Ich weiß, dass ich die Welt nicht verändern kann, aber vielleicht etwas bewegen. (Uli Borowka)

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v.l. Olaf Balitzki, Uli Borowka und ich. Das Foto hat übrigens Jürgen Sendel von pictureblind.de für uns gemacht!

Uli Borowka hatte viele erfolgreiche Jahre im Fußball, doch mitten in seiner Blüte ging es bergab – Alkohol hieß sein Abstieg!Im Jahre 2000 verbrachte er – auchwenn nicht ganz freiwillig – vier Monate in einer Fachklinik in BadFredeburg um seiner Alkoholkrankheit eine Grätsche zu verpassen!

Jedes Jahr ohne Alkohol ist seither ein Jubiläum. Mit diesem Jahr geht er ins 13.te Jubiläumsjahr hinein, als trockener Alkoholiker.

Letztes Jahr im Oktober erschien seine Biografie „Volle Pulle“ – Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker. Wir treffen uns in der Pariser Strasse im Restaurant OKEH. Diesen Ort haben wir ganz bewusst ausgewählt. Der Betreiber Olaf Balitzki (Balli) kennt Uli persönlich und so findet ihr auch einige Passagen im Buch, die die gemeinsame Zeit von Balli und Uli wiedergeben. Spannend wenn man über einen Menschen etwas liest, den man kennt – den ich kenne! Uli beschreibt Balli als echten Freund, jemanden auf den man in der Not zählen kann. Viel Freunde kann ich in seinem Buch nicht entdecken, ist also ein echtesKompliment an Balli. Und ich kann das nur bestätigen. Das Buch habe ich übrigens von Anfang bis Ende durchgelesen. Es liest sich wie ein spannender, kurzweiliger Fußball-
Krimi. Natürlich ist verdammt „viel Fußball“ drin, derAlkohol – wie in der Realität – schleicht sich ganz langsam mit ein. Es ist Uli Borowkas Biografie, ungeschminkt,ehrlich, hart und wie er selbst sagt „ich hab mich bis auf die Unterhose ausgezogen!“

Das Trikot ordentlich in der Hose: Seine ersten fußballerischen Gehversuche mit
dem SG Hemer 08

 

Interessant für mich sind u.a. die unterschiedlichen Charakteren der Trainer Jupp Heynckes sowie Otto Rehagel . Uli beschreibt seine Kindheit und Jugend, die ersten Schritte bei Borussia Mönchengladbach, die Lehrjahre bei Jupp Heynckes, das Bundesliga-Debüt, das legendäre Finale gegen Bayern München, seine Zeit mit Lothar Matthäus, seine Niederlagen sowie über seinen traurigen Abschied. Alkohol ist immer wieder und später dann auch immer öfter sein Begleiter. Zuviel möchte ich nicht verraten, ihr sollt es selbst lesen!
Eines kann ich noch sagen. Das Buch ist Oktober letzten Jahres erschienen und somit nur 10 Wochen präsent gewesen. Es gelangte dennoch in dieser kurzen Zeit in die Top 50 der Bestseller-Liste 2012! Davon träumen andereund auch (fußballspielende) Autoren!

Wie es hier im Süden Berlins und der CLIQUE oftmals so ist – ja, auch ein Uli Borowka ist mir schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Auf Veranstaltungen (nach 2000) konnte ich ihn oftmals sehen, gesprochen haben wir nie – immer nur „geguckt“ – doch eines ist mir jedes Mal aufgefallen.Er trank immer nur Wasser und beobachtete die Menschen. Über sein Alkoholproblem sprach man hinter vorgehaltener Hand. Nur, wie und was und warum – darüber wurde nie gesprochen! Und ob er wirklich „trocken“ ist, stand für mich im Raum! Wie sagt man so schön, man sieht sich immer 2x im Leben. Nun sitze ich mit Balli neben Uli und wir kommen recht schnell ins Gespräch.

Der Frischling: Sein Bundesliga-Debüt für Borussia Mönchengladbach durfte Uli am 6. März gegen den 1. FC Nürnberg feiern

Kaum ist Uli im OKEH angekommen, werden auch schonHände geschüttelt, nein nicht meine, ein alter Bekannter freut sich so sehr Uli zu sehen und „gibt einen aus“. Uli trinkt Cola und bekommt noch eine dazu. Uli erzählt uns, dass er kurz vor Weihnachten zum ersten Mal – nach über 12 Jahren – in seiner Suchtklinik in Bad Fredeburg zu Besuch war. Er war zu einer Lesung eingeladen. „Ein mulmiges
Gefühl überkam ihn, doch die Einladung nahm er an. Uli darf sein altes Zimmer besuchen, die Aufnahme, den Gemeinschaftssaal. Einen bekannten Pfleger trifft er noch an und den Klinikleiter, den kennt er noch aus„seinen Zeiten“. Mehr als überwältigt war er dann, als er
den Saal betrat. Über 300 Menschen erwarteten ihn, er kämpfte mit den Tränen, erzählte er uns. „Mit so viel Andrang habe ich nicht gerechnet!“
Er wird ununterbrochen zu Lesungen eingeladen und stellthierbei fest, die meisten Menschen interessieren sich sehr für das Thema „Alkohol“. Wie hast Du das geschafft, Uli? Wie viel Alkohol hast Du damals denn getrunken? Kannst Du uns mehr über das Thema Co-Abhängigkeit erzählen? Die Lesungen bereitem ihm großen Spaß. Gemeinsam mit dem Journalisten Alex Raack, der für ihn das Buch geschrieben hat, ziehen sie von einer Stadt in die nächste. Die Lesungen sind spannend aufgebaut. Alex Raack liest den sportlichen Teil und Uli, die zwischengesetzten Therapie-Berichte, die er während seines Aufenthaltes in der Klinik schreiben musste. Das Publikum
scheint diese Form der Lesung sehr zu gefallen. Die Veranstalter kommen oftmals mit der vorgegebenen Zeit nicht hin, da das Publikum ohne Ende Fragen an Uli stellt. Uli bekommt nach eigenen Aussagen tausende von E-Mails und tägliche Gästebuch-Einträge auf seiner Website. Ob Professoren, Schulen, Vereine, Stadtmissionen, Justizvollzugsanstalten gar die Bundesdrogenbeauftragte
und selbstverständlich die Medien (wie z.B. ZDF, NDR, Sat 1, RTL, WDR, nicht zu vergessen die Sport-Medien) – alle wollen mit ihm sprechen. Uli ist überrascht und überwältigt über die große Resonanz.

Gestatten: Uli Borowka! Die Grätsche gegen Bayern Superstar Karl-Heinz Rummenigge im Pokalfinale 1984 machte ihn berühmt

Gleichzeitig zieht er viel Kraft aus diesem Feedback. „Ich habe das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben“, erzählt uns Uli. Ein  gesellschaftliches Problem und vor allem ein Tabu-Thema hat er zum Gespräch gemacht, nebenbei kommt seine Liebe zum Fußball natürlich auch nicht zu kurz. Diese Leidenschaft hat er nie abgelegt und freut sich auch in diesem Segment Interviews, Treffen und Events anzunehmen. Uli ist sichtlich stolz: „Es freut mich sehr und macht mich glücklich, dass mein Buch Anlass gegeben hat,  mehrfache Diskussionen zum Thema Alkohol aufzunehmen.“

Uli wirkt auf mich wie im Buch beschrieben, er ist prädestinierter Kämpfer, diszipliniert, eisenhart – die Axt – wenn es darum geht, etwas zu erreichen. So richtig kann ich nicht in ihn hinein schauen. Sein Wille scheint stark, er wirkt dennoch auf mich authentisch. Seine Pläne durchaus realistisch. Er weiß, dass viele Menschen Hilfe benötigen doch für ihn gilt: „Ich rede von mir, wie ich es geschafft
habe. Jeder hat seinen eigenen Weg, ich kann keinen Rat geben, ich kann nur von meinem Weg erzählen!“ Doch genau dies, scheint den Menschen zu helfen und Mut zu machen.

In Planung ist ein eigener gemeinnütziger Verein der als Anlaufstelle für alkoholabhängige Profis und Jugendliche dienen soll. Für Uli steht fest, „Noch heute gilt, outest Du Dich, egal ob als Schwuler, Alkoholiker oder Drogenabhängiger, du wirst fertig gemacht! Wir möchten Wege finden, wie wir helfen können.“ Seit 2007 ist er mit einer eigenen Sport-Marketing-Agentur selbständig, nebenbei trainiert er Kinder und Jugendliche.
Er verspricht uns, eine Lesung im OKEH zu machen! Das wäre klasse, wir nehmen Dich beim Wort, Uli!
Zum Abschluß sagt er dann noch einen Satz, der mich sehr bewegte: „Ich weiß, dass ich die Welt nicht verändern kann, aber vielleicht etwas bewegen!“..und dann verschwand Uli. Er muss früh raus, SAT 1 Frühstücksfernsehen steht an!

 

UNSER BUCHTIPP:

Uli Borowka – Volle Pulle – Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker. Übrigens mit „starkem“ Vorwort von Jupp Heynckes.
Die gebundene Ausgabe hat 302 Seiten, Edel-Verlag Das Buch kostet 19,95 € und ist ein Muss für Fußballer,Fußballbegeisterte und alle anderen. ISBN: 978-3-8419-0179-8
www.uli-borowka.de
https://www.facebook.com/uliborowka.de

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