Frank Kessler: Wir wissen nicht, was das große Buch für uns bereithält

Wir treffen uns mit Frank Kessler am Lietzensee in Charlottenburg. Dieses Treffen haben wir einer „alten“ Bekannten aus meinen früheren Zeiten zu verdanken. Annick Schlinke kennt Frank schon aus Zeiten, als wir alle noch jung, dynamisch und umtriebig waren. Auch Frank Kessler, Schauspieler, wuchs hier im Süden Berlins auf (geb. in Ratingen) und war in Läden wie dem Big Apple, Extase, Linientreu, Flashdance oder Pal Joe anzutreffen. Er willigte sofort ein, sich mit uns zu treffen. Keine Starallüren, keine Fragen – einfach nur ein „na klar, mach ich“!
Denn, mittlerweile ist aus dem „Rumtreiber“ früherer Zeiten ein Schauspieler mit interessantem Profil, Rollen und Charakteren geworden. Einen Tag vor unserem Interviewtermin kam er sogar auf unserer CLIQUE-Geburtstags-Party

Frank Kessler, Annick und Anita auf der 2. CLIQUE-Geburtstagsparty

vorbei, worüber ich mich sehr gefreut habe. Naaa, erkennt ihr ihn? Wahrscheinlich haben sich einige Anwesende gefragt, woher kenne ich bloß dieses Gesicht?!
Frank Kessler ist Moderator, Sprecher und mit Leib und Seele Schauspieler. Er wirkte u. a. in den Erfolgsproduktionen „Männerpension“, „Das Leben ist eine Baustelle“, “Mörderischer Frieden“, „Cobra 11“, „Tatort“, „Wolffs Revier“ oder auch „Soko Leipzig“, „die Päpstin“ und „Henri 4“ mit. Er stand mit Größen wie Sir Peter Ustinov, John Goodman, David Wehnham, Gudrun Landgrebe, Heiner Lauterbach, Michael Mendel und Till Schweiger gemeinsam vor der Kamera.
Das Wetter ist herrlich an diesem Tag, das Café direkt am Lietzensee in Charlottenburg war seine Wahl. Mit im Gepäck natürlich unser Lieblingsfotograf Jürgen Sendel und Annick, die uns zu diesem Interview verhalf. Fast fühle ich mich wie auf einem Treffen alter Bekannter, die sich einen Schlag aus der Vergangenheit erzählen. Die Stimmung ist unheimlich locker – alle fühlen sich wohl. Frank Kessler ist wortgewandt, lustig, offen und ein toller Erzähler. Wir lauschen seinen Geschichten, müssen immer wieder lachen.
Er ist sich selbst gegenüber kritisch und strotzt dennoch voller Selbstbewußtsein. Ein Mann, der manches Mal vielleicht zu viel möchte?! Vielleicht sogar mal übers Maß hinaus engagiert ist?! – ..aber scheinbar dennoch wieder zurückfindet auf den Boden der Tatsachen. Stolz ist Frank auf das Treffen mit Sir Peter Ustinov, der im Jahre 2004 leider an Herzversagen verstarb. Er durfte ihn aufgrund eines Werbe-Drehs in seinem Haus am Genfer See besuchen. Frank erinnert sich gerne an diese Tage zurück. Das Haus war voller Bücher, die sich überall gestapelt in den Gängen befanden. Obwohl er anfangs nicht den Eindruck hatte, so konnte Frank schnell bemerken, dass Sir Peter Ustinov ein besonders aufmerksamer Mensch mit intelligentem Wortwitz und Situationskomik war. Dieses Treffen gehört für ihn zu den unvergesslichen Momenten auf seiner Reise als Schauspieler.
Frank Kessler zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Er ist groß, kräftig und hat eine prägnante Statur, die erst einmal aufgrund seiner „Bulligkeit“ Ehrfurcht einflößt und dennoch eine Ausstrahlung eines liebenswerten „Papa-Bär“ bereithält. Er erzählte uns über seine Rolle als martialischer Normannenführer in „Die Päpstin“ und wir konnten schnell erkennen, er liebt es nicht nur in Rollen zu schlüpfen sondern sich auch in ein anderes Zeitalter hinein zu versetzen. (Schließlich spielte diese Geschichte im Jahre 800 n.Chr.). Auch das Genre hat es ihm angetan – ob Horror, Kriegs- oder Liebesfilme, Western oder Krimi – er liebt das Gegensätzliche seiner Rollen und so hat man ihn dann mittlerweile auch schon als Normannenführer, Kommissar und Bodyguard sehen können. Doch wir wollen andere Dinge wissen. Wie sieht es hinter den Kulissen einer Schauspielseele aus.

Was beschäftigt einen Schauspieler?! „Eines der großen Probleme mit denen ein Schauspieler zu kämpfen haben ist, dass sie oftmals schnell in Schubladen gepackt werden“, meint Frank. Er ist vielseitig und das möchte er auch immer wieder beweisen – nicht nur sich selbst, sondern auch anderen.
Jeden Tag versucht er mit einer Intensität zu leben, denn „wir wissen alle nicht, was das große Buch für uns bereithält“ sagt er und füttert verträumt immer wieder die Spatzen, die sich für diesen Tag ihren Lieblingstisch bei uns ausgesucht haben. Nach einer kleinen Pause ruft er in unsere Runde…“und sich nie im Streit trennen, ist wichtig!“ ..wir müssen alle schmunzeln. Dann blickt er zurück und erinnert sich an eine seiner wichtigsten Entscheidungen im Leben. In den späten 90ern hatte er zufällig für eine amerikanische Sitcom ein verlockendes Angebot erhalten.

Eine Nacht hatte er schlaflos gelegen, doch der schwere Weg ist das was ihn bis heute reizt. Er entschied sich gegen das durchaus lukrative und interessante Angebot und startete eine Ausbildung zum Schauspieler bei Teelke Langhanke in Berlin . Frank sieht „Schauspielerei“ als ein Handwerk an, was erlernt sein will. Gerade in der heutigen Zeit von Castingshows, die wie aus dem Nichts erscheinen und unsere Wohnzimmer quälen, kommen junge Menschen sehr schnell ins Träumen und glauben, sie können „Superstar“ per Facebook-Click werden. Er wünscht sich, dass die Menschen, die diesen Weg beschreiten wollen nachhaltiger handeln und sich eine gute Grundlage schaffen. „Schauspielerei ist kein Spiel sondern ein hartes Handwerk. Eine Schauspielschule kann einem die wichtigsten Dinge, die es für diesen Weg braucht mit auf dem Weg geben.“
„Danach braucht man entweder eine ganz große Portion Glück oder viel Mumm sich zu bewegen – um diesen Weg mit Erfahrungen und Erfolgen beschreiten zu können“ er ist sehr ernst dabei und erzählt uns von anderen Projekten, die sein Herz öffnen. Das Hilfsprojekt „Charity-Jam „ist so ein Projekt, welches ihm am Herzen liegt. Vor kurzem wurden hier 10 Kinderrechte definiert, die in das Grundgesetz einfließen sollen. Das ist etwas wofür er kämpft und auch die Schirmherrschaft zusammen mit Markus Majowski (Die dreisten Drei) übernommen hat. Ja, er ist ein tiefgründiger Mensch, der viel erfahren hat. Ein „Unternehmer“, der seinen Erfahrungsschatz mit uns teilt und seinen Job und das Leben mit Enthusiasmus und Leidenschaft ausübt. Vielen Dank, Frank für diesen schönen Nachmittag.
Mehr Infos unter: www.frankkessler.de
sowie www.charityjam.de

KURZ ÜBER FRANK KESSLER
Frank Kessler kam über den Kampfsport zur Schauspielerei. Schon in seiner Jugend wurde er im Sport aktiv und durchlief eine erfolgreiche Karriere in den Disziplinen Kung Fu, Taekwon-Do, Thai/Kickboxen und Karate. Er wurde Mitglied des Nationalkaders (Taekwon-Do) und kämpfte in der Karate-Bundesliga. Als einziger Schauspieler in Europa erreichte er den Titel des Großmeisters 6. Dan im Taekwon-Do.
Ebenso abenteuerlich wie seine Kampfsportler-Laufbahn entwickelte sich sein beruflicher Werdegang. Frank Kessler lernte Elektromaschinenbauer und arbeitete unter anderem als Flohmarkthändler, betrieb eine Detektei, wurde als Begleiter einer Militärperson beim Britischen Militär eingesetzt und war als Assistent für Labortechnik im Referat Umwelttechnik tätig.

Fotos: Henri 4 – (Foto: Rainer Bajo)
Karl May Spiele in Bad Segeberg (Setfoto)
Mörderischer Frieden (Setfoto)

Fotos mit Frank Kessler, Annick und Anita hat Jürgen Sendel von pictureblind.de gemacht

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