Fußballfieber: Nach der WM ist vor der Bundesliga

Nun ist sie vorbei, die unglaubliche Fußball-WM, und aus der Fanmeile am Brandenburger Tor ist wieder eine schnöde Straße geworden. Was also bleibt von den grandiosen letzten Wochen? Zumindest einige neue Fußballfans.

Neues Sommermärchen verzaubert Berlin

Sicher drängen sich auf der Fanmeile auch viele sogenannte Eventfans, die überall dort auftauchen, wo „Party“ angesagt ist – egal zu welchem Anlass. Die hübschen blonden Mädels, die ein Deutschlandspiel damit verbringen, über die körperlichen Vorzüge von Mats Hummels zu referieren, und die Typen, die sich um sie herumdrängen in der Hoffnung, irgendwann doch als existierendes männliches Wesen wahrgenommen zu werden. Aber zum Glück ist die Fanmeile mehr als nur Eventzirkus: Für viele ist der Funke der Liebe im allgemeinen Gejubel übergesprungen – zum Fußball, versteht sich.

Auch ich war stets skeptisch gegenüber dem Fußball und den Berliner Fangruppierungen, egal ob es um Hertha, Union oder Preussen ging und dem oft überzogenen Hass dieser Gruppen aufeinander – die „Derby-Rivalitäten“ und die derben Gesänge. Doch auf der Fanmeile merkte ich nicht nur beim Torjubel, wie sehr der Fußball Menschen verbindet – wenn tausende gemeinsam zittern, bangen, hoffen und jubeln und wie sehr sowohl der Siegesjubel als auch die geteilte Enttäuschung (man denke an die zahllosen traurigen Brasilianer, die sich nach dem Halbfinale gegenseitig trösteten) für ein in der heutigen Zeit ganz ungewöhnliches Gemeinschaftsgefühl auslösten. Keine virtuellen „Freunde“ und „Follower“ – sondern reale Menschen aus Fleisch und Blut, die sich gegenseitig umarmen und drücken.

Die nächste WM kommt bestimmt

Und wie geht es jetzt weiter? Zunächst einmal startet am 22. August die neue Bundesliga-Saison. Ich gebe zu, ich bin nun auch neugierig geworden, zögere aber noch. Die einen wollen mich zu Hertha ins Olympiastadion locken (immerhin Bundesliga!), die anderen zu Union (zweite Liga, aber weitaus kultiger). Fürs erste werde ich wohl beiden einmal eine Stippvisite abstatten. Und bei der Tipprunde im Büro einsteigen. Die Ergebnisse sorgen nämlich jeden Montag für heiße Debatten und „hab ichs nicht gesagt“-Kommentaren, wenn Hertha tatsächlich mal gewonnen hat. Auch hier wird mir langsam klar, wie sehr der Fußball sozialen Kitt zwischen Kollegen bildet, die ansonsten herzlich wenig gemeinsam haben. Und ansonsten freue ich mich jetzt schon auf die nächste WM – dann sind wir auf der Fanmeile garantiert wieder dabei!

Bild: © Dynamic Graphics,2007/liquidlibrary/Thinkstock

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