Herrschaft über das Feuer

Wir besuchen spontan die Rixdorfer Schmiede im alten Zentrum des Berliner Ortsteils Neukölln-Rixdorf am Richardplatz.

Bei dem Wort Schmiede muss ich an Pferde, glühendes Feuer, stickige Luft, Hufeisen und schwere Werkzeuge denken. Und wie ich herausfinde, natürlich hat die Rixdorfer Schmiede, die im Jahre 1624 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, mit diesem Handwerk des Hufschmiedes auch begonnen.
Als ich die Schmiede betrat, roch es nach offenem Feuer, es ist dunkel, ein wenig unheimlich und dennoch eine spannende Atmosphäre. Ein uraltes Handwerk wird hier noch ausgeführt. Ich sehe keine Maschinen mit Leuchtdioden oder ähnlich

Martin Böck u. Gabriele Sawitzki

neumodischen Kram. Hier scheint alles noch ursprünglich und authentisch zu sein. Ich lerne Gabriele Sawitzki (Chefin des Metallbauteils der Rixdorfer Schmiede) und Martin Böck (Messerschmiedemeister) kennen. Die beiden haben die Herrschaft über das Feuer in Berlins ältester und denkmalgeschützten Schmiede. Gemeinsam sind sie ein wertvolles Team im Bereich Metallbau, Kunst- und Messerschmiede.
Während sich Gabriele dem Schwerpunkt Bauen im Denkmalbereich widmet und für die „schweren“ Arbeiten zuständig ist, kümmert sich Martin um die feinen Schmiedearbeiten und die Messer. Er schleift Messer sowie alles andere was mit „Schneiden“ zu tun hat.  Damaszenerklingen und Schmuckanhänger werden von ihm gefertigt. Nachbildungen von historischen Gittern werden in gemeinsamer Arbeit ausgeführt. Eine Symbiose aus Handwerk und Kunst ist hier geschaffen.

Die Rixdorfer Schmiede selbst dient heute noch als gewerbliche Kunstschmiede. Darüber hinaus werden handwerkliche Vorführungen und Schmiedekurse angeboten. Natürlich dient hier die Kunstschmiede speziell bei Veranstaltungen wie Die Lange Nacht der Museen,
48 Stunden Neukölln oder Tag des offenen Denkmals und nicht zuletzt beim Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt als beliebter Anlaufpunkt.

Wie uns Gabriele berichtete, ist die Rixdorfer Schmiede, die ein wenig noch das „alte Berlin“ verkörpert und bewahrt, idealer Anlaufpunkt für Politiker, Schauspieler und traditionsbewusste Unternehmen. So gaben sich hier nicht nur Willy Brandt oder Richard v. Weizsäcker, sondern auch Komiker Kurt Krömer oder gar das Fernsehen, wie u.a. „Galileo“ sowie die große  Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG die Ehre.
Gabriele Sawitzki selbst ist mittlerweile über 29 Jahre im Bereich Schmiede- und Schlosserarbeiten tätig – vorrangig im Möbelbau, Restaurierung und Neuanfertigung. Auch Auszubildende finden hier ihren Platz. Übrigens erfahre ich hierbei, dass es sich bisher mehrheitlich um Frauen handelte, die durch sie ausgebildet wurden. Die frühere Auszubildende Henriette Abitz z.B. ist im Jahre
2010 Landessiegerin bei der Gesellenprüfung im Schmiedehandwerk geworden. Sie ist eher von kleiner und zarter Natur. Tja, es kommt wohl doch mehr auf die Technik, die Liebe zur Arbeit und weniger auf die Kraft an. Noch heute arbeitet Henriette Abitz als Angestellte im Unternehmen von Gabriele mit.

Ich sage ja, der Süden Berlins hat verdammt viele spannende Menschen.

 

Während des Gesprächs lodert das Feuer, Martin legt mit prüfendem Blick immer wieder ein Stück Stahl an einer schweren Eisenzange ins Feuer. Eswird gehämmert, geschlagen, in Wasser eingetaucht. Ich staune über Gabriele Sawitzki, die gezielt mit dem schweren Eisenwerkzeug umgeht und den heißen Stahl scheinbar punktgenau trifft. Zum Abschluss bekomme ich einen frisch geschmiedeten Schlüsselanhänger in Form eines Kleebattes geschenkt. Ich freu mich über dieses unerwartete Geschenk und muss spontan an das alte Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied denken“.

Die beiden sind herrlich erfrischend, lachen und witzeln in meiner Gegenwart und gehen vollen Herzens wieder an ihre Arbeiten heran. Des Glückes Schmied, ist wahrscheinlich jeder für sich selbst, der seiner Berufung nachgeht und diesen mit täglichem Enthusiasmus ausübt.

 

Mehr Infos hier: www.rixdorfer-schmiede.de

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