Interview mit Thriller-Autor Sebastian Fitzek – Wer bist Du, wenn Du schläfst?

Sebastian Fitzek, gebürtiger Charlottenburger ist der erfolgreichste Thrillerautor Deutschlands und wird in einem Atemzug mit dem großen Stephen King genannt. Alle 9 Bücher seit 2006 sind Bestseller und er arbeitet gerade an seinem zehnten Thriller „Wer bist Du, wenn du schläfst?“

Trotz Schreibwut und Vaterfreuden nahm er sich Zeit für ein Interview mit „CLIQUE –Wir im Süden Berlins“. Sebastian, schläfst Du eigentlich gut? Ja! Ich schlafe sogar sehr gut, denn ich schreibe mir meine dunklen Phantasien ja von der Seele und muss diese also nicht noch im Traum verarbeiten. Das einzige, was mich nicht durchschlafen lässt, sind meine 3 Kinder, darunter ein erst 2 Monate altes Baby.

Was ist das für ein Gefühl, die letzte Seite eines Buches zu schreiben? Nun ja, es ist natürlich ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man am nächsten Tag die Füße hochlegen kann. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, dass man nie weiß ob es wirklich der letzte Satz gewesen ist. Das Lektorat macht nicht selten viele Vorschläge und neue Fragen treten auf. So kann sich der Handlungslauf noch mehrmals ändern, teilweise sogar noch bis kurz vor dem Druck des Buches. Das ist normal und auch gut so, denn das Lektorat liest meine Manuskripte aus dem Blickwinkel des Lesers.
Bekommst Du Fanpost aus dem Knast? Anregungen von „Psychopaten“? Also Anregungen eher nicht, und ich habe genügend eigene Ideen, so dass ich fremde Hilfe was das anbelangt eher nicht benötige. Aber ich bekomme schon Post von dort, einmal sogar mit dem Hinweis, meine Thriller wären in Gefängnisbibliotheken der Renner. Ich bekam auch mal einen Brief von einer Mutter, deren Tochter in einem Gefängnis in Brasilien einsitzt und die um ein signiertes Buch von mir bat, das die Tochter sich zu Weihnachten wünschte. Einmal bekam ich sogar eine Mail quasi aus dem Kreißsaal. Die Leserin war überfällig und die Ärzte forderten sie mit Nachdruck auf, doch endlich den verdammten „Augensammler“ wegzulegen. Kein Wunder, dass das Kind nicht käme. Welches Baby wolle in eine Welt geboren werden, in der Psychopathen Augen sammeln? In einem anderen Fall, schrieb mir ein Anästhesiearzt,
dass er bei seiner Arbeit manchmal „kranke Ideen“ bekomme, die er gern mit mir teilen würde. Aktuell bekomme ich vermehrt Mails von Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind.
9 Bücher in 8 Jahren. Bleibt da noch Zeit für Privates? Angefangen zu schreiben habe ich bereits 2000. Mein erstes Buch „Die Therapie“ hat inklusive der Verlagssuche 4 Jahre gebraucht, bis es veröffentlicht wurde. Da habe ich ja schon längst am nächsten Buch gearbeitet, konnte also nach meinem ersten Erfolg etwas aus dem Vollen schöpfen. Wenn man hauptberuflich Schriftsteller ist, so wie
ich, ist ein Buch pro Jahr keine Hexerei, zumindest wenn man im Thriller-Genre schreibt und keine 1000-Seiten-Historienwälzer, obwohl Stephen Kings Werke in regelmäßiger Folge diese Ausmaße annehmen. Ich kann nur jedem Anfänger den Rat weitergeben, den Tess Gerritsen einmal in ihrem Blog gab: „Schreiben, schreiben, schreiben!“ So viel und so oft wie möglich. Es ist wie beim Sport, nur durch häufiges Training wird man besser. Sicher muss es Erholungspausen geben, aber hier reden wir von Wochen, nicht von Monaten. Ich versuche jeden Tag etwas zu Papier zu bringen, wovon aber natürlich nur ein Bruchteil den Weg in das spätere Buch findet. Denn fast noch wichtiger als Schreiben ist das Überarbeiten. Wenn ich im Schreibrausch bin, ruhen meine Freundschaften schon mal für mehrere Monate. Dafür braucht man einen stabilen Freundeskreis, der versteht, dass ich in dieser Zeit oft abwesend bin. Ich habe nun mal keinen 9-to-5-Job, bei dem sich der Arbeitstag planen lässt.

Wovor hast Du Angst? Vor Ereignissen, die ich nicht beherrschen kann, bei denen ich zum Zuschauen verdammt bin. Ich bin Vater eines Frühchens. Wochenlang auf Monitore zu starren, warten, die eigene Machtlosigkeit erfahren, das macht mir Angst. Auch habe ich Angst, dass andere durch mein Verhalten, zum Beispiel durch einen Autounfall wie in meinem Buch „Splitter“, zu Schaden kommen könnten. Keine Angst hingegen habe ich vor Situationen, aus denen ich mich aus eigener Kraft befreien kann.

Hat Dich der Erfolg Deines ersten Buches „Die Therapie“ überrascht? Nicht nur mich, auch der Verlag war vollkommen überrascht von dem gigantischen Erfolg eines Erstlingswerkes. Denn damals hieß es verlagsübergreifend: „Deutsche Psychothriller funktionieren nicht!“ Wir hatten lediglich eine Miniauflage von 4000 Stück, dazu null Geld für Marketing. Wenn ein Buch eines  unbekannten Autors unter „F wie Fitzek“ im Buchregal des Handels steht, grenzt es an ein kleines Wunder, dass es ein Bestseller wird. Das zweite Buch konnte diesen Erfolg auch mit Marketingbudget nicht erreichen. Dafür hat mein drittes Buch dann wieder die  Vorgänger mitgezogen. Letztlich entscheidet am Ende immer der Leser, ob ihm das Buch gefällt, nachdem er es beendet hat. Nur dann wird er es weiterempfehlen.
Worum geht’s in Deinem nächsten Buch und wann erscheint es? Mein nächster Thriller erscheint Anfang 2014, mit etwas Glück noch in den letzten Tagen von 2013. Es spielt zur Abwechslung mal nicht nur in Berlin, sondern auf der ganzen Welt, zum Beispiel in New York, Kenia, Amsterdam, Los Angeles, etc. Die Story betrifft jeden auf diesem Planeten. Der Thriller wird wird deutlich umfangreicher als meine bisherigen Büche werden. Im Kern geht um einen Obdachlosen, der nicht weiß, wieso er ohne Gedächtnis durch das winterliche Berlin streift und nach und nach herausfindet, dass er Teil einer weltweiten Verschwörung ist.

Klingt wie Jason Bourne… Nein, es ist kein Agententhriller. Auch ist es weniger klaustrophobisch, als man von mir gewohnt ist.

Wird es eine Fortsetzung von „Abgeschnitten“ mit Michael Tsokos geben? Ja, sobald wir eine Idee dazu haben. Aktuell haben wir noch keine, und wir werden auf keinen Fall einfach irgendeine Fortsetzung schreiben, nur weil „Abgeschnitten“ so  erfolgreich war. Aber Michael hat fast jeden Tag außergewöhnliche Fälle auf seinem Seziertisch, so dass ich mir sicher bin, dass wir irgendwann einmal wieder zu einer Zusammenarbeit inspiriert werden.

Wie gefällt Dir eigentlich die Verfilmung von „Das Kind“? Es ist ein Wunder, dass es diesen Film überhaupt gibt. Die Produktion hatte weniger Budget zur Verfügung, als eine Tatortfolge, und ja, er gefällt mir. Ich sehe Literaturverfilmungen vermutlich etwas anders als der Leser. Ich erwarte bei einer Romanverfilmung keine 1:1-Umsetzung der Buchvorlage, wie zum Beispiel Stephen King, der ja Shining unsäglich fand und sogar auf eigene Kosten nochmal eine TV-Adaption produzieren ließ. Ich selbst finde Shining mit Jack Nicholson übrigens sehr gelungen, weil er sich eben nicht so genau an die Vorlage hält und dafür dem, der das Buch schon  kennt, ein zusätzliches Vergnügen bietet.
Kann man heute von Schriftstellerei leben? Ja, aber wer nicht hin und wieder unter die Top50-Bestseller kommt, der hat es schwer. Am Anfang einer Karriere erhält man lediglich Centbeträge für die ersten Bücher.

Das Interview organisierte und führte für uns liebenswerter Weise CLIQUE-Kunde , Unterstützer  und Fan – André Detroit (movieman.de)!
Vielen Dank! ….. auch an Sebastian Fitzek, für die Zeit, die er sich genommen hat!

https://www.facebook.com/sebastianfitzek.de
http://www.sebastianfitzek.de/

Foto: Volkmar Otto

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