Ein Berliner Faxe

Es war auf der letzten Uptown Saturday Night Party im September 2010, Mummi, der Inhaber von der sansibar zuppelte mich am Arm und meinte: Hey Anita, kennst Du eigentlich schon Faxe? Ich drehte mich zu dem stämmigen Typen, neben Mummi (der übrigens auch sehr stämmig ist) und dachte für mich. „Nee, kenne ich nicht, aber der sieht ja wirklich aus wie…“so ein Faxe“..und
woher wußte seine Mutter, dass er später einmal…?! Lassen wir das.

Wie sich dann doch schnell herausstellte, der bullige Mann hieß doch nicht Faxe, puuhh…sondern Jörg (Moukaddam) und ist an sich Maschinenbautechniker, der nebenbei Moderationen auf Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und auch mal in der Schweiz übernimmt und außerdem handwerklich sehr geschickt auch mal eben eine eigene Showbühne baut. Des Rätsels Lösung, kam dann auch recht schnell ans Tageslicht. Jörg spielt „Faxe“ in dem Kinofilm „Wickie und die starken Männer“. Jetzt weiß ich, warum ich dachte, er sähe aus wie „ein Faxe“. Da lag natürlich die Frage nahe: Jörg, wie kam es dazu? Bist Du Schauspieler? Da wir feiern und nicht quatschen wollten, trafen wir uns im Januar im Best Western SI Steglitz in der Bar und ich kann Euch sagen, ich habe selten so viel gelacht bei dem Interview, denn er kann herrlich erzählen! Es ging mit einer kleinen Anzeige in der Zeitung los! „Bully sucht die starken Männer!“, seine Frau Bianca machte ihn darauf aufmerksam. „Jaja, wenn ich Zeit
habe, guck ich..“, antwortete er und verrichtete seine alltäglichen Arbeiten. Doch seine Frau ließ nicht locker. Es hat eine Weile gedauert, bis ihm bewusst wurde, dass nicht nur starke Männer gesucht werden, sondern hier ging es um eine Schauspielrolle für den Kinofilm „Wickie- und die starken Männer“. Dann ließ er sich doch darauf ein und gemeinsam wurden die Anforderungen einer Bewerbung – nämlich ein 2 Minuten-Gig mit der Kamera aufgenommen. Die Kinder haben sich in der Zwischenzeit vor Lachen weggeschmissen, bis sie dann aus dem „Filmbereich“ verbannt wurden. Das Ganze hatte mittlerweile geschlagene 4 Stunden gedauert, bis die 2-Minuten perfekt waren. Endlich! Film fertig! Abgeschickt!

Nach 4 Wochen kam dann ein Brief: Einladung zum Casting! So wirklich damit gerechnet, hat wohl niemand. Auwei, was nun? Wie geht man denn zu solch einem Casting? Was nimmt man mit? Seine Schwiegermutter schneiderte mal eben eine Kutte,
ein Faschings-Wikinger-Helm wurde besorgt. Seine Frau sagte noch, mach was Du sonst auch auf der Bühne machst und los ging die Reise. Nein, stopp, ein Bierfass musste mit, schließlich ist die Charaktere vom „echten Faxe“ ein schlichter Geist, kindliches Gemüt und vor allem Bärenkräfte. Und Bärenkräfte besitzt Jörg. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen, denn Bierfässer schleppen macht der
stämmige Mann mit links, sind doch nur schlappe 67,5 kg, so ein Fass! Angekommen beim Casting, stellte Jörg recht schnell fest: „Scheisse“, hier ist ja kaum jemand verkleidet!“ Nach stundenlangem Warten kam auch er endlich an die Reihe und er kam auch wieder heraus! Es ging ihm schlecht. „Mist, verkackt“ war sein erster Gedanke. Er sollte sich in die Mitte stellen, sein Text aufsagen und ja, das Bierfass einfach mal anheben. Das war´s! Während des Castings war „taff “ anwesend und fi lmte. Es entstand doch ganz schön Neugier, was es mit dem Fass auf sich hatte. Frech, wie Jörg ist, meinte er „lasst doch mal hier ein paar Leute das Fass anheben, mal sehen, ob es hier starke Männer gibt“! Gesagt getan, spontan haben sich 10 Männer zur Verfügung gestellt – doch das Fass konnte nur einer richtig anheben – das war Jörg! Mit einem ernüchternden Gefühl kam er aus dem Casting wieder raus und fuhr zurück nach Berlin. Zwei Wochen später – wieder ein Brief im Briefkasten – eine Einladung nach München. Dieses Mal gab es ein genaues Brie ng. Er sollte mehrere Texte von Speed-Dating bis zur Grabrede auswendig lernen und ganz wichtig, er solle sein Bierfass nicht vergessen! So ein bisschen veräppelt kam er sich dann doch vor. Dieses Mal in der Jury: Bully Herbig sowie Jürgen Vogel und die Produzentin Rita Serra-Roll. Es hatten sich über 10.000 Menschen beworben. Jetzt waren es pro Rolle, die zur Verfügung standen nur noch 60 Personen. Und wie in jedem Casting musste er das Bierfass anheben. So ein bisschen verscheissert kam er sich schon vor (O-Ton von Jörg) und er hatte auch das Gefühl, dass die Jury, explizit Bully sich etwas verscheissert vor kam. Was hatte es denn nur mit diesem verdammten Fass auf sich. Ist doch nichts Ungewöhnliches, mal ebend ein Faß anzuheben?! Oder doch? Na gut, Jörg kann es nicht nur anheben, er kann es auch ein Stück werfen, allerdings kann es niemand auffangen!

Die Show wurde übrigens bei Pro 7 in sechs Folgen gesendet. Im Finale, eine Lifeshow, mussten alle Bewerber einen eingeübten  Theatersketch vorführen. Die Moderation übernahm Verena Wriedt und Erzähler war Christoph Maria Herbst. Jörg schaffte es bis ins Finale und das war dann „das erste Mal“, wo er wirklich ziemlich aufgeregt war. Seine Texte saßen bisher nicht so gut. Vielleicht hatte er das Ganze bis dato auch nicht ganz ernst genommen?! Selbst bei den Proben meinte Jörg, hat er mal wieder seine Texte „verpatzt“ – nein, sorry – er hat „verkackt“ gesagt! Aber bei der Lifeshow lief alles brilliant und Jörg war Publikumsliebling, überzeugte und bekam die Rolle des „Faxe“.
Mittlerweile wurde übrigens schon der zweite Teil abgedreht. „Wickie – auf voller Fahrt“. Der schönste Nebeneffekt solch einer Reise durchs Fernsehen waren für Jörg die verschiedenen Charakteren der Menschen, die er dadurch kennenlernen durfte sowie das „Reinschnuppern“ in die Fernsehwelt. Seinen Job hat er dabei nie aufgegeben, denn er kehrt gerne wieder in die Realität zurück. Ein weiterer schöner Nebeneffekt sind die Filmprojekte, die er durch diese Rolle gewinnen konnte. Er hat bei Doctors Diary  mitspielen können, sowie weitere kleine Rollen bei einem Filmhochschulprojekt, dem Film „Dinosaurier“ und bei einem Spot für McDonalds.

Wir haben Jörg als sehr herzlich, o en und sympathisch erleben dürfen. Sein Herz trägt er direkt auf der Zunge und spricht ganz nach Berliner Schnauze – für ihn ist diese Rolle ein Job, der unheimlich interessant ist und ihm Spaß macht. Dennoch ist er im Herzen Jörg geblieben und liebt seinen Job als Maschinenbautechniker.Nur eines möchte er gerne: Meine Enkel sollen einmal stolz sagen können, „Schaut mal, das hat mein Opa gemacht“ und wir sind uns sicher, seinen Enkeln kann er noch nebenbei viele lustige Anekdoten aus seinem Leben erzählen.
„Wickie – auf großer Fahrt“ erscheint in den deutschen Kinos am 29. September 2011.  Wenn es soweit  ist, werden wir Euch noch einmal erinnern. Das Besondere übrigens: Wir können uns auf einen weiteren hervorragenden Film auf 3D-Leinwand freuen! Regie führte dieses Mal Christian Ditter, (Französisch für Anfänger”, “Vorstadtkrokodile” und “Vorstadtkrokodile 2)
Fotos © RatPack Film/Constantin/herbX

Zur Website Wickie auf großer Fahrt

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