Ein Stadtbad erlangt Kulturstatus

Wer heute vom Stadtbad Steglitz spricht, redet nicht vom „Schwimmen gehen“. denn seit 2002 ist es geschlossen – unter  Denkmalschutz steht es schon seit 1982.

Ich traf Gabriele Berger, sie hat im Jahre 2004 diese Immobilie für 1 Euro erworben und das im Jugendstil gebaute Stadtbad Steglitz mittlerweile zu einer Lieblingsanlaufstelle im Kulturlebens Berlin gemacht.
Es hat viel Mühe, Zeit, Arbeit und Geld gekostet, doch Gabriele Berger schaut mit einem Lächeln zurück, denn sie hat es geschafft, dass durch Konzert- und Theateraufführungen über das Stadtbad Steglitz gesprochen wird. Ich möchte noch Mut, Kreativität und Durchhaltevermögen hinzufügen, denn wer sich einmal die Mühe macht und sich selbst ein Bild verschafft, kann erkennen wie viel

Gabriele Berger

Arbeit und Phantasie für solch ein Projekt notwendig sind. Der Jugendstil-Kuppelbau der Schwimmhalle, die prachtvolleSauna, das alte Waschhaus und der weitläufige Hof bieten eine außergewöhnliche Kulisse für Kulturveranstaltungen mit besonderem Charakter. Noch heute kann man den sakralen Charakter der Schwimmhalle mit ihrer kuppelförmigen Apsis nachfühlen. Wer genau hinschaut, findet römische Rundbögen, Wandmosaiken und kunstvoll verzierte Säulen. Sogar die Geländer sind kunstvoll mit Wassertieren geschmückt.
Das Stadtbad beweist, dass Kulturprojekte mit Niveau auch ohne staatliche Zuwendung durchführbar sind. Die Gäste müssen teils bei Aufführungen auch schon einmal wandern und verschiedene Räumlichkeiten besuchen. Faust ist schwimmbadtauglich. Der Prozess von Franz Kafka in der russisch römischen Sauna, Die Winterreise von Schubert in der Wäscherei ganz nah. Die Wanderung durch das
gesamte Gebäude zum „das letzte Band“ von Samuel Bekkett darf auch nicht fehlen. Musiker, Künstler und Schauspieler finden im Stadtbad Steglitz ein stetig wachsendes und begeistertes Publikum.
Ein Besuch im dazu gehörigen Café Freistil lohnt. Das Café ist ganz sicher in seiner Ausstattung einmalig. Ich dachte zuerst, es ist ein ausgebautes Babybecken, denn der Tresen besteht aus drei Startblöcken. Der gesamte Raum ist mit klassisch hellblauen Schwimmbad- fliesen ausgestattet. Die Tische stehen in den Schwimmbahnen und die Dekoration verleiht dem ganzen eine gemütliche Atmosphäre. An die Raucher wurde auch gedacht, vor der Tür (überdacht) stehen Tische, Stühle und sogar ein gemütliches Sofa mit Kissen.
Gabriele Berger hat ein Konzept zur Wiederherstellung des Bades entwickelt, welches sie in Teilbereichen schon durchführt.
Langjährige Erfahrungen hat sie, denn sie ist seit 35 Jahren selbständig in ihrem Beruf sowie in der Entwicklung und Durchführung von Konzepten tätig.

Falls Ihr einen Blick auf die Website werfen wollt: www.stadtbad-steglitz.de

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