Harte Fakten – weiche Faktoren!

Wir treffen uns am Columbiadamm in den Geschäftsräumen der UTB mit dem Geschäftsführer Thomas Bestgen. Er hat einen langen Tag hinter sich. Es ist schon später Abend, doch seine Leidenschaft, sein Enthusiasmus und die Power für das Stadtquartier rund um die „Alte Mälzerei“ sind offensichtlich unermüdlich.

DIE „ALTE MÄLZEREI“ STEHT SEIT 80 JAHREN LEER. WIE SIND SIE EIGENTLICH AUF DIESE IMMOBILIE AUFMERKSAM GEWORDEN?

Das war im Jahre 2015. Vor den Sommerferien haben wir über einen Makler das Angebot für die „Alte Mälzerei“ erhalten. Ganz ehrlich, wir haben es angefasst, wie ein nasses altes Handtuch. Wir fanden es komisch, dass es 80 Jahre leer stand. Zumal ich in Lichtenrade als Student gewohnt habe und mich überhaupt nicht an dieses Gebäude erinnern konnte. Schon bei der ersten Begehung jedoch, war klar – Das hier muss mehr werden, als nur eine „Alte Mälzerei“.

MITTLERWEILE IST DAS 2 JAHRE HER UND ES SPRICHT SICH LANGSAM HERUM, DASS SIE RUND UM DIE „ALTE MÄLZEREI“ EIN STADTQUARTIER ENTSTEHEN LASSEN. SIE HABEN VIELFACH ERFAHRUNGEN IN DIESEM SEGMENT. WORAUF MUSS MAN ACHTEN?

Thomas Bestgen (Copyright: Britta Leuermann)

Thomas Bestgen (Copyright: Britta Leuermann)

Stadtquartiere zu entwickeln ist ein kompliziertes Geschäft. Es geht nicht einfach nur um Quadratmeterpreise – sondern um Hirn, Herz und Gehör. In diesem Segment, geht es um harte Fakten und weiche Faktoren. Unser Ziel ist es eine gute Mischung aus Bewohnern mit unterschiedlichen Einkommensstufen und verschiedenen Nutzungsinteressen für eine stabile Nachbarschaft und einen lebenswerten Ort – nachhaltig – zu erschaffen.

NACHHALTIG IST WOHL DAS MAGISCHE WORT IN VIELEN BEREICHEN HEUTZUTAGE. WAS SOLL DAS IM ZUSAMMENHANG MIT DER PLANUNG EINES STADTQUARTIERS GENAU HEISSEN?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich Nachdenken und Vorausdenken. Es bedeutet, dass jeder von uns, überall und zu jeder Zeit bedenken sollte, wohin eine Handlung führen kann und welche Folgen und Auswirkungen sie haben wird. Ich bin mir sicher, die nachhaltigsten Projekte sind diejenigen, an denen die Menschen selbst beteiligt sind, weil sie darauf achten, wie sich ihr Kiez entfaltet. Wir haben das durch viele städtische Projekte realisieren können. Es macht uns heute noch Freude zu sehen, was in all den Jahren unter anderen genossenschaftlich und damit gemeinwohlorientiert – entstanden sind.

WIE GENAU SIEHT DIESES „MITEINANDER“ ENTWICKELN AUS? Wir setzen uns mit dem Umfeld auseinander und gehen in die Situationen hinein. Gemeinsam werden Quartiersideen ausgearbeitet. Wir haben auch die Bestandsmieter der „Wohnscheibe“ in Lichtenrade mit eingebunden. Natürlich waren Sie voller Angst, dass wir hier Luxussanierungen vornehmen werden. Doch, das ist nicht unser Ziel. Wir wollen Vertrauen aufbauen und Quartiersideen gemeinsam ausarbeiten. Wenn sich Menschen einfach nur „einkaufen, dann kommt es zur Konfrontation. Die Menschen vor Ort wissen doch viel besser als wir, was gebraucht wird. Wir sind aufeinander angewiesen und gehen immer in die Situation – auch unterstützend – hinein.

WAS IST GENAU GEPLANT VOR ORT? Neben der „Alten Mälzerei“ und der Sanierung der „Wohnscheibe“ werden neue Wohnungen entstehen. Geplant sind ca. 180 Einheiten. Es wird ein gemischtes Quartier verschiedener Wohntypen geben. Wir wollen 1/3 Eigentum, 1/3 Genossenschaft und 1/3 geförderten Wohnungsbau realisieren. Wir werden alle Zäune entfernen, ein Stadtplatz mit Sitzmöglichkeiten und urbanen Einfluß entstehen lassen. Ziel ist es ein Stadtquartier zu erschaffen, an dem sich die Lichtenrader wohlfühlen und aufhalten können.

WAS ÄRGERT SIE?

Die Städte müssen aufhören das Lied der Finanzsenatoren zu singen. Leider verkauft der Bund immer noch zu Höchstpreisen Grundstücke. Wir haben hier eine Steigerungsrate von bis zu 500%. Es wäre schön, wenn sich wieder an die Leipzig-Charta erinnert wird. Sie wur
de 2007 unterzeichnet und enthält eine Ausarbeitung für nachhaltige europäische Städte und territorialem Zusammenhalt. Wir sollten nicht ständig profitorientiert sondern projektoptimiert arbeiten. Mit der UTB haben wir aufgrund dieser Philosophie schon viele schöne Stadtquartiere errichten können –und es macht viel Spaß!

WAS IST EIGENTLICH MIT DEM LANDHAUS BUHR, DAS ZERFÄLLT IMMER MEHR? ..seine Augen leuchten…oh, das Landhaus Buhr! Das wird das iTüpfelchen des Stadtquartiers. Wir werden es auf jeden Fall sanieren. Zuerst müssen wir uns hier um das kaputte Dach kümmern. Gemeinsam mit den Lichtenrader werden wir auch hier ein für diesen Stadtteil passendes Konzept ausarbeiten. „Haben Sie Interesse das Landhaus zu bewirtschaften?“ fragt er und ich weiß sofort, er meinte dies ernst und lehne lächelnd, fast schon ein wenig wehmütig ab und Thomas Bestgen ergänzt: Unser Ziel und Wunschtraum wäre, dass dort Lichtenrader Braukunst wahr wird. Interessenten und Ideen sind herzlich eingeladen, sich mit uns an den runden Tisch zu setzen. Zum Richtfest möchte ich in diesem schönen Fachwerkhaus hausgebrautes Bier trinken….“und lächelt..
Vielen Dank, für das schöne Gespräch und wir freuen uns jetzt schon auf das Richtfest!

Für mehr Info: www.utb-berlin.de

 

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