im Gespräch mit der Herausgeberin dieses Magazins

das Foto machte ganz spontan Peter Röther von PR-Fotopress auf der Trabrennbahn in Mariendorf. Dankeschön, Peter!

André Detroit hatte schon vor langer Zeit einmal angeregt, ein Interview mit mir machen zu wollen, das hatte ich bisher immer abgelehnt. In Anlehnung des 4-jährigen Bestehens der CLIQUE und auch als „Abschluß“ für mein „Krebs-Jahr“ dachte ich, der Zeitpunkt wäre jetzt vielleicht ideal. Hier jetzt der Print-Artikel aus der aktuellen Ausgabe von André Detroit initiiert:

Anita tanzt stets auf 1000 Hochzeiten, kennt jeden und jeder kennt sie. Zumindest glauben die meisten, sie zu kennen. Es war längst überfällig, trotz Kur, Urlaub und Heftstress, „Anna“ mal zum Plausch zu drängen, um die Powerfrau und Gründerin der „CLIQUE“ mal etwas näher kennenzulernen.

Anita, jeder kennt einen kleinen Teil Deiner vielen Facetten. Schildere mir die wichtigsten Stationen in Deinem Leben. Ach herrjee, die wichtigsten Stationen? Kannst Du mir nicht eine einfachere Frage stellen!? Darüber habe ich noch nie nachgedacht.

Beim Senator für Inneres habe ich „Büroassistentin“ gelernt und der erste elementare Schritt, war der Weggang vom öffentlichen Dienst. Die freie Wirtschaft reizte mich mehr. Ich war schon damals sehr freiheitsliebend (lacht). Meine Eltern waren nicht begeistert, dass ihr Kind einen finanziell sicheren Weg verließ. Doch genau dieser Schritt sollte maßgeblich für den beruflichen weiteren  Werdegang sein. Rückwirkend betrachtet, hatte ich nie Angst einen Job zu verlieren oder zu wechseln. Viele haben mich oftmals als verrückt bezeichnet, wenn ich einen Job wechselte der gut bezahlt war aber nicht glücklich machte.

Über 25 Jahre verbrachte ich in verschiedensten Unternehmen als Sekretärin bis hin zur Management-Assistentin. Am längsten war ich (fast 10 Jahre) bei der KiKi-Petermann GmbH beschäftigt. Dieser Job hat viele Grundsteine gesetzt, die für meine heutige Arbeit goldwert sind. Mein ehemaliger Chef, Andreas Wiek (heute Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Art+Com AG), ist für mich der beste Chef, den ich je hatte. Wenn er mich kritisierte, dann eher konstruktiv und beratend. Er hat vielfach Verantwortung übertragen und nie gemaßregelt, wenn ich etwas verbockt hatte. Das hat unheimlich viel Selbstvertrauen und Mut geschaffen, Dinge einfach anzupacken. Ich bin ihm für diese Zeit sehr dankbar. Noch heute stehen wir in Kontakt und ich kann mich mit ihm austauschen. Neben den beruflichen Stationen war für mich einer der schönsten Momente, die Geburt meiner Tochter. Ich weiß noch heute, was für ein Glücksgefühl das war und noch immer ist.

Der berufliche Werdegang rutschte sofort in den Hintergrund, da ich zeitlich für meine Tochter da sein wollte. Dennoch konnte und wollte ich auf Arbeit nicht verzichten. Mit 40 stand die Frage im Raum, wie lange ich in meinem Job noch arbeiten möchte und stellte fest – keine einzige Minute mehr. Das war wohl einer meiner schwersten und prägnantesten Entscheidungen meines Lebens. Ich wollte unbedingt in die Selbständigkeit. Im Grunde war der Wunsch schon immer vorhanden. Vor meiner Ehe gab es einszwei  halbherzige Anfänge.

Jetzt wurde es ernst. Es stellte sich nur die Frage, womit? Nach einigen „Ausreißern“ und Probe-Jobs habe ich 2008 eine GmbH mit mehreren Geschäftspartnern gegründet und ein Internetportal für Firmen programmieren lassen. Das Internet und dieses Projekt hat mich viel über das Thema Programmierung u.v.m. gelehrt, sodass ich später eine eigene Web-Agentur gründete. Die heutigen „webjuwelen“. Jedoch sollte ich vorher doch noch einmal in das Angestelltenverhältnis wechseln. Meine Anteile an der GmbH verkaufte ich und nahm ein gutes Angebot in einem anderem Start-Up Unternehmen als Project Managerin Marketing an. Ein spannendes Jahr, doch glücklich war ich nicht. An einem schönen Abend in einer Kneipe, saß ich mit meinem guten Freund, Olaf Balitzki zusammen. Wir schwafelten über das Leben und was alles Spaß machen könnte. Da fiel mir die Idee einer eigenen Zeitung ein, ich meinte das nicht wirklich ernst. Aber Olaf, der mir damals den entscheidenden Anschubser gab, meinte ganz ernst: „Ja, mach das, ich helfe Dir.“ Und so wurde im Mai 2010 die erste Ausgabe mit Hilfe von vielen Freunden und Bekannten geboren.

Mittlerweile haben wir unter der mithilfe von so vielen Menschen 18 Ausgaben machen können. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut.
Wie erging es dir als du von dem Krebs erfahren hast? Als ich im Juni letzten Jahres die Diagnose Brustkrebs erhielt, wollte ich zu allererst niemanden davon erzählen. Es traf mich mehr als ein Keulenschlag ins Gesicht. Es hat über drei Wochen gedauert, sich wieder zu sammeln. Natürlich war das nicht zu verheimlichen, denn nach der ersten und ganz sicher nach der zweiten Chemo würden mir die Haare ausfallen. Mir war klar, wenn ich diese Zeit halbwegs normal durchstehen sollte, dann musste ich die Flucht nach vorne ergreifen. Die andere Seite war, dass ich vor dieser Erkrankung selbst große Berührungsängste mit diesem Thema hatte.

Du bist sehr offen mit Deiner Erkrankung umgegangen. Was hat Dich dazu veranlasst? Wir hatten gerade das 3. Jahr CLIQUE gefeiert und so langsam kam alles ins Rollen. Auf einmal soll alles vorbei sein? Ich wollte meine Arbeit auf keinen Fall aufgeben. Verstecken wollte ich mich auch nicht. Mein öffentliches Outing damals war nicht leicht. Aber das Feedback war so überwältigend, dass ich in dem Moment wusste, das ist der richtige Umgang mit der Erkrankung und die Menschen um mich herum gaben mir dadurch unheimlich viel Motivation weiter zu machen.

Wie hat sich das letzte Jahr auf Dich ausgewirkt? Ein Schicksalsschlag dieser Art gibt einem überraschenderweise innere Ruhe. Vor dieser Erkrankung habe ich mir viele Sorgen gemacht vor allem existentielle. Wer hat sich das nur ausgedacht, hab ich mich ständig gefragt. Sich Sorgen machen – ist ja totaler Quatsch. Ist wie im Schaukelstuhl sitzen, man ist zwar beschäftigt, aber man kommt nicht voran. Manchmal hoffe ich, dass diese Gelassenheit lange anhält. Die Momente im Alltag nimmt man bewusster wahr. Ich habe das Gefühl, wenn mich etwas berührt und ich traurig bin, bin ich trauriger als früher und wenn ich glücklich bin, glücklicher als früher. Während der Chemo-Phasen war ich manchmal emotional sehr aufgewühlt, vielleicht auch etwas aggressiv, glücklicherweise habe ich einen tollen Freundeskreis mit viel Verständnis und Humor. In solchen Phasen verändern sich auch Freundschaften und Weggefährten. Es ist schwer für andere nachzuempfinden, wenn du eine Krankheit hast, die das Leben beenden könnte. Der Gedanke „Weiterleben“ oder „Sterben“ ließ mich nicht mehr los. Die vermehrte Metastasenbildung schürte immer mehr meine Angst. Da kann man schon mal ziemlich sauer werden. Dennoch, auch wenn es komisch klingt, ich hatte in dieser Zeit wenig schlechte Momente, aber dafür umso mehr schöne Erlebnisse und Erfahrungen machen dürfen.
Wie geht es weiter? Welche Pläne hast Du? Als nächstes steht ja die 4. CLIQUE-Geburtstags-Party im September an. Auf diesen Tag freue ich mich sehr und wir sind bereits in den Vorbereitungen. So richtig Pläne hab ich gar nicht. Ein normaler Arbeits- und Lebensrhythmus, das wäre schön. Die Sorgen hinter mir lassen, Schwung in mein Leben bringen, kleine Schritte gehen. Eines nach dem anderen.
Anita, was würdest Du sagen, wenn Du Dich in 1 Satz beschreiben müsstest: Darf es auch ein Schachtelsatz sein…(lacht, sie ist bekannt für Schachtelsätze). Eine ganz unnormal normale Frau, die das Leben so versucht zu nehmen, wie es kommt und ich möchte irgendwann einmal herausfinden, wer diesen Spruch kreiert hat: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten weitergehen.
Anita, Du hast dieses Print- und Online-Magazin vor 4 Jahren ins Leben gerufen. Was magst Du besonders an Deinem Job? Das Schönste an meinem Job sind die vielen spannenden und interessanten Menschen. Es gibt nichts Schöneres, als die Geschichten aus unserem Umfeld, egal ob Künstler, Unternehmer oder einfach von Dir und mir. Ich verfolge damit im Grunde ein Ziel: Ich möchte anderen Menschen Mut machen, etwas anzupacken und umzusetzen und dafür zu leben, was ihnen Spaß macht.

Was denkst Du, wenn Du morgens in den Spiegel schaust: Haha, ich kann morgens gar nicht denken. Morgens bin ich gut drauf, aber es dauert eine Weile bis ich wirklich wach bin.
Anita, ich Danke für die off enen Worte und freue mich auf ein rauschendes Fest zum 4. Jahrestag der Clique.

 

Foto oben: Peter Röther von PR-Fotopress

 

 

Das Interview führte :
André Detroit von movieman.de

Keine Antworten zu "im Gespräch mit der Herausgeberin dieses Magazins"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.