Hallo Nachbarn

„Kannst Du mir bitte irgendwas über Deine Band schreiben“, wurde ich vor einiger Zeit freundlich eingeladen. Ok, dachte ich und schrieb das Wort „Irgendwas“ und setzte darunter den Namen The Teens. Doch ehe ich es der Herausgeberin über Facebook scherzhaf-terweise zuschicken konnte, hatte ich mich auf die realistische Variante besonnen.

Also los:
Es war irgendwann im Spätsommer 1976, als in der großen Pause der Halensee Grundschule Michael Uhlich auf mich zukam und fragte ob wir nicht eine Band gründen wollten. Er hätte mitbekommen, dass ich Gitarre spielen würde, er selbst wäre Schlagzeuger und da würde doch eigentlich nur noch ein Bassist fehlen und man(n) wäre komplett. Ich fand die Idee sofort toll, obwohl ich – genau wie Micha – überhaupt keine Ahnung hatte, was so alles für eine echte Band erforderlich ist. Wir hatten uns auch sehr schnell Alexander Möbius als fehlendes Drittel ausgeguckt. Und obwohl er gar kein Bassist war und nicht mal Gitarre spielen konnte, war auch er sofort Feuer und Flamme. Als Bass diente zunächst eine alte akustische Gitarre, von der wir ein- fach die H sowie die hohe E-Saite abnahmen. Und das erste Schlagzeug bestand im Wesentlichen aus ein paar Bongos und Dashtrommeln. (tja, wer kennt heute noch Dash und vor allen Dingen diese Papptrommeln, in denen das Waschpulver steckte 😉 Im Grunde war meine alte Schrammel-Holzgitarre, auf der ich ein/zwei Jahre zuvor von einer gewissen Priscilla aus South Carolina meine ersten Akkorde erlernt hatte, das einzig echte, wenngleich wenig an Rock’n Roll erinnernde Instrument.

Aber das sollte sich bald ändern und bis dahin übten wir – noch recht leise – im elterlichen Fahrradkeller. Den Bandnamen, den hatten wir allerdings schon recht schnell: The Teens. Ich kam drauf, weil wir ja alle schon Teenager, oder wenigstens fast, waren. Anfang 77 hatten wir unsere ersten Auftritte in Joe’s Schnapshaus, an der Halenseebrücke. Mit Kaufhaus E- Gitarren und echten Verstärkern. Sonntags gab’s dort immer Livemusik. Und in den Spielpausen der „großen“ Bands, durften wir dann ab und zu mal eine halbe Stunde rocken. Diese Auftritte wurden dann immer regelmäßiger, weil die Leute schon nach uns fragten. Es gab sogar schon erste Presseberichte. Aber so als Trio war so eine gute halbe Stunde schwer zu füllen und auch der Sound war irgendwie zu dünn. So beschlossen wir Jörg Treptow als zweiten Gitarristen in die Band zu holen. Er war schon älter als wir und sah viel „rockiger“ aus. Kurz danach lernten wir unseren ersten richtigen Manager kennen. Er hieß Mc Gill (eigentlich Wolfgang) aber wegen des Krimis damals ( wer erinnert sich? „McGill, der Mann mit dem Koffer“) nannten ihn alle so. Er stellte uns auch Robert „Robby“ Bauer vor. Einen richtigen Sänger hatten wir nämlich nicht. Ich sang – so mehr oder weniger- ok, aber war eben viel lieber Leadgitarrist. Und jetzt waren wir eine richtige Band. Mit richtigem Proberaum, richtigen Instrumenten und sogar schon mit ein paar eigenen Liedern. Im Grunde waren neben Michaels’s Vater, besonders zwei Menschen für den Beginn unserer Karriere mit- verantwortlich, indem sie uns den Draht zur Musik- industrie legten. Jürgen Jürgens, vom SFB und Gunter Gabriel „Hey Boss“. Sie sorgten mit ihren Kontakten dafür, dass die Plattenindustrie auf uns aufmerksam wurde. Tja, der Rest ging dann rasend schnell. Wir bekamen einen Plattenvertrag, hatten einen Produzenten und nahmen unsere erste Platte auf. Im August oder September ’78 wur- den wir dann zu Wim Thoelke’s „Der große Preis“ eingeladen (die Sendung mit Wum „Thööööhlke“) Nach der Sendung saß ich bei meiner Mutter in der Küche und wir haben gemeinsam überlegt, ob und wie viele Platten wir wohl verkaufen würden.

Inklusive aller Verwandten und Klassenkameraden und das alles mal fünf, weil es ja 5 Bandmitglieder waren, kamen wir auf stattliche rund 300 Platten. In der Woche darauf kam die erste Abrechnung mit über 30.000. Allein „Gimme Gimme Gimme Your Love“ ging in Deutschland über 300.000x über die Ladentheken. Ich hatte mich gerne geirrt! Hiernach ging es die nächsten fünf Jahre -immer schön parallel zur Schule- kreuz und quer durch Europa. Eine tolle Zeit, die mein weiteres Leben massiv beeinflusst hat. Doch dazu gern an anderer Stelle mehr.

Was mich mit dem „Süden“ verbindet? Meine Großeltern wohnten hier in der Crailsheimerstraße und meine kleine Familie und ich wohnen mittlerweile seit über 16 Jahren hier in Lankwitz.Der Süden ist toll.

Es grüßt Euch, Uwe Schneider

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