Interview – Berlins Bodyguard

v.l. Olaf Balitzki, Anita Tusch, Ahmad Mohammed

Viele kennen ihn noch aus den Zeiten, wo er sich als Türsteher oder Obstverkäufer seine Brötchen verdiente. Längst sind diese Zeiten vorbei! Ahmad Mohammed hat uns ohne großes Wenn und Aber in den Büroräumen seiner Security-Schule empfangen.

Wir wollten ihm ein Stück näher rücken und fern von der Außenwirkung und den bunten dramatischen „Stories“ um ihn herum einmal persönlich kennenlernen.
1964 wurde Ahmad in Beirut geboren. Auch er war, wie viele in Beirut in einem Kampf-Internat für Kinder und lernte dort mit Waffen umzugehen. Sein Vater ist durch eine Mörsergranate ums Leben gekommen. Die Familie, seine Mutter und neun Geschwister sind 1976 nach Berlin ge ohen. Mit 13 Jahren tauchte er in das Berliner Nachtleben ein und hat sich mit verschiedenen Jobs über Wasser gehalten. Sein Ruf als radikaler Schläger und Raus- schmeißer in Discotheken eilte ihm immer voraus und ist bei vielen bis heute haften geblieben. Für die Berliner Polizei ist er zum roten Tuch geworden und scheinbar bis heute – wie er selbst sagt – erhalten geblieben. Doch eines kann man ihm nicht absprechen, er ist der bekannteste Bodyguard Berlins. Zu seinen Schützlingen gehörten Menschen wie John Travolta, Claudia Schiffer, Steffi Graf, Mohamed Ali, Silvester Stallone, David Copperf eld, Madonna, Wesley Snipes, Sophia Loren, Ben Kingsley, Michael Gorbatschow, Caroline von Monacho und viele mehr.
Wenn man so vor ihm steht, wird einem bewußt, er ist wirklich breit wie ein Schrank, ziemlich groß und er kann auch sehr charmant sein. Er vermittelte uns das Gefühl, kein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Natürlich hat er früher viel Mist gebaut, so wie es Jugendliche manches Mal auch tun. Auf der Strasse geht es ums Überleben und so hat auch er in jungen Jahren um sein Überleben gekämpft. Ahmad hat viel Elend auf Berliner Strassen gesehen und wurde oftmals von anderenbenutzt und vorgeschickt. Er war der „Aufräumer“, der sich die Finger für andere schmutzig machte. Er hat viel gesehen und das was wir von ihm erfuhren lässt einen den Magen umdrehen. Wir haben beschlossen, Euch hier die Einzelheiten zu ersparen. Auch diese Erlebnisse haben sein Wesen geprägt. Er wollte sich irgendwie beweisen und hat oftmals auf die falschen Leute gesetzt, die ihn und seine Außenwirkung nur benutzt haben. Rückblickend sagt er von sich selbst, sei er sehr naiv gewesen und musste auch erst einmal reifen und seine Richtung  finden.

 

Den Anstoß für seine Karriere als Bodyguard verdankt er übrigens Christian Engel (Inhaber einer Kampfsportschule und Sicherheitsdienst). Seit 1989 kümmert er sich um die Sicherheit im Europa-Center. Sehr viele Kunden sind ihm treu geblieben, so wie z.B. auch die Douglas-Filialen, die bis heute mit
seiner Leistung zufrieden sind. Mittlerweile hat Ahmed 10 feste Angestellte und kann über 50 Mitarbeiter je nach Bedarf organisieren. Er leitet nicht nur seine eigene Sicherheitsfirma, vor zwei Jahren hat er zusätzlich eine eigene Academy – for – Security ins Leben gerufen. Hier werden regelmäßig
Workshops gehalten. Seine Workshops spiegeln das wider, was oftmals in der heutigen Zeit verloren gegangen ist. Professionalität zählt nicht mehr.
Er selbst sagt, Habgier ist das was heute regiert. Jeder „Platz“ auf den du aufpasst heisst „Kohle“. Die Sicherheitsbranche hat leider einen schlechten Ruf. Treue und Loyalität gibt es heute in vielen Bereichen kaum noch. Er hat für die Schulungen seiner Sicherheitsleute ein eigenes Konzept und eine eigene Philosophie entwickelt. Seine Akademie war eine der ersten in dieser Branche, die eine professionelle und gezielte Ausbildung anbieten. Es geht nicht einfach nur „um Muckis“, man muss auch kein Rambo sein und man muss auch kein Polizist oder Soldat sein, um ein guter Personenschützer zu werden.
Seine Mitarbeiter und Schüler müssen sich einer Eignungsprüfung unterziehen. Was zählt sind Charakter, Kollegialität, Souveränität, eine gute Portion Menschenkenntnis und Aufmerksamkeitsfähigkeit. Professionelles Training untermauern die Vorbereitung auf einen gut geschulten Security-Mitarbeiter.
Ahmad sprüht vor Selbstbewußtsein und dennoch erwischenwir eine schwache Minute. Er ist in seinem Job nicht nur Zielscheibe und Schutzschild, er fühlt sich immer noch als Ausländer und uns scheint, als wenn er für einen Moment traurig scheint, dass seine Arbeitsleistung und sein Einsatz – auch für Berlin – immer noch nicht gewürdigt wird. Als wir ihn fragten, ob er gerne in Deutschland lebt,  flackern seine Augen auf. „Aber ja“, sagt er, „ohne Deutschland wäre ich tot oder im Gefängnis“. Aber wenn ich alles das, was man mir bis heute nachsagt gemacht hätte, wäre ich noch immer nicht raus
aus dem Gefängnis. Nach vorne schauen, das ist die Devise. Ahmad, lass die Leute reden. Deine Philosphie für Deine Security-Schule hat uns sehr gefallen und auch die Offenheit, die Du uns entgegengebracht hast. Die Security-Schule läuft unter einem tollen Label „Egal wie erfolgreich Du bist, bleibe standhaft und helfe anderen“. Wir können dies bestätigen, Ahmad hat uns sofort Unterstützung und tolle Kontakte für die CLIQUE  weitervermittelt und zwar spontan. Handy gezückt…und telefoniert! Danke hierfür!

Auch einen ganz lieben Dank an Jürgen Sendel von pictureblind, der uns bei diesem Interview begleitet hat und für die CLIQUE die Fotos gemacht hat!

Mehr Infos erhaltet Ihr unter
www.academy-for-security.de + www.ahmad-security.de
Es gibt auch ein über das Arbeitsamt gefördertes Maßnahmen-Programm für
Jobinteressierte: Maßnahmennummer für das Job-Center: 955 / 00 81 / 2010

Keine Antworten zu "Interview - Berlins Bodyguard"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.