Henry de Winter – die goldenen Zwanziger

Um Euch ein wenig auf die „Zwanziger Jahre“ einzustimmen, stöbern wir im Internet und tauchen ein in das Berlin vor fast 100 Jahren. Die Zeit damals, geprägt von Krieg und Leid, muss furchtbar gewesen sein. Und doch gab es die kurze Phase der „Goldenen Zwanziger „. Eine Zeit des Aufatmens, die offensichtlich nur wenigen Menschen in Deutschland vorbehalten war. Es ist eine Zeit der Hoffnung, des Aufblühens. Arbeit, Kunst, Literatur und Presse finden Entwicklungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Der Charleston und der Bubikopf sind die Signets dieser Zeit. Berlin geht wieder in Tanzpaläste, Revuen und Jazz-Lokale, das Nachtleben findet wieder statt. Die Wirtschaft macht viele Fortschritte und Albert Einstein wird Nobelpreisträger. In Berlin manifestierte sich das Lebensgefühl der Jungen an der Gedächtniskirche und Kurfürstendamm. Dort entstanden am Ende der Stummfilmzeit die neuen Großkinos Marmorhaus, Capitol und Ufa-Palast – noch mit siebzigköpfigem Symphonieorchester in braunen Samtjacken – und machten den ‚Floh-Kinos‘ Konkurrenz. (Auszüge aus Wikipedia)

11122450_691104860999848_1914536625_nHenry de Winter, ist ein Ausnahmesänger! Wahrscheinlich ist er ein echtes Berliner, vielleicht sogar weltweites Unikat. Denn, er verkörpert
die „Zwanziger Jahre“ mit Leib und Seele, Nein, er lebt sie! Charmant, witzig, elegant, weltgewandt und immer mit dabei Bobby, sein Foxterrier – So erobert er regelmäßig und weltweit sein Publikum.

Das erste Mal konnten wir Henry de Winter bei einer Privat-Veranstal- tung der Berliner Society-Lady Lydia Malcherek in Charlottenburg auf der Bühne im „Wilden Oscar“ sehen. Unglaublich, das war neben dem Auftritt von Entertainerin CARA Ciutan, einer der schönsten Abende,
die wir je im Zuge der CLIQUE verbracht haben. Unvergesslich, mit wie viel Charme, Witz und sängerischem Talent Henry de Winter seine kleine spezielle Einlage des Abends zum Besten gab. Er ist nicht nur elegant und besitzt eine längst vergessene Nonchalance – sondern überzeugt durch seine authentische Art. Er ist durch und durch Gentleman. Selbst hier und heute im Interview strahlt er eine unglaubliche Noblesse aus, die jedoch absolut bodenständig und ziemlich sympathisch daher kommt.

Wir sitzen im Literaturhaus in der Fasanenstrasse. Natürlich ist Bobby auch dabei. „Wenn ich könnte, würde ich hier wohnen. Ich liebe große alte Häuser.“ Entgegnet er. Natürlich, das passt,  denke ich. Henry de Winter hat sich den 20er, 30er und frühen 40er Jahren verschrieben. Wie diese Zeit wohl gewesen sein muss?!

Meine erste Frage an ihn, kam unüberlegt und traf doch den Kern. Sage mal Henry, bist du so, wie du heute bist schon auf die Welt gekommen? Er lacht und antwortet sehr spontan: „Ja, ich glaube, ich bin schon so geboren worden! Mit 6 Jahren habe ich mir ein Monokel ins Auge gesteckt. Ich war fasziniert, die Welt durch diese kleine Scheibe zu sehen. Meine größte Vorliebe war, mich mit alten Leuten zu unterhalten. Schon in jungen Jahren habe ich es geliebt, mir „ihre alten Geschichten“ aus der Jugend anzuhören. Das waren nun einmal die Geschichten der 20/30 Jahre – sie faszinierten mich.

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Privatvorstellung von Ausnahmesänger Henry de Winter anläßlich des Geburtstages von Society-Lady Lydia Malcherek im Wilde Oscar

Henry, gab es einen Tag X, an dem du bewusst beschlossen hast, dich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen, bzw. diese zu leben? Ja, diesen Tag gab es tatsächlich. Da war ich 16 Jahre alt. Noch heute kann ich mich an diesen Schlüsselmoment erinnern. Ich saß im Kino und es begab sich folgende Szene auf der Leinwand: „Er hatte eine goldene Uhr um, die sich rectangulär um sein Handgelenk legte. Er sah auf die Uhrzeit. Sie kam zu spät. Jeder wusste es. Doch keiner sprach es an. Das war der Moment, andem ich für mich beschloss: Du musst Dich mit der Zeit der 20/30er Jahre beschäftigen. Fortan fing ich an mich mit Architektur, Mode, Autos sowie Umgangsformen aus dieser Zeit zu befassen.“

Seine Eltern schickten ihn nach England. Schon damals hatte er sich ein kleines Repertoire an Unterhaltung und Gesangspotential angeeignet. Henry de Winter war schon früher in der mittleren bis gehobenen Klasse in Berlin ein gern gesehener Gast. Seine Vorlieben galten Johannes Heester, sowie Willi Fritzsch und Zarah Leander. Alte Filme hat er sich damals stundenlang im Astor Kino angeschaut.

Hast Du zwischendurch auch mal etwas anderes gemacht?
Ja natürlich, ich war einmal Selecteur im Metropol (das heutige Goya) und lange Jahre als Empfangschef bei Foto Wegert tätig.

Hast Du schon damals dein extravagantes Outfit getragen? Ja, da war mein Arbeitgeber damals sehr großzügig. Und immer eine frische Nelke im Knopfloch. Das ist bis heute so geblieben.

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kurzes Snapshot anläßlich einer „Zwanziger Jahre“ Vernissage in einem Berliner Hotel. Foto Georg Krause

Wie haben die Leute auf Dich reagiert? Die meisten haben das als sehr positiv empfunden, nur sehr wenige fanden das komisch. 1993 begann die Zusammenarbeit mit dem bekannten DEFA-Komponisten Peter Gotthardt und seinem Tonfilm Orchester Berlin. In den darauffolgenden Jahren entstanden dadurch drei CD´s .

Seit 1998 tritt Henry de Wintermit diversen Orchestern auf, unter anderem auch mit den „Bratislava Hot Serenaders“ oder dem „Swing Danc Orchestra“. Auch in der „kleinen Besetzung“ mit seinem wunderbaren Pianisten Tobias Bartholmeß ist Henry de Winter ein gern gesehener Entertainer bei Galaveranstaltungen und anderen Events. Ebenso wirkte Sir Henry, wie ihn Freunde und Bewunderer nennen, in der Revue „Der verrückte Salon“ im Renaissance-Theater mit. Dem deutschsprachigen Publikum wird er in dem Tatort von Bernd Michael Lade „Ein ehrenwertes Haus“ (1995) bekannt.Volker Schlöndorff war von Henry de Winter so begeistert, dass er ihn für einen Kurzauftritt in seinem Film „Der Unhold“ (1996) neben John Malkovich und Gottfried John engagierte. 1998 wirkte er auch in dem Film von Wilfried Herbst „Die Friseuse und der Millionär“ mit.

Seit Mai 2009 ist Henry de Winter ein „overseas exceptional member“ des Eccentric Clubs in London! Aufgetreten ist er schon auf der ganzen Welt. Allein in Hong Kong gastierte er bisher 5x, auch New York und Washington riefen nach dem einmaligen Gesangskünstler der goldenen Zwanziger. Wir kennen größtenteils ja nur die 70er, 80er oder 90er Partys. Jedoch finden weltweit auch “Goldene Zwanziger”- Liebhaber Partys statt, meistin gehobenen Kreisen. Ein immer gern gesehener Gast und schon fast selbstverständlich ist Henry de Winter. Sein Markenzeichen ist nicht nur die frische Nelke im Knopfloch. Er liebt Zigarren und zur Gage gehört immer eine Flasche Champagner. Selbstverständlich ist er immer elegant angezogen und „seiner“ Zeit angepasst. Wenn ihrihn unterwegs entdeckt, ist er entweder im Gatsby-Lookunterwegs oder im Stresemann-Anzug. Die Schleife nicht zu vergessen und immer polierte Schuhe.

Eines ganz sicher immer – elegant – In Henry de Winter findet ihr einen nostalgischen Schlagersänger, der seine Titel in verschiedenen Sprachen wie deutsch, englisch, französisch, spanisch sowie jiddisch singt. Und wirklich, bei „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt“ spürt man den Swing der alten Zeit und als wenn er es spüren würde, legt Henry de Winter den nächsten Song schon auf… „Ich küsse ihre Hand, Madame“ und das Publikum singt mit und kann einfach nicht dem Zauber der „Goldenen Zwanziger“ entkommen.

Autor: Anita Tusch

Fotos: Georg Krause (vielen Dank für die Bereitstellung)

Mehr Infos zu Henry de Winter – findet ihr auf
www.henry-de-winter.de

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