Ingolf Lück und die Seite Eins

Wo soll ich nur anfangen? Wir besuchten in der Bar jeder Vernunft das Stück von Ingolf Lück „Seite Eins“. Völlig unbedarft, wenig Erwartungshaltung, Vorfreude auf einen lustigen Abend saßen wir in dem schönen Spiegelzelt. Vielleicht sollte man sich doch vorher durchlesen, was auf einen zukommt.
Ganz ehrlich, in den ersten Minuten habe ich überlegt, ob ich aufstehen und gehen soll. Es war ein „lautes“ Stück, wirkte aggressiv auf mich. Zwischendurch dachte ich sogar, was stimmt mit dem Ingolf nicht. Doch so leicht, machte er es uns nicht. Dennoch fesselnd und beibleibend müssen wir sagen, dass dieses Stück sehr sozialpolitisch und ein echter Boulevard in Reinkultur ist. Nichts für schwache Nerven. Sehr wohl konnte man in der Pause ein lautes sprachliches Wirrwarr innerhalb des Publikums erkennen. Die Zuschauer diskutierten an den Tischen, man kam ins Gespräch. Gefällt uns was er da macht? Worum geht es? Will man das gar – gar nicht hören, was Ingolf Lück zum Besten gibt?

Schlußendlich können wir sagen, dass Ingolf Lück hier schauspielerisch ganze zwei Stunden das Publikum unterhalten hat und wirklich unglaublich rasant und sprachlich grandios uns einen Einblick – auch wenn etwas überspitzt – hinter die Kulissen des Journalismus gewährt hat. Er ist mit diesem Stück raus aus der Comedy-Ecke. Mutig sprach er immer wieder aktuelle Brandprobleme an und hat diese ziemlich provokant zum Besten gegeben. Wer Satire mag, ist hier sehr gut aufgehoben. Die Meinungen über dieses Stück gehen bestimmt ziemlich auseinander, einige befragten wir persönlich und der Tenor war gleich. Die meisten hatten eine andere Erwartungshaltung – doch zum Schluß haben wir alle das Gleiche getan – Ingolf Lück bekam vom Publikum kräftigen Applaus und ich übertreibe nicht, man kann fast schon sagen….tosenden Applaus.
Die Mediensatire „Seite Eins“ läuft noch bis zum Sonntag, den 20. März – hier gehts weiter!

Foto Headline: Volker Zimmermann

Zum Stück:
Schlagzeilen mit Prominenten wie Ottfried Fischer oder Christian Wulff beherrschen immer wieder die Titelseiten. Doch selten gelingt der Blick hinter die Kulissen eines Skandals. „Seite Eins“, die urkomische und bitter-böse Mediensatire von Johannes Kram, erzählt die „Story hinter der Story“ aus der Sicht eines Reporters. Das Publikum ist live dabei, wenn die junge Sängerin Lea versucht, sich den verhängnisvollen Gesetzen des Boulevards zu widersetzen. Gerade mit dem Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises ausgezeichnet, wird Ingolf Lück als Schauspieler und „leidenschaftlicher Theatermann“ gefeiert, der die Rolle des zwiespältigen Journalisten Marco „mit feinem Gespür für wechselnde Stimmungen zum Leben erweckt“ (Westfalen-Blatt).
„Seite Eins“ hat Diskussionen über das Wirken von Medien ausgelöst. Das NDR-Magazin „Zapp“ fragte: „Mit welchen Methoden arbeiten die Journalisten, die (…) für beispielsweise die „Bild“ arbeiten?“ und Medienanwalt Ralf Höcker, der u.a. Heidi Klum, Felix Magath und Jörg Kachelmann presserechtlich vertritt, erklärte: „Vieles in dem Stück wirkt so unglaublich, dass man es für übertrieben halten könnte. Doch im Prinzip habe ich all das in der Realität schon genau so erlebt.“ Regie: Christian Schäfer

Weitere Informationen: www.seite-eins.net

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