DFB – noch alles rund?

Davor, mittendrin und danach. Ein emotionaler aber auch kritischer Blick eines 6.Ligisten – Wir durften den BFC Preussen begleiten und haben Eindrücke mitgebracht: Der Traum eines jeden Fußballers ist es aus dem Amateurbereich in die Nähe des DFB-Pokals zu gelangen. Dem BFC-Preussen gelang genau dieser Sprung und sie haben es in die erste Runde geschafft. Ein Spiel gegen den 1. FC Köln steht jetzt kurz bevor. Ein Treffen mit dem 1. Vorsitzenden sowie Trainer der 1. Mannschaft, Andreas Mittelstädt sowie dem Geschäftsführer Fred Böttcher vermitteln Eindrücke der Zeit davor und mittendrin und letztendlich auch „danach“!

Andreas, kehr doch bitte zu dem finalen Spiel gegen SV Lichtenberg gedanklich zurück. Was habt ihr an diesem Tag gemacht?

Wir waren am 28. Mai im Trainingslager in Lindow. Wir sind sehr früh aufgestanden und haben uns die Spiele von TeBe angeschaut. Es fiel eine Entscheidung zur Mannschaftsaufstellung: Genau so machen wir das! Mitten in der Nacht bin ich wach geworden. Nein, wir stellen um! Es war ein wundervoller Tag, nicht eine Wolke am Himmel, ich bin alleine spazieren gewesen und habe den Tag kurz vor dem Spiel irgendwie sehr genossen. Wir haben noch ein paar schöne Fotos zur Erinnerung am See gemacht und die Jungs ein wenig angespitzt. Auf der Fahrt zum Spiel war es relativ ruhig im Bus. Einen tollen Empfang bereiteten uns die Preussen Fans und unsere Kabine war vom Gastgeber hervorragend vorbereitet. Für einen kurzen Moment stellte ich mir die Frage: Was machen wir eigentlich, wenn wir gewinnen!?

Nun habt ihr gegen SV Lichtenberg mit 1:0 gewonnen. Wie war das im ersten Moment?

Alles um mich herum rannte los. Ich stand einfach nur da, fühlte mich entspannt. Auf der Tribüne habe ich meine Freunde gesehen und meine Tochter hat aus vollem Hals vor Freude gebrüllt. Dann versank auch ich in der Menge des Trubels. Seither klingelte mein Telefon ununterbrochen.

Am 18.6. war die Auslosung im Vereins-Casino. Gab es einen Wunschkandidaten?

Das war ein aufregender Tag, über 150 Menschen waren dabei. Nun sind wir auch zum gleichen Zeitpunkt mit der B-Jugend in die höchste Spielgruppe aufgestiegen. Wir waren total aufgeregt. Als Favourit wünschten wir uns Bayern München. Letztendlich wurde es dann der 1. FC Köln. Natürlich freuten wir uns genauso darüber – Wir sind in der DFB-Runde, das ist das Einzige was zählt.

Andreas Mittelstädt, 1. Vorsitzender u. Trainer (BFC Preussen)

Andreas Mittelstädt, 1. Vorsitzender u. Trainer (BFC Preussen)

Nun birgt solch ein DFB-Spiel ja einiges an Aufregungen, Emotionen und Organisationen. Wie bekannt ist, sind auch die Reglements des DFB nicht einfach. Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht? Wie geht es Euch?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Aus sportlicher Sicht, bereiten wir uns gerade auf unser erstes Saisonspiel gegen Croatia vor. Wir haben allerdings noch mit Verletzungen einzelner Spieler sowie mit Urlaubern zu kämpfen. Natürlich liegen auch die Nerven manches Mal bei den Spielern blank.

DFB – noch alles rund?

Was die Vorbereitungen zum DFB-Spiel betreffen, so bin ich schon etwas enttäuscht. Es ging damit los, dass wir unser eigenes Stadion nicht nutzen durften, da es den DFB-Anforderungen nicht gerecht wäre.  Unendlich viele Punkte sind hier vorgeschrieben und einzuhalten. Natürlich haben wir keine 40m² große Kabine für den Schiedsrichter plus Dusche. Auch die Abstände der Kleiderhaken in den Kabinen stimmen bei uns nicht. An dieser Stelle fragt man sich, warum man sich nicht auf die Gegebenheiten von Armateuren einlassen kann?! Ich glaube nicht, dass es einen Nationalspieler, wie Jonas Hector interessiert, ob er durch Kabinengänge zur Dusche oder an den Müttern der Auflaufkinder vorbei muss. Schnell entsteht hier der Eindruck, dass es nicht mehr um Fußball geht.

Auch hätte ich mir mehr Unterstützung vom DFB gewünscht. Wir stehen zwei Wochen vor dem Spiel und haben bisher keinerlei Informationen wann wir die Siegprämie von 140.000 Euro erhalten. Für einen 6. Ligisten wie uns,   ist das eine ziemliche Herausforderung alles zu stemmen oder auch in Vorleistung zu gehen. Der 1. FC Köln erwartet von uns eine Überweisung in Höhe von 7.000 Euro, damit er seine Unterkünfte in Berlin bezahlen kann. Auch dieser Verein erhält die Siegprämie in gleicher Höhe. Wir sind sogar nach Köln gefahren und haben versucht eine Einigung im finanziellen Rahmen zu finden. „Lasst uns erst das Spiel machen“, wurden wir abgefertigt. Auch eine email an den DFB mit der Bitte um Vorschuss, blieb bisher unbeantwortet. Übrigens gehen die Eintrittsgelder des Spiels je zu 50% an beide Vereine. Da hätten wir eher in Köln spielen sollen! Wenn man bedenkt, dass der 1. FC Köln unter den 10 größten Vereinen mit 80.000 Mitgliedern ist, kann man das schon als Farce empfinden. Mitbekommen haben wir im Gegenzug eine Liste, in der aufgeführt war, was wir besorgen sollen. Unter anderen 40 kg Eis bis hin zu Obst, Kaffee und Wasser. Ich habe mir überlegt, ob wir einen Trip in die Antarktis machen um einen Block Eis ranzukarren!

Für mein Empfinden kommt nichts vom DFB, keine Unterstützung oder Hilfe, wie wir damit umgehen sollen. Aber Freikartenkontingente werden angefordert. Sky bekommt schon alleine 100 Freikarten. Ich bin enttäuscht und wir haben uns gefragt, ob hier völlig vergessen wurde, was der DFB-Pokal eigentlich ist und mit welcher Intension er geschaffen wurde! Jede 1. Mannschaft in Deutschland hat die Möglichkeit den DFB-Pokal zu gewinnen. Die Chancen sind gleich. Die Profivereine sind gesichert, alle anderen müssen sich qualifizieren. So weit so gut, aber warum werden keine abgeschwächten Regeln für Armateurvereine ermöglicht für die Umsetzung eines Spiels im eigenen Segment? Wir haben uns natürlich auch mit anderen Vereinen ausgetauscht, die es auch in DFB-Runden geschafft haben. Der Tenor ist überall gleich, nur wird das hinter vorgehaltener Hand gehalten: Die kleinen Vereine werden kaputtgemacht, die meisten machen ein Minus! Das kann doch nicht Sinn der Sache sein. DFB – im Grund müssten sich alle freuen, dass es so etwas gibt. Wir werden hier aber das Gefühl nicht los, als kleiner Verein ein lästiges Übel zu sein und dass die Haute Volaute unter sich bleiben möchten.

Glaubst Du, dass Ihr eine Chance habt zu gewinnen gegen den 1. FC Köln?

Ich glaube an die Stärke unserer Mannschaft, ob das reicht, wird man sehen.

Uwe Utz und Peer Seifert

Uwe Utz u. Pierre Seiffert

Was zeichnet eure Mannschaft aus?

Wir spielen bisher durchweg guten Fußball und sind eine gute Gemeinschaft.  Auch wenn es vielleicht nicht immer bei uns so aussieht und es auch mal kracht – im Endeffekt halten jedoch alle zusammen. Ein großer Verdienst geht hier an unseren Trainer Rommel (39). Er führt die Jungs mit Konsequenz und Freundlichkeit und schafft es immer wieder die Hitzköpfe zu beschwichtigen. Nicht zu vergessen unser Geschäftsführer Fred Böttcher, er ist unverzichtbar für den Verein. Er hält uns den Rücken frei und kümmert sich um alles Administrative. Goldwert auch unsere beiden Betreuer Jürgen und Angelika sowie Tobias Viernickel. Pierre Seiffert und Uwe Utz sind für uns wie 1 Körper mit zwei Köpfen und leisten unglaublichen Beistand und Unterstützung. Wir sind dankbar für so großen Einsatz, so daß wir uns auf die sportliche Variable konzentrieren können.

Wie bereitet Ihr Euch vor und bleibt die Freude trotz aller Anspannungen?

Wir sind seit dem 4. Juli wieder aktiv. Natürlich hat sich das Training seither verändert. Wir haben uns auf einen anderen Level gebracht. Schließlich wollen wir uns ja nicht blamieren. Das Training ist härter geworden und wir somit „fitter“. Die Vorfreude ist und bleibt wahnsinnig groß. An dieser Stelle möchte ich dem 1. FC Union ein großes Lob aussprechen. Der Geschäftsführer Oskar Kosche und Präsident Dirk Zingler haben uns sehr geholfen. Nicht nur mit der Bereitstellung des Stadions sondern mit aktivem Einsatz, eine Menge Know How und Unterstützung, damit wir dieses Spiel überhaupt realisieren können. Enttäuscht bin ich, dass von meinem Lieblingsverein Hertha BSC überhaupt nichts kam.

Unsere Mannschaft ist fokussiert und engagiert. Wir wollen den Kölnern fußballerisch „weh tun“. Für uns alle gilt: Vielleicht ist es für die Spieler das Highlight ihrer Karriere – aber ganz sicher ist es nicht das Highlight der Saison. Wir wollen den Fokus nicht verlieren und in die Oberliga aufsteigen. Das bleibt primäres Ziel.

Fred Boettcher, Geschäftsführer BFC Preussen

Fred Boettcher, Geschäftsführer BFC Preussen

Nun kommt Fred Böttcher, Geschäftsführer vom BFC Preussen hinzu und wir können ihn noch schnell ein paar Fragen stellen:

Fred, jetzt sind es noch etwas mehr als zwei Wochen vor dem DFB-Spiel. Wie geht es Dir?

Also ganz ehrlich, wenn man solch administrativen Abläufe gewohnt ist, wäre es Alltag. Das größere Problem ist, bei jedem was man erledigt oder eben nicht erledigt, habe ich das Gefühl das Damoklesschwert des DFB ständig über mir zu haben. Ich will nicht ungerecht sein, es gibt Mitarbeiter beim DFB, die hier unterstützen. Jedoch dürfte das Reglement des DFB fast jeden Verein an seine Grenzen bringen.

Ist das eine starke Belastung?

Für mich ist das eine Herausforderung, aber es bereitet wirklich schlaflose Nächte. Ich werde nachts wach und frage mich „Um Gottes Willen, haben wirklich alle das  NADA-Formular ausgefüllt, unterschrieben und abgegeben. (Anm. Red. : Nationale Anti Doping Agentur-NADA) Nicht, dass  wegen eines nicht ausgefülltem Formulars das Spiel im Nachhinein für nichtig erklärt wird. Ist ja alles schon da gewesen!

Wie wichtig ist es, das DFB-Spiel zu gewinnen?

Vielleicht können wir das DFB-Spiel als Underdog gewinnen, jedoch viel wichtiger für uns ist es in der Oberliga zu bestehen. Und ich habe eine grundlegende Vision für das Jahr 2019. Wir feiern dann das 125jährige Bestehen unseres Vereins und bis dahin möchte ich uns in der Regionalliga sehen.

Danke an Andreas und Fred für das Gespräch!

DANACH! Die CLIQUE vor Ort!

Der BFC Preussen verlor das Spiel mit 7:0. Wir waren dabei und haben Euch ein paar Eindrücke mitgebracht. Wir waren zum ersten Mal in der „Alten Försterei“. Das Stadion hat wirklich Charme und wir wurden gut aufgenommen. Der Service war ausgezeichnet.

Super schade, fanden wir, dass etliche Plätze frei geblieben sind. Solch ein Ereignis sollte an sich von ganz Berlin, bzw. von den Berliner Fußballvereinen unterstützt werden. Traurig, dass es so wenig Solidarität in diesem Bereich gibt. Die FC Köln Fans haben das Stadion sicherlich gerockt – doch Sprechchöre mit dem Tenor: Wir scheissen auf Berlin“ Waren an dieser Stelle nicht nur unsportlich, sondern auch völlig unangebracht.

Zum Spiel: Die erste Halbzeit hat es der BFC Preussen geschafft, dem 1. FC Köln ebenbürtig entgegenzutreten und den Ball gößtenteils in die gegnerische Seite zu bekommen. Der Kräfteverschleiß in 60 Minuten war dann doch zu spüren. In einem Telefonat  ein Tag später, bekamen wir ein kurzes Statement:   

Andreas Mittelstädt (Trainer BFC Preussen): „Wir haben es die ersten 65 Minuten ganz gut gemacht. Natürlich hatte Köln ein Übergewicht an Chanchen. Dennoch war es sein sehr gutes Spiel von uns. Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Renè Robben, das 2:1 gemacht hätte. Aber über 90 Minuten kann man einen solchen Gegner nicht in Schach halten. Es war dennoch für uns ein tolles Erlebnis.

Als großes Lob habe ich auch die Aussage vom Kölner Trainer, Bernd Stöger empfunden: „Der BFC Preussen verdient viel Respekt, die Mannschaft hat hochintelligent gespielt.“

Anm. d. Redaktion: Danke, an den BFC Preussen, dass wir Euch begleiten durften! Tolle Organisation!

FOTO Headline: SR PICTURES, Sandra Ritschel

www.bfc-preussen.de

Diesen Bericht findet Ihr auch in der kommenden CLIQUE-Ausgabe „EIER IN DER HOSE“

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