Großstadt-Wahnsinn- Liebe dich selbst und werde glücklich?

 

Warum ich lieber eine glückliche Frau bin als ein göttliches und erleuchtetes Wesen. Aber es ist kompliziert.

Berlin ist eine Stadt, in der angeblich in jedem Bioladen der Partner fürs Leben wartet. So viele Möglichkeiten für alles. Wir leben bewusster, beschäftigen uns mit unserem Innersten. Spirituelle Selbstfindung ist schon lange en vogue. Die Zahl der Singles steigt trotzdem. Was läuft falsch? Wo wir doch jetzt alle bessere Menschen geworden sind. Sind wir auf dem Weg Egomanen zu werden?

Selbstverwirklichung und Selbstliebe werden uns von Leuten gepredigt, die wir gerne zum Einschlafen hören, weil ihre Stimmen so beruhigend wirken. Andere raten uns das Ego komplett abzuschalten, da es etwas ist das nichts mit unserer Seele zu tun hat. Wenn wir das lästige Ego endlich abgestellt haben sind wir göttlich und perfekt. Wirklich? Aber selbst wenn ich über den Dalai Lama und Ghandi tiefergehend recherchiere, die ich beide sehr für ihre Weisheit bewundere, stelle ich fest: Auch sie sind nicht frei von Eitelkeit und Egoismus.

Komisch, dass ich noch nie jemand getroffen habe der göttlich  ist. Meistens gehen mir selbsternannte Gurus, die versuchen perfekt zu erscheinen eher auf die Nerven oder langweilen mich. Ich mag meine Freunde mit ihren durchaus irdischen Sehnsüchten und Ecken und Kanten.

Liebe dich selbst und denke immer positiv

Früher reichte es uns glücklich zu sein und geliebt zu werden. Heute muss man sich selbst jeden Tag lieben, sonst stimmt was nicht mit uns. Und dabei aber noch erfolgreich im Job sein und in einer perfekten Partnerschaft leben. Denn wenn etwas schiefläuft dann liegt das IMMER daran, dass wir irgendwas falsch machen. Wir haben uns gefälligst jeden Tag aufrichtig zu lieben. Selbstzweifel sind ein Zeichen von Schwäche die beseitigt werden muss. Auch wenn uns ein Auto überfährt haben wir selbst Schuld, denn dann haben wir einfach nicht positiv genug gedacht. Tatsächlich habe ich das genauso von einem selbsternannten Guru gehört. Wir tragen sicher größtenteils selbst die Verantwortung für unser Leben und können vieles durch unsere Gedanken und Taten beeinflussen. Aber wir sollten aufhören so streng mit uns zu sein.

Vor allem wird uns gepredigt, dass wir total glücklich mit uns selbst sein MÜSSEN. Sonst finden wir keinen Partner. Ich habe auch meine Singlezeiten durchaus für produktive Dinge genutzt, mein Leben war immer alles andere als langweilig und ich habe es durchaus mal genossen alleine und völlig frei zu sein.  Aber auch da hatte ich immer jemand der mich häufig angerufen hat, mal Blumen geschickt hat und Komplimente gemacht hat. Bin ich mir etwa selbst nicht genug? Stimmt was nicht mit mir? Oder brauche ich nur Bestätigung? Nein, ich fühle mich einfach gerne als Frau.

Götter und Göttinnen?

Ein Partner darf allerhöchstens eine Bereicherung darstellen, denn man selbst ist ja eine Göttin (oder ein Gott). Man darf keinen Mann brauchen als unabhängige, selbständige Frau. Wirklich? Wer sagt das eigentlich? Ist das vielleicht der Grund warum gerade Frauen in Führungspositonen häufig Single sind? Weil Männer (und auch Frauen) nun mal gerne das Gefühl mögen wichtig zu sein und gebraucht zu werden.  Und nicht wie so oft behauptet wird, dass Männer Angst haben vor starken Frauen? Es kommt drauf wann, von welchen  Männern man hier spricht. Und auch als Mann braucht man keine Frau mehr, ein Hund tut es auch und der hört auch besser.

Ok, ich gebe es zu, ich bin keine Frau die nachts gerne alleine durch die Stadt geht. Meine Schlüssel halte ich immer so in der Hand, dass ich sie jederzeit als Waffe einsetzen könnte. Man kann nie wissen. Mit einem männlichen Begleiter ist der nächtliche Nachhauseweg doch einfach viel schöner. Und auch alles andere.

Ich kenne jede Menge Leute in Großstädten,  die ein durchaus erfülltes, tolles Leben haben. Aber irgendwas fehlt. Ein Freund von mir, erfolgreicher Unternehmer, Single, geschieden, erzählte mir letztens am Telefon: “ Immer wenn ich vom Büro nach Hause fahre, bekomme ich innerlich Panik wenn ich daran denke in mein leeres, großes  Haus zu kommen. Der Arzt bescheinigte ihm ein „Unausgeglichenes Glücksgefühl“. Und zwar der Hausarzt und kein Psychologe. Halbherzige Beziehungen und zuviele Kompromisse stellen für ihn aber keine Lösung da, dann doch lieber Single. Das sehe ich genauso.

Aber es  könnte gefährlich werden wenn uns spirituelle Selbstfindung zu sehr auf den Egotrip führt. Wenn wir bei aller Selbtverwirklichung und Selbstliebe vergessen, dass wenn wir dann endlich zum pefekten Menschen geworden sind, vielleicht gar keiner mehr da ist der diese Freude mit uns teilt. Und das wäre doch fatal. Denn wer soll dann unsere Selfies liken, uns stundenlang zuhören und unsere Hand halten an Tagen an denen wir uns dann doch nicht ganz so göttlich fühlen.

Tina Ellen Ciftci

 

Manfred Behrens

Manfred Behrens Photography

Redaktion: Tina Ellen Ciftci

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