Im Gespräch mit Oliver Korittke

korittke zdf wilsberg  foto thomas kost

Ausschnitt aus Wilsberg. Ekki (Oliver Korittke, re.) und Wilsberg (Leonard Lansink) – Foto: Thomas Kost

Oliver Korittke ist einer der Schauspieler Deutschlands, der authentisch, wie der nette Nachbar wirkt. Er spielt in einer ganzen Vielzahl Filmen und TV-Serien mit und lebt mitten unter uns . Ich hatte die Gelegenheit, ihn für CLIQUE interviewen zu dürfen. (Ein Interview von André Detroit)

„Oliver, Du bist ja im Süden Berlins groß geworden. Erzähl doch mal etwas aus Deiner Jugend.“

Ich bin 1968er Jahrgang in  Tempelhof zur Welt gekommen. Mit 2 oder 3 Jahren sind meine Eltern mit mir nach Steglitz gezogen und da haben wir jetzt seit 40 Jahren eine Kneipe in der Altmarkstrasse. Da hat mein Opa 1966 das Altmark-Eck eröffnet. Das war mein Kiez. Ich war viel auf dem Lauenburger Platz, damals gab es dort noch die Kinos „Allegro“ und „Apollo“. Ich habe ja durch meine Eltern viel mit Erwachsenen zu tun gehabt und wurde dann von einem Filmscout vom SFB angesprochen und bin so zur Sesamstrasse gekommen. Wir haben damals noch „Klingelfußball“ gespielt, weil kaum Autos auf den Straßen fuhren. Ich war auch viel auf dem Insulaner.

Steglitz ist auch heute noch für mich sehr wichtig, weil es für mich ein Rückzugsort ist, den ich kenne, und an dem meine  Erinnerungen meine Wurzeln sind. Wenn ich zu Dreharbeiten unterwegs bin, dann bin ich ja meistens an irgendeinem hektischen Brennpunkt und wenn ich zurückkomme, dann erhole ich mich hier einfach, weil mir die Gegend und die Leute sehr vertraut sind.

In Steglitz bin ich mit dem BMX-Rad am Bürgersteig hängen geblieben, habe hinter der Kirche am Friedrich-Wilhelm-Platz das erste Mal was aufs Maul bekommen, obwohl ich gar nichts gemacht habe. Oder wo ich auf einer Pappe Breakdance gemacht habe. Ich sehe heute immer noch diesen Verrückten, den kennt sicher jeder in Steglitz. So ein Typ mit Segelohren, läuft mit Hochwasserhosen und redet immer komische Sachen und hat immer Fotos von seiner Freundin gezeigt. Den kenne ich seit ich 6 oder 7 Jahre alt war. Das sind so Sachen, die kann mir keiner mit Geld, oder Reisen aufwiegen. Ich kann es jedem nur empfehlen, zurück zu seinen Wurzeln zu ziehen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, woanders zu leben. Ich erinnere mich noch, wie ich mit Freunden Zombie im Kino geschaut habe, obwohl wir noch viel zu jung waren und danach überlegt haben, wie wir das Forum Steglitz stürmen, weil da noch „Otto Boenicke“ drin war.

 

Ausschnitt aus "Wilsberg" (ZDF)

Ausschnitt aus „Wilsberg“ (ZDF) – Foto:Thomas Kost

Film war schon immer Deine große Leidenschaft. Wie kam das?

1972, im Alter von 4 Jahren habe ich das erste Mal gedreht. Das war Sesamstrasse Folge 83 und die ist bis heute verschollen. Dann kamen Sachen wie „Aktion Grün“, „die 3  Klumberger“ und „Sternsommer“. Ich hatte schon etwa 200 Drehtage im Jahr. Ich hatte bis 18 Jahre schon so ettliche Auftritte z.B. in „Die Schwarzwaldklinik“, 3 Damen vom Grill“ und „Ich heirate eine Familie“. Aber ich habe damals nie eine permanente Rolle gehabt, sondern bin immer vom Kinofilm zu einer Serie hin zu Hörbüchern und aktuell zu „Wilsberg“ gesprungen. War da überhaupt noch Zeit für die Schule? Ich bin damals auf die private Kantschule in der Grunewaldstrasse gegangen. Das war eine sehr schöne Zeit. Immer wenn ich dort vorbeigehe, ist es wie eine kleine Zeitreise in meine Jugend.

Wir kennen uns ja schon ein paar Jahre und immer wenn ich Dich sehe, habe ich den Eindruck: „Du bist privat genauso, wie in Deinen Rollen“. Ist das so und wenn ja, ist das Absicht?

Für mich ist ein Schauspieler jemand wie Mastroianni, der sagt: „Wenn mir der Regisseur sagt WEINE, dann weine ich“. Und so bin ich auch. Ich muss nicht 5 Runden um den Platz laufen, um jemanden außer Atem zu spielen, sondern ich spiele es einfach. Ich halte nicht viel von dem so genannten „Method Acting“ wo Leute wochenlang wie ein Penner leben, um ihn dann richtig spielen zu können. Ich finde es besser für einen Schauspieler, von einer Sekunde auf die andere „Krebs zu haben“, ohne es selbst erleben zu müssen. Schauspielerei entsteht nicht bei mir, sondern beim Zuschauer, durch das, was ich ihm vorspiele.
Gibt es eine Rolle, die Du unbedingt mal spielen möchtest? Ja, ich habe gerade gehört, dass „Das kalte Herz“ neu verfilmt wird. Da ich aber für Köhler und Munk mittlerweile zu alt bin, gibt’s vielleicht noch ein paar andere Rollen, für die ich geeignet bin. Aber Peter Munk wäre meine absolute Traumrolle. Aber ich träume auch von einem eigenen Krimiformat, so wie Schimanski. Jemand aus dem Milieu, jemand der zum Beispiel ein verdeckter Ermittler aus der Hip Hop-Szene und Jugendbanden kommt und einen persönlichen Konflikt mitbringt, weil er selbst aus der Szene stammt. Das könnte ich mir gut vorstellen.

Wenn man Oliver Korittke erwähnt, haben viele kein eindeutiges Bild von Dir und Deinen Rollen, wie beispielsweise William Shatner als Captain Kirk. Aber trotzdem kennt Dich scheinbar jeder. Ist das ein Vorteil für Dich?

Also wenn man davon ausgeht, dass man bei Martin Semmelrogge „Das Boot“ sagt und bei Til Schweiger „Manta Manta“ und bei mir „Bang Boom Bang“, dann ist es für mich ein Vorteil. Ich finde es gut, wenn man in der Filmszene noch nicht so auf eine feste Rolle gesetzt ist. Das gibt mir eine größere künstlerische Freiheit. Ich verstehe mich als ein volksnaher Schauspieler.

Was macht Oliver Korittke gern privat? Ich sammle seit meiner Jugend Spielzeug von Star Wars, Actionfiguren und Turnschuhe und habe eine Riesensammlung, die ich sehr gut behandle. Ich habe sicher auch noch 10 BMX-Räder, auf denen ich heute aber sicher nicht mehr so gut aussehe. Es wird auch bald wieder eine Ausstellung geben.

Oliver, ich Danke Dir für das Interview.
Das Interview führt für uns CLIQUE-UNTERSTÜTTZER:  André Detroit

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