hinter Mauern…

Fussball hinter MauernDurch das Benefizspiel des Mariendorfer SV 06, wir berichteten darüber vor kurzem..hier.. haben wir Kontakt zu dem Pressesprecher Marco Lutz aufnehmen können. In einem weiteren Telefonat erzählte er von einem Herzensprojekt, welches doch meines Erachtens wirklich „der anderen Art“ ist und ich noch nie davon gehört hatte.

Fußball spielen im Gefängnis!

Wohl nichts Neues. Denn letztes Wochenende fand nämlich schon das 36. Wohltätigkeitsturnier in der Jugendstrafanstalt Berlin statt. Ganz kurzfristig war es möglich, uns selbst  einen Eindruck darüber zu verschaffen. Als Gäste dieses Turniers waren die Justizsenatorin Gisela von der Aue, der BFV-Präsident Bernd Schulz und BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang vor Ort.

Ganz ehrlich, ich war noch nie in einer Jugendstrafanstalt und ein etwas komisches Gefühl war es schon. Wir sind ganz freundlich empfangen worden und wurden von der äußerst sympathischen Pressesprecherin Janina Deininger abgeholt. Irgendwie hatte ich Sie mir ganz anders vorgestellt. Frau Deininger führte uns durch die Anstalt und der Weg ging direkt zum Fußball-Platz.  Wir trafen mitten im Geschehen ein, ein spannendes Spiel lief schon und wir fühlten uns ganz schnell wie auf einem völlig normalem Fußball-Platz. Es wurde angefeuert, gebolzt und über jedes Tor  gejubelt.  Es gab Austausch und Miteinander zwischen den Mannschaften. Normalerweise sollte man annehmen, dass eine Art Spannung auf dem Platz herrschen könnte. Glaubt mir, ich habe ein Feeling für solche Dinge. Aber ich fühlte mich recht schnell wie auf einem ganz normalem Fußballplatz.

6 Mannschaften sind angetreten, mit dabei waren das Oberstufenzentrum Wilmersdorf , Kindl Karlshorst, FC Brandenburg, der Lichterfelder FC 1892 , der Mariendorfer SV und natürlich die JSA-Auswahl.

Zum Abschluß gab es für jede Mannschaft einen Pokal und jeder Platz wurde kräftig bejubelt. Besonders und sichtlich gefreut hat sich aber dann doch die Mannschaft der Jugendstrafanstalt über ihren 2. Platz. Der Mariendorfer SV belegte übrigens ganz souverän den 3. Platz. Für den 1.Platz der vom Lichterfelder FC belegt wurde gab es einen Wanderpokal.

Nach dem Ritual der Siegerehrung bemerkte ich doch recht schnell wieder, wo ich war. Der Leiter der Sportabteilung bat die Spieler der JSA sich zu separieren und in der Sporthalle einzufinden. Ich hatte doch glatt einen langen Moment vergessen, dass das Spielfeld mit Mauern umsäumt ist.

Für diese Jungs ist dieser Tag ganz sicher ein besonderer Tag und ein Stück Normalität. Vielleicht konnten auch sie für einen Moment die Mauern vergessen. Ich finde es toll, dass es solche Möglichkeiten gibt,  wieder an der sogenannten Realität teilhaben zu dürfen und sich vielleicht auch zu erinnern, dass es „da draußen“ im Leben schöne Dinge gibt, für die es Wert sein könnte, wieder auf den rechten Weg zu kommen.

Mehr über dieses Projekt und die Hintergründe erfahrt Ihr in der November-Ausgabe unseres Printmagazins CLIQUE.

Das erste Turnier dieser Art wurde übrigens  am 25.10.1975 in der JSA Berlin, damals noch JVA Plötzensee, durchgeführt. Die JSA-Auswahl wurde seit dem Jahr 2000 nur einmal von einer Gastmannschaft besiegt; 2006 konnte die Mannschaft des FC Brandenburg den Pokal mit nach Hause nehmen.


1 Antwort zu "hinter Mauern..."

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