es in die Länge – da…keine Zeit! Wie oft sagt Ihr den Satz „Ich schaffe das nicht – ich habe keine Zeit?!

Als ich über das Thema Zeit sinnierte fiel mir Michael Ende´s Geschichte von „Momo“ ein. Wusstet Ihr, dass diese Geschichte schon 38 Jahre alt ist! 1973 wurde das Buch vorgestellt und im Jahre 1986 erstmals unter der Regie von Johannes Schaaf, mit Radost Bokel, Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl verfilmt. Ich habe mir die Zeit genommen und den Film noch einmal angeschaut, denn als Kind liebte ich das Buch und eines blieb mir in Erinnerung – es ging um Zeit und um Zeitdiebe. Ich war fasziniert von dieser Geschichte. Neugierig, mit welchen Augen ich heute diesen Film betrachten würde, nahm ich mir die Zeit und besorgte mir den Film.

(Pause..denn ich bin gerade dabei die DVD zu besorgen)

Bevor ich mir den Film anschaute, überlegte ich, was ist Zeit und warum reden die Menschen von Zeit verplempern, Zeit ist Geld, keine Zeit haben, sich Zeit nehmen müssen und sogar von Zeitdieben. Was sind denn Zeitdiebe? Da ich nicht weiß, wie jeder von uns mit Zeit umgeht kann ich für mich sagen, ich hätte wahrscheinlich mehr Zeit, wenn ich mich besser organisieren würde. Mein Schreibtisch ist das reinste Chaos, ganz zu schweigen von meinem Ablagesystem, ich quatsche zu lange am Telefon, surfe ähh.. recherchiere zu lange im Internet und lass mich gerne schnell ablenken. Was ist Zeit? Was muss schnell gehen, was nicht? Ein guter Freund sagte einmal zu mir, „Wenn Dein Projekt nicht von Anfang an gut läuft und Profit abwirft, dann wird das nie etwas. Es wird Zeit es abzustoßen!“ Ich schwankte, stimmte das etwa? Wie viel Zeit habe ich wirklich? Wie lange muss ich durchhalten? Wer sagt mir, wann es Zeit ist etwas zu verändern, Entscheidungen zu treffen, neue Wege zu gehen? Ich fand heraus, ich muss das ganz alleine entscheiden. Und ich alleine entscheide, wann die Zeit reif ist – wofür auch immer.

Ist Euch auch schon einmal aufgefallen, dass manche Dinge der Zufall, ein Gespräch, eine Situation und nicht zuletzt – die Zeit klärt?!

Und dann war es an der Zeit, die DVD „Momo“ ist da. Ich nehme mir Zeit im Kreise meiner Lieben – mitten in der Woche – einen gemütlichen Abend zu gestalten. Kerzenlicht, Chips, Schokolade, Eis und heißer Tee. In die Decke eingemummelt, Kuschelstellung, DVD reingeschoben und Fernseher an.

Ich lass mich von der unbeschwerten Kleinstadt-Idylle des Films berauschen und komme langsam von der Hektik, die mich fast jeden Tag einholt, runter. Die kleinen alltäglichen Dinge des Lebens, die wir doch fast alle so oft vermissen, spiegeln sich im ersten Drittel des Films ab. Einen Moment stehen bleiben, ein Gespräch führen, den Augenblick genießen, sich um jemanden kümmern, jemanden zuhören, sich Zeit füreinander nehmen. Weg vom schnellen Fluss des (All)Tages. Stehen bleiben. Verharren. Doch, da kommen sie, die grauen Herren der Gesellschaft. Ja, sie bringen alle Menschen dazu, Zeit zu sparen. Geht uns das nicht auch so? Optimieren, Organisieren, Perfektionieren und vor allem Zeit sparen!

Einige Leser erinnern sich vielleicht noch, dass ich aufgehört habe im gleichen Tempo meinen Einkaufswagen zu packen, wie die Kassierer abkassieren und den Scanner über meine Lebensmittel jagen. Habt Ihr es auch schon ausprobiert?

Der weise Meister Hora, der Verwalter der Zeit hält für Momo mithilfe einer Stundenblume die Zeit auf der ganzen Welt an um seine Freunde retten zu können. Wie sagte ein „Zeitdieb“ zu Momo in einer Stunde der Wahrheit doch so schön: „Wir hungern nach Eurem Leben, wir saugen Euch aus“. Wie wahr, wir werden ausgesaugt nicht nur von der Großstadthektik auch vom Vorschriften-Dschungel, der uns überall erwischt. Vielleicht bedeutet, die Zigarre, die die Zeitdiebe zum Leben benötigen, dass sie nur existieren können – wenn sie sich „aufrauchen“.

Können wir nur existieren, wenn wir uns aufrauchen und uns dem schnellen Wahn des Alltags ergeben? Was passiert, wenn wir uns Zeit nehmen? Was passiert wenn wir erkennen, dass wir „zeitlich verführt“ werden unser Leben „schnell aufzurauchen“? Seid Ihr nicht auch

schon einmal neidisch gewesen, wenn jemand sagt, dass er eine Auszeit nimmt!? Wer kann sich das schon leisten?!Zeit ist Geld! Das ist was uns beherrscht. Viele haben Angst, sich Zeit zu nehmen oder gar eine Auszeit zu nehmen. Ängste entstehen. Was ist wenn…? Überlegt einmal wie oft das eingetreten ist – wovor Ihr Angst hattet?!

 

Momo ist zu Besuch im Nirgendhaus in der Niemalsgasse und darf durch Meister Hora´s Allsichtsbrille schauen. Momo entdeckt, jeder hat seine eigene Zeit und seine eigene Melodie. Vielleicht sollten wir inne halten und uns überlegen ob wir eventuell vergessen im Jetzt zu leben. Unser eigenes Tempo zu gehen. Vielleicht hat Beppo der Straßenfeger etwas Wichtiges an Momo weitergegeben, als er ihm erklärte, dass er niemals an die ganze Straße denken sollte, sondern immer nur an den nächsten Schritt – um nicht den Mut zu verlieren.

 

Beim nächsten Mal, wenn Ihr hört oder selbst sogar sagt „Zeit ist Geld“ – könnt Ihr Euch doch fragen: Warum beeile ich mich eigentlich so? Liegt es vielleicht daran, dass es immer noch die „Zeitsparkasse“ gibt, die uns vorschreibt, dass wir schnell und effizient sein müssen?

 

Haben wir vergessen, dass „sich Zeit nehmen“ langfristig viel wertvoller sein könnte? Im Internet fand ich heraus, dass der griechische Philosoph Theophrast rund 300 Jahre vor Christus den Gedanken von der wertvollen Zeit ganz anders interpretierte. Er schrieb: „Die Zeit ist eine kostbare Ausgabe“. Daran werde ich jetzt so oft denken, sofern es meine Zeit erlaubt.

 

Wenn man bedenkt, dass Michael Ende diese Geschichte schon vor 38 Jahren schrieb, dann sind wir ganz unbemerkt bei der „unendlichen Geschichte“…gelandet.

Wie im Magazin schon angekündigt, verlosen wir drei DVD´s  „MOMO“ nach dem weltbekannten Roman von Michael Ende mit Radost Bokel, Mario Adorf und Arnim Müller-Stahl..

Unter allen, die uns einen Kommentar auf Facebook oder hier hinterlassen wird die Verlosung erfolgen.  Wir wollen von Euch wissen:

Wofür werdet Ihr Euch demnächst Zeit nehmen?

Ihr könnt bis Freitag Eure Kommentare abgeben, die Gewinner werden dann am 27.12.2011 von uns ausgelost und informiert!

1 Antwort zu "Ist Zeit wirklich Geld - und was hat Momo damit zu tun?"

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