Handwerk – Ein kleiner Ausflug ins Erzgebirge

Kleine Männchen – große Kunst: Handwerk aus dem Erzgebirge

Seit dem Einzug der industriellen Automatisierung von ursprünglich handwerklichen Arbeitsabläufen können Haushalts- und Gebrauchsgegenstände in großer Zahl und gleichbleibender Qualität als Massenprodukt hergestellt werden. Der Begriff „Handwerk“ bezeichnet daher heute überwiegend die handwerklichen Berufsfelder der Baubranche. Die handwerkliche Herstellung und Tradition von Spielzeug und Lichterfiguren dagegen hat sich im Erzgebirge als Kunstform zu einem regionalen Schwerpunkt herausgebildet.

Im Rausch des Silbers

Das Erzgebirge befindet sich zwischen Sachsen und Böhmen im Osten Deutschlands nahe der tschechischen Grenze. Es wurde wegen der hohen Dichte an Bodenschätzen bereits seit dem Mittelalter intensiv bewirtschaftet. Der Bergbau prägte dabei nicht nur die Landschaft, sondern auch die Kulturgeschichte der Anwohner. Die Entdeckung großer Silber- und Kupfervorkommen bewirkte im 15. Jahrhundert einen rapiden Bevölkerungsanstieg durch die Zuwanderung von Bergleuten. Jedoch waren die Erzminen durch den intensiven Abbau nach knapp 200 Jahren weitgehend erschöpft. Eine landwirtschaftliche Nutzung des Landes kam aufgrund der Bodenverhältnisse und des Klimas nicht in Frage und die Menschen waren gezwungen, ihren Lebensunterhalt anderweitig zu sichern.

Holz und Handwerk

Bereits vor der endgültigen Schließung der Erzminen waren die langen Wintermonate wegen der Wetterverhältnisse für viele Bergleute eine Zeit ohne Arbeit und Einkommen. Daraus resultierte eine Intensivierung der Holzwirtschaft: ursprünglich aus der Not geboren, entwickelten sich zu dieser Zeit die ersten Produktionsstätten der typischen erzgebirgischen Volkskunst. Zunächst wurden Gebrauchsgegenstände wie Teller und Gefäße hergestellt. Die Herstellung von Spielzeug, zunächst ein Nebenproduktionszweig, spezialisierte sich, gewann an Bedeutung und war sehr bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt und begehrt. In den Figuren und Gegenständen spiegeln sich bis heute Leben und Tradition der Bergleute. Sie prägen die Landschaft und die Kultur der Region und machen sie damit einzigartig. Besonders bekannt sind die Weihnachtspyramiden mit ihren kleinen Figuren, Bäumen und Szenen aus der Weihnachtsgeschichte. Bergmänner aus Holz verkörpern Nussknacker und Räuchermännchen. Typisches Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge sind außerdem die Schwibbögen, deren in Miniaturen gesägte Darstellungen begeisterte Anhänger haben. Mit zunehmender Produktpalette hat sich auch die Dreh- und Schnitzkunst spezialisiert – größtenteils wird auch heute noch in Handarbeit gefertigt.

Spaziergang durch Jahrhunderte

Für eine Zeitreise durch die Geschichte der Holzkunst im Erzgebirge eignet sich am besten ein Besuch im Erzgebirgischen Freilichtmuseum in Seiffen. 14 Häuser in gebietstypischer Streudorf-Ausrichtung berichten dort in verschiedenen Themen vom Leben und Arbeiten der Menschen in der Vergangenheit.
Die älteste Spielzeugsammlung Deutschland befindet sich in Sonneberg in Thüringen. Ein privates Museum in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) erzählt vom Spielzeug in der ehemaligen DDR. Weltbekannt ist auch das Spielzeugmuseum in Nürnberg.

 

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