Die BrezelBar im Kreuzberger Bergmannkiez

„Mir fällt die Decke auf den Kopf, wenn ich nichts mache“

Es gibt Sachen, die könnte ich mir immer wieder wie ein kleines Kind in den Mund stecken und danach genüsslich die Finger ablecken. Die Brezeln von Oren Dror gehören dazu. Seine BrezelBar in Kreuzberg ist seit fünf Monaten mein zweites Wohnzimmer. Dass es nicht langweilig wird, dafür sorgt der gebürtige Israeli mit immer neuen Kreationen: Brezeln mit Käse oder Schokolade, klein, groß, dick oder dünn, mit Butter, diesem oder jenem. Dazu gibt es noch eine Auswahl herrlicher selbst gemachter Kuchen, Croissants und Bagel. Und nicht zu vergessen: Die vielen leckeren biologischen Kaffee- und Teesorten.

Als Oren Dror im Jahr 2000 in Berlin landet, ist das fast ein Versehen. „Eigentlich wollten ein Freund und ich nach Amsterdam, um dort Silvester zu feiern.” Aus dem Zwischenstopp in Berlin wird ein Daueraufenthalt. Amsterdam sieht Oren Dror erst ein paar Jahre später und seine Heimatstadt Tel Aviv nur noch selten. Nicht ganz unschuldig daran ist auch die Liebe. Seit einem Jahr ist Oren Dror mit der Schweizer Tänzerin Eva Suter zusammen. Beide leben im Bergmannkiez, ganz klassisch im Altbau. „Wir ziehen hier auch nicht mehr aus“, sagt er und strahlt dabei.

Doch zurück zu den Brezeln. Angefangen hat Oren Dror mit einem Korb voll. Er springt vertretungsweise für einen erkrankten Freund ein und verkauft die Brezeln an Berliner Strandbars. Das lief gut „und hat mir Spaß gemacht.”

Zuvor schlägt er sich als Tellerwäscher und Kellner durch, lernt die deutsche Sprache und Mentalität kennen. „Im Gastro-Bereich kannte ich mich ja aus. Als ich 14 war, habe ich bei einem Gemüsehändler in Tel Aviv angefangen und den alten Damen die Einkaufstaschen getragen. Dafür habe ich drei Schekel bekommen, was etwa 50 Cent entspricht. Ich wollte mich einfach bestätigt wissen, dass ich arbeiten kann.” Es folgen Jobs in einem Fast Food-Restaurant und verschiedenen Cafés. Auch in Berlin. Dass ihn diese am Ende nicht mehr glücklich machen führt zum entscheidenden Schritt.  „Ich wollte einfach weiter kommen.”

Aus der Brezel-Vertretung wird ein fester Job, später schließt Oren Dror Verträge mit Veranstaltern und ab da verkauft er exklusiv seine Brezeln auf Konzerten und Events in Berlin, darunter die Loveparade, der Karneval der Kulturen und die C-Halle. Das einzige Problem sind die Wintermonate. „Ich hatte alles angeschafft, was man zum Backen braucht, habe eine eigene Bäckerei. Würde diese im Winter still stehen, würde ich Verluste machen. Außerdem fällt mir die Decke auf den Kopf, wenn ich nichts mache.” Eine Lösung muss her und ist schnell gefunden: Die eigene BrezelBar. Seit der Eröffnung im Mai vor zwei Jahren arbeitet Oren Dror auch schon mal 15 Stunden am Tag. Das Brezelgeschäft ist ein hartes Business, sagt er. Doch seine 16 Mitarbeiter sind zufrieden – „Ich habe wirklich gute Leute eingestellt“, sagt Dror – , der Laden läuft und die Kunden sind glücklich.

 

Und was sagt die Familie zum in Israel eher untypischen Konzept? „Die finden das super. Mein Vater ist selbst ein erfolgreicher Unternehmer. Und meinen Eltern ist wichtig, dass ich meine Rechnungen alleine bezahlen kann, dass ich glücklich bin.”

Ich bin inzwischen süchtig, nicht nur nach den süßen Teigteilchen, sondern auch nach der BrezelBar. Die gemütliche Einrichtung, Lese-Lounge, die Bereitstellung von W-Lan und Steckdosen an jedem Tisch für Laptops, verschiedene Ausstellungen und Kleinkunstprojekte sorgen dafür, dass ich einfach gerne dort bin.

Weitere Informationen unter www.brezelbar.de. Natürlich gibt´s die Brezelbar auch auch FACEBOOK.

Einen lieben Dank an Mononna Ciccone für diesen Beitrag.

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