Immer noch ich

Dirk WinterfeldImmer noch ich! von Dirk Winterfeld

Als mich Anita vor einiger Zeit fragte, ob es nicht irgend etwas gibt, was ich gerne ein mal aussprechen möchte oder mir auf dem Herzen liegt, sagte ich zwar zu, wußte aber  eigentlich nicht so richtig, wo die Reise hin gehen würde. Als wir uns dann zu einem kleinen In terview im Sixties trafen, hatte ich zwar eine kleine Vorstellung davon, aber wann schreibt  man schon mal einen Bericht, der so interessant sein soll, dass ihn andere lesen? Aber gut, Bange machen gilt nicht, stürzen wir uns also in das Abenteuer, mal sehen wo wir landen wer den.

Also fangen wir mal an. Ich sitze seit einer Rückenmarks-OP im Februar 2000 im Rollstuhl, inkomplette Paraplegie lautete die Diagnose, also Querschnittslähmung mit Restfunktion. In meinem Fall bedeutet das, dass ich das rechte Bein noch eingeschränkt nutzen kann. Querschnittsgelähmt zu sein erschien mir, wie man sich den ken kann, wie ein Todesurteil. Nicht mehr laufen zu kön- nen, auf die Hilfe andere Menschen angewiesen zu sein, das konnte ich mir nicht wirklich vorstellen. Heute, 10 Jahre später kann ich sagen, es war zwar ein schwieriger Weg für meine Familie, für meine Freunde und auch für mich, aber wir haben es glaube ich ganz gut hin bekommen. Wichtig für mich war die Erkenntnis: ICH BIN IMMER NOCH ICH!

Sicherlich war und ist nicht alles Gold was glänzt, aber eigentlich führe ich ein relativ erfülltes Leben. Es gibt hier und dort z. T. unsinnige Barrieren, über die ich mich sehr zum Leidwesen meiner Freundin zu oft aufrege, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich mit mehr Gelassenheit viel weiter kommen würde. Die unebenen Gehwege sind Kraft raubend, die Bordsteine oft zu hoch. Die Bürgersteige sind mit einer Neigung gebaut, damit das Regenwasser ablaufen kann, das bedeu tet man kann nur einhändig fahren, weil man mit der ande ren Hand gegensteuern muss.

Die besetzten Behindertenparkplätze, die oftmals fehlenden Behinderten-WC’s, die unsinnigen Drehkreuze bei Lidl und Co. die nicht nur Rollstuhlfahrer behindern, sondern ebenso Menschen mit Rollator und Eltern mit einem Kinderwagen. Ärgerlich ist auch das Bestellen von Theaterkarten per Telefon, weil die Karten für Rollstuhlfahrer direkt vom Veranstalter vergeben werden, und der Mensch am Telefon erst Rücksprache halten muss, mit dem Ergebnis, dass man allein im Theater sitzen muss, weil die Begleitperson oft nur in der Nähe Platz gefunden hat. Auch die leider oft defekten Fahrstühle der U-Bahn sind ein großes Ärgernis. An guten Tagen kommt man damit zurecht, an schlechten Tagen versaut es einem den Tag. Aber es wäre unrecht, wenn man die positiven Aspekte unerwähnt lassen würde, also werde ich auch darüber sehr gerne ein wenig erzählen.

Da wäre mein Arbeitgeber, der mir von Anfang an zugesichert hat, dass ich weiterbeschäftigt bleibe. Meine Kollegen, die mir helfen, wenn ich Hilfe benötige. Super finde ich es auch, dass es bei C&A in der Schloßstr. sogar eine rollstuhlgerechte Umkleidekabine gibt.
Erwähnen möchte ich auch Reha-Mobil einer rollstuhlge rechten Autowerkstatt mit ehrlichen Preisen, wo man auch als Frau nicht übervorteilt wird, bei MAZDA in der Malteserstr., die super hilfsbereit sind.

Vor allen Dingen aber möchte ich mich bei meiner Freundin Katja bedanken, die mir eine große Stütze ist, was ich ihr aber glaube ich zu selten sage, also nutze ich die Gelegenheit und sage: „Danke mein Schatz!“

Anita, ich wünsche Dir viel Glück mit diesem Magazin, und eines hat unser Gespräch bereits bewirkt, ich werde Deinen Ausspruch: „Kämpfe nicht GEGEN, sondern immer FÜR etwas“, zukünftig etwas mehr beherzigen.

Vielleicht trägt dieser kleine Bericht ja zu mehr gegenseiti gem Verständnis bei, für Leute mit sichtbaren und unsichtbaren Einschränkungen, wo aber auch die behinderten Menschen Nachsicht üben, gegenüber den nicht behinderten Menschen, die oftmals nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.   Das wäre schön!

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